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Medikamenten-Mangel in Iran : Die Kranken warten

  • -Aktualisiert am

Es fehlt an vielem: Auch die Sanktionen sind daran schuld Bild: AFP

In Iran werden die Medikamente knapp. Nach Verschärfung der Sanktionen haben sich Banken und Pharmaunternehmen aus dem Iran-Geschäft zurück gezogen. Doch es gibt noch weitere Gründe für den Arzneimittel-Notstand.

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          Alle sechs Wochen packt Professor Nosrat Firuzian einen großen Koffer voll Krebsmedikamente und fliegt nach Teheran. Drei Dutzend iranischen Krebspatienten rettet oder verlängert der Onkologe am Elisabeth-Krankenhaus in Recklinghausen auf diese Weise das Leben, denn die Spezialmedikamente, die sie brauchen, sind in Iran nicht mehr zu erhalten. Nicht immer kommt seine Hilfe rechtzeitig. Vor zwei Wochen starb eine Patientin an Lymphdrüsenkrebs, weil das notwendige Medikament nicht da war.

          Seit April, sagt Heiko Hanke vom Verein „Deutsch-Iranische Krebshilfe“, erreichen ihn täglich Hilferufe von Krebskranken oder deren Angehörigen aus Iran: „Bitte holen Sie meinen Sohn nach Deutschland. In Iran kann er nicht behandelt werden.“ Dabei leistet der Verein nur in Ausnahmefällen Hilfe für Kranke. Sein eigentliches Ziel ist es, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen deutschen und iranischen Onkologen zu fördern. Aber jetzt ist die Beschaffung von Medikamenten in den Vordergrund gerückt. „Unsere Partner in Iran“, sagt der Präsident des Vereins, Amir Roughani, „sind verzweifelt und betteln geradezu darum, dass wir etwas unternehmen.“

          Medikamentenhandel auf dem Schwarzmarkt

          Zum Teil sei die pharmazeutische Versorgung vollständig zusammengebrochen, berichtet die Mitarbeiterin eines Teheraner Krankenhauses. Krebskranke müssten ihre Chemotherapien abbrechen. Ärzte sagten ihren Patienten, dass sie unheilbar krank sind und eine Therapie keinen Sinn mehr hat. Dabei sind nur die notwendigen Medikamente nicht zu beschaffen. Oder sie sind durch den Kursverfall des Rial unbezahlbar geworden.

          Betroffen sind nicht nur Krebskranke, sondern auch Patienten mit multipler Sklerose, der Bluterkrankheit oder Dialysepatienten. Grippeimpfstoff, der für immunschwache Menschen lebenswichtig sein kann, ist seit Wochen aus den Teheraner Apotheken verschwunden. Ein Hormonpräparat, das bei Brustkrebs nach der Chemotherapie über fünf Jahre verschrieben wird, wird auf dem Schwarzmarkt mittlerweile stückweise gehandelt.

          Fatemeh Haschemi, Vorsitzende einer Wohltätigkeitsorganisation für „Spezialkrankheiten“ in Iran und Tochter des ehemaligen Präsidenten Ali-Akbar Haschemi Rafsandschani, schrieb schon im Juni an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Haschemis Organisation betreut in Iran sechs Millionen Patienten. Ban warnte daraufhin Anfang Oktober, dass die Sanktionen „bedeutende Auswirkungen für die Normalbevölkerung“ hätten. Unter anderem nannte er die „Verknappung notwendiger Güter wie Medikamente“. Selbst Unternehmen mit einer Lizenz zur Ausfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten nach Iran hätten Schwierigkeiten, Banken zu finden, welche die Transaktionen abwickeln.

          „Nahezu ein Totalembargo“

          Zwar stellt Iran mehr als neunzig Prozent seiner Medikamente im Land selbst her. Trotzdem bleibt es auf den Ankauf von Rohstoffen für seine pharmazeutische Industrie und auf Spezialmedikamente aus dem Westen angewiesen. Seit die Iran-Sanktionen im März ein weiteres Mal verschärft wurden, ist es de facto unmöglich geworden, Geld aus Iran in die EU zu überweisen. Lebensmittel und Medikamente sind zwar von den Sanktionen ausgenommen, aber aus Unsicherheit oder Angst vor negativen Folgen haben sich Banken und Pharmaunternehmen aus dem Iran-Geschäft zurückgezogen.

          „Durch den Rückzug der Banken aus dem Iran-Geschäft entsteht in der Praxis nahezu ein Totalembargo“, sagt Daniel Bernbeck von der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Teheran. „Banken nehmen kein Geld mehr an, wenn der Absender aus Iran ist“, sagt er weiter, „auch wenn es sich dabei, wie im Beispiel von Arzneimittellieferungen, um die Bezahlung eines nichtsanktionierten Gutes handelt.“

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