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Wahlaufruf zur Europawahl : Youtuber stellen sich hinter Rezo

  • Aktualisiert am

Dagi Bee, mit mehr als vier Millionen Followern erfolgreich auf Youtube, unterstützt Rezo in seiner Kritik an den Regierungsparteien. Bild: Rezo ja lol ey

Rezo hat zusammen mit anderen Youtubern zur Europawahl aufgerufen, allerdings wieder mit einer klaren Absage an die Regierungsparteien. Die Jusos antworten mit einem eigenen Video, die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer hat Fehler im Umgang mit Rezos Video eingeräumt.

          Nach seinem viel diskutierten Anti-CDU-Video bekommt Rezo demonstrative Unterstützung aus der Youtuber-Szene. Auf dem Youtube-Kanal des 26 Jahre alten Mannes tauchte am Freitag ein knapp dreiminütiges neues Video auf. Der Clip beginnt mit einer Ankündigung von Rezo: „Dies ist ein offener Brief, ein Statement.“ Im Anschluss kommen nacheinander rund 30 andere Youtuber zur Wort, die eine Erklärung verlesen, die auch als Text unter dem Video zu sehen ist. Unterzeichnet haben diese bisher mehr als 80 Video-Blogger.

          Darin heißt es unter anderem: „Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet.“

          In dem Video geht es auch um die Reaktionen aus den Parteien. Mit den Vorwürfen, Youtuber seien gekauft und instrumentalisiert worden, hätten sich die Politiker keine Freunde gemacht. Es gehe um legitime politische Meinungen. Auf das Gesprächsangebot des CDU-Generalsekretärs Paul Ziemiak geht Rezo in dem Video nicht ein.

          Angehängt ist eine „Liste von Unterzeichnern“. Darin tauchen einige der reichweitenstärksten Youtuber auf, wie Julien Bam, Dagi Bee oder LeFloid. Diese verfügen jeweils zum Teil über deutlich mehr als eine Million Abonnenten auf ihren Kanälen. Das Video, das die Debatte ausgelöst hatte, wurde mittlerweile über siebeneinhalb Millionen Mal aufgerufen. 

          Die SPD hat mit einem Gesprächsangebot und der Werbung um Unterstützung reagiert. Dazu posteten Generalsekretär Lars Klingbeil (41), Juso-Chef Kevin Kühnert (29) und der Europaabgeordnete Tiemo Wölken (33) ein eigenes Video auf Youtube. „Uns hat eure Kritik erreicht“, sagte Klingbeil. „Organisiert euch, ladet uns ein, wir versprechen euch, wir kommen dazu, egal ob Wahlkampf ist oder nicht.“

          Kühnert betonte angesichts der Kritik an zu wenig Klimaschutz: „Wir brauchen nicht miteinander darüber zu streiten, dass der Klimawandel die wahrscheinlich größte Herausforderung ist, vor der wir stehen.“ Für gesellschaftliche Veränderungen brauche es aber Mehrheiten. Für die SPD sei das geplante Klimaschutzgesetz eines der wichtigsten Vorhaben. „Wir wollen, dass in diesem Klimaschutzgesetz die Gebrauchsanweisung drinsteht, wie wir das in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren machen.“ Die „ganzen Unionsminister“ müssten dann konkret sagen, was der Beitrag in ihren Bereichen sein solle.

          Die AfD, von deren Wahl die Youtuber in ihrem Video abraten, reagierte gelassen: „In zehn Jahren wählen die Youtuber, die es zu einem richtigen Job, einer Familie und vielleicht sogar einer Eigentumswohnung gebracht haben, die AfD“, sagte ein Parteisprecher der Deutschen Presse-Agentur.

          CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte in einem Interview mit „Focus Online“ bereits Fehler im Umgang mit dem Video eingeräumt. „Ich gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben, um darauf zu reagieren“, sagte Kramp-Karrenbauer in Bezug auf das Video. Manchmal sei es besser, noch einmal Luft zu holen und sich zu fragen, welcher Ton und welcher Stil der Verantwortung der Volkspartei CDU entsprächen. 

          „Wir müssen einander in der Demokratie nicht ‚zerstören‘, sondern verschiedene Interessen ausgleichen und politische Kompromisse schließen, die von einer Mehrheit der Menschen akzeptiert werden", sagte sie.

          Gleichzeitig verteidigte Kramp-Karrenbauer die Politik ihrer Partei: „Die Sicht, als hätten wir noch nie etwas für Umwelt- und Klimaschutz geleistet, ist – vorsichtig formuliert – einseitig.“ Das erste Gesetz, das einen gewissen Vorrang für grünen Strom festgelegt habe, stamme aus dem Jahr 1991. Die CDU-Chefin verweist daneben auf den Kohleausstieg, der in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen vereinbart worden sei und auf konkrete Klimaschutzgesetze, die die große Koalition bis Ende des Jahres vorlegen wolle.

          Zum Ton und Inhalt des ersten Rezo-Videos sagte die CDU-Chefin: „Da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen (...) Dass man mit politisch hoch korrekter Sprache junge Leute nicht erreicht, ist klar.“ Und dass ein 26-Jähriger klage, es sei ihm alles nicht radikal genug, gehöre zu den Vorrechten der jüngeren Generation.

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