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Mecklenburg-Vorpommern : Stavenhagen streicht Hitlers Ehrenbürgerschaft

  • Aktualisiert am

Hitler und Hindenburg im März 1933 Bild: dpa

Adolf Hitler war noch immer Ehrenbürger von Stavenhagen. Das haben erst jetzt Recherchen für das Stadtjubiläum zu Tage gebracht. Nun hat die Gemeinde diese Würde offiziell aberkannt.

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          Manchmal dauert es etwas länger: Mehr als 68 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Stadt Stavenhagen im Kreis Mecklenburgische Seenplatte die Ehrenbürgerschaften ehemaliger NS-Größen gestrichen. Der Beschluss fiel am späten Donnerstagabend einstimmig in der Stadtvertretung, sagte Hauptamtsleiter Joachim Demske am Freitag.

          Die Ehrenurkunden von Adolf Hitler und dem damaligen Gauleiter von Mecklenburg, Friedrich Hildebrandt, waren bei Recherchen im Landeshauptarchiv in Schwerin entdeckt worden. Dort hatte die Leiterin des Fritz-Reuter-Literaturmuseums, Cornelia Nenz, für die 750-Jahr-Feier Stavenhagens im Jahr 2014 recherchiert. Entdeckt wurde zudem, dass auch Reichspräsident Paul von Hindenburg Ehrenbürger der Stadt war.

          „Ein Ehrenbuch gibt es nicht“

          Die knapp 6000 Einwohner zählende Stadt hat laut Demske aus der Zeit vor 1945 kein Ehrenbuch, wo man selbst hätte nachschauen können. Ob es überhaupt eins gegeben habe und wo das sein könnte, sei unklar.

          Nach 1990 waren Hitler und andere NS-Größen noch in mehreren kleineren Städten im Nordosten als ehemalige Ehrenbürger geführt worden, diese Ehre wurden ihnen nach Bekanntwerden wieder aberkannt. In Nortorf in Schleswig-Holstein erwirkte eine Bürgerinitiative im April 2013, also 80 Jahre nach der Verleihung, dass Hitler die Ehrenbürgerschaft wieder entzogen wurde.

          Viele deutsche und österreichische Gemeinden hatten Hitler als Ehrenbürger geführt. Manche entzogen diese Würde gleich nach dem Krieg durch offiziellen Beschluss, andere erst Jahrzehnte später. Manche Städte tilgten die Ehrenbürgerschaft still und leise einfach aus den Urkunden, in anderen erlosch sie automatisch mit dem Tode Hitlers. Die Gemeinde Bornheim in Rheinland-Pfalz hielt das nicht davon ab, im September 2012 nochmals einen offiziellen Stadtratsbeschluss zu treffen.

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