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McCain-Kommentar : Menetekel der Spaltung

Beerdigung von John McCain am 1. September 2018 in Washington Bild: EPA

Die Amerikaner haben Abschied von John McCain genommen – und von seiner Politik des Ausgleichs. Der amtierende Präsident steht für das Gegenteil: die Spaltung der Nation.

          Im zivilreligiösen Teil der amerikanischen Demokratie ist eine Trauerfeier für einen großen Politiker und Staatsmann in der Regel ein herausragender, ein erhebender Moment. Sie soll die Nation zusammenbringen, damit sie sich ihrer selbst vergewissern und auf ihr Wesen besinnen kann. Ein solcher Moment war die Trauerfeier für den vor einer Woche gestorbenen Moment John McCain nicht. Sie war, wie schon gesagt wurde, das Menetekel für die Spaltung des Landes in Ära Trump.

          McCain, Kriegsheld und langjähriger Senator, wurde in der National Cathedral in Washington als herausragender Mensch, Soldat und Politiker gewürdigt, manchmal mit einer Note jener Heiterkeit, wie sie bei einem solchen Anlass in Amerika nicht unüblich ist. Auch der „Querkopf“ kam nicht zu kurz. Es waren die früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush, welche das unerschütterliche Eintreten McCains für Freiheit, seine Zivilität und Integrität rühmten. Der eine, Obama, der Demokrat, hatte den Senator aus dem Südweststaat Arizona in der Präsidentenwahl 2008 deutlich und klar geschlagen, der andere, Bush, im republikanischen Vorwahlkampf acht Jahre zuvor. Er war ihr politischer Widersacher, unbequem, unerschütterlich und, auch das, eine Spur unkalkulierbar– aber er war niemals ihr Feind. Er habe das Land besser gemacht und ganz gewiss auch sie selbst.

          Als sie diese Worte sprachen vor so vielen politischen Würdenträgern der Vereinigten Staaten, war ihr Nachfolger im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit anderen Dingen befasst, es heißt, mit Golfspielen. Trump war nicht eingeladen, weil McCain, der der schärfste innerparteiliche Kritiker des Präsidenten war, es nicht wollte. Wahrscheinlich war Trump das ganz recht. Zwar wurde er in der Stunde der Trauer um einen großen Staatsmann für die einen so zu einem Paria des öffentlichen Leben in Amerika, aber in der Abwesenheit kam seine Verachtung für das sogenannte Establishment in ihrer ganzen Vulgarität umso krasser zum Ausdruck.

          Washington nahm deshalb am Samstag nicht nur Abschied von dem Menschen John McCain, der sich in vielen Jahren nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft nicht brechen ließ, sondern auch von seiner Art von Politik (auf einem festen konservativen Fundament) und von demokratischem Interessenausgleich. Auch von einem Amerika, dem viele der Wähler und Verehrer Trumps den Rücken zugekehrt haben. Die lieben, wie es einer geschrieben hat, seine Politik der verbrannten Erde, der Verachtung und seine zersetzenden Angriffe auf die Institutionen und Traditionen, die John McCain zeit seines Lebens in Ehren hielt. Deshalb war für ihn in der National Cathedral kein Platz. McCain hat im Dienste seines Landes und für dieses große Opfer gebracht. Der amtierende Präsident hat das nicht, er hat weder die Größe noch den Charakter dazu. Er ist sich selbst genug.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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