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Medien : Hohn und Spott aus der ganzen Welt

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Die Supermacht als Bananenrepublik - so oder ähnlich kommentierten nach der US-Wahl Medien weltweit die Verwirrung um die Auszählung und andere Unregelmäßigkeiten in einem Land, das sich gern als Hüter der Demokratie präsentiert.

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          Schwankend zwischen Humor und Verärgerung sehen sich die Sprecher der amerikanischen Regierung gezwungen, den Ruf ihres Landes zu verteidigen.

          Teils besorgt, teils schadenfroh haben sich Kommentatoren von europäischen, russischen, indischen, iranischen und afrikanischen Tageszeitungen des Spektakels um die amerikanische Präsidentenwahl angenommen - vom Angebot, Wahlbeobachter in die USA zu entsenden bis zur Feststellung, solcherlei Geschehen ziehe in anderen Ländern Sanktionen nach sich.

          "Wie Sie wissen, werden wir weiterhin rund um die Uhr und sieben Tage die Woche überall in der Welt unseren Staatsgeschäften nachgehen können“, versicherte der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Sandy Berger, und betonte, die Präsidentschaft von Bill Clinton ende ja schließlich erst am 20.Januar. Wie um die Weltmachtstellung der USA zu beschwören, zählte er die wichtigen außenpolitischen Termine seines Chefs auf: Clinton werde sich in den nächsten Tagen mit Israels Regierungschef Ehud Barak und Russlands Präsidenten Wladimir Putin treffen.

          USA als „Bananenrepublik“

          Als eines der ersten Blätter verglich der britische „Daily Mirror“ die USA mit einer Bananenrepublik, die ehrwürdige Londoner „Times“ nannte das Debakel eine „Parodie auf die Demokratie“ und warnte düster, die USA befänden sich „am Rand der tiefsten politischen Krise seit Watergate“. Der italienische „Corriere della Sera“ roch Ungerechtigkeit und der linke „Il Manifesto“ klagte, „das Schicksal des Planeten hängt nun an einer Handvoll Rentner in Florida“.

          In Österreich bemerkte die Wiener „Presse“ mit Süffisanz, sogar die Wahlen im Kosovo seien organisierter gewesen als die in den USA. „Man glaubt sich in einer Bananenrepublik und nicht in einem Land, das sich selbst als Mutter der Demokratie sieht.“ Die türkische „Hurriyet“ sah gar „die amerikanische Legende“ zusammenbrechen, während die indische Zeitung „The Asia Age“ den USA die Direktwahl empfahl „wie in der großen Demokratie Indien“. In der britischen BBC durfte ein Berater von Zimbabwes Präsident Robert Mugabe noch eins draufsetzen: In Zimbabwe würden solche Vorkommnisse sofort internationale Sanktionen nach sich ziehen, meinte er.

          Sprecher reagiert gereizt



          Die Wahlen seien „geordnet, normal, legal, klar, transparent und öffentlich“ über die Bühne gegangen, bekräftigte der Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher leicht gereizt. Nein - die USA planten nicht, bei der Organisation Amerikanischer Staaten um Wahlbeobachter nachzufragen, bügelte er einen südamerikanischen Spaßvogel ab. Dieser hatte auf Forderungen der USA in der Vergangenheit angespielt, zu Abstimmungen in Peru und Haiti Wahlbeobachter zu entsenden.

          Washington habe bezüglich der Verwirrung nach der Wahl keine einzige Anfrage aus dem Ausland erhalten, betonte Boucher: International bestünde weder Erklärungsbedarf noch Beunruhigung. „Bisher hat uns noch niemand gefragt, ob wir jetzt im Weltraum verloren sind oder wie das auch immer aussehen mag.“ Doch selbst die US-Presse urteilte hart: „Am Dienstag ist unser gesamtes politsches System explodiert“, schrieb die „Washington Post“.

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