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Matthias Wissmann : Guter Draht zur Kanzlerin

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Fährt gerne Fahrrad: VDA-Präsident Matthias Wissmann Bild: REUTERS

Er fährt gerne Fahrrad und hat die Handynummer der Kanzlerin: VDA-Präsident Matthias Wissmann erfreut sich bester Kontakte zu Angela Merkel und tut dies auch gerne kund. Für die Autoindustrie ist der ehemalige Verkehrsminister ein Segen.

          Dieses war der zweite Streich: Erst die befristete Aussetzung der Kfz-Steuer und nun auch eine Abwrackprämie von 2500 Euro. Und das alles in zwei Monaten. Es lohnt sich, wenn man einen guten Draht zur Kanzlerin hat. Matthias Wissmann hat einen besonders engen Kontakt zu ihr, mit der er einst als Verkehrsminister im Kabinett Kohl saß. Diese guten Kanäle verschweigt er auch gar nicht, denn er ist ähnlich eitel wie die meisten Berliner Lobbyisten und lässt gern durchblicken, dass er die Handynummer Angela Merkels hat, somit regelmäßigen SMS-Kontakt.

          Wissmann ist erst knapp zwei Jahre Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA), doch was er in dieser Zeit erreichte, hätte sein glückloser Vorgänger Bernd Gottschalk nie geschafft. Er kam, um zunächst das Image der PS-Branche klimafreundlicher zu machen. Daher erzählte er gerne, dass er in Berlin auch Fahrrad fahre und alles andere als ein Autonarr sei. Dann jedoch schaffte es dieser vermeintlich Grüne, mit Hilfe der Kanzlerin weichere Klima-Normen der EU herauszuschlagen, den Herstellern mehr Zeit für die Umstellung auf niedrigere Kohlendioxid-Grenzwerte zu geben. Und nach dem jüngsten Coup könnte man denken, Wissmann habe aus Merkel bereits eine Autokanzlerin gemacht, ihr zu einem Titel verholfen, der eigentlich für ihren Vorgänger Schröder reserviert schien.

          Wie Motten das Licht suchen Lobbyisten die Nähe zum Kanzleramt

          Der Autopräsident muss auf die Kanzlerin kräftig eingeredet haben. Denn es war lange unklar, ob die Prämie wirklich kommt. Auch die Autolobby war sich ihrer Sache keineswegs sicher, obwohl der Verband die Gewerkschaft IG Metall auf seiner Seite wusste, die sogar einen staatlichen Zuschuss von 3500 Euro verlangt hatte. Denn die Unionsfraktion war vehement gegen diesen Konsumgutschein, und auch die SPD wirkte keineswegs so geschlossen, wie es anfangs schien. Zwar hatte auch Umweltminister Gabriel die Idee gutgeheißen, doch etliche SPD-Umweltpolitiker fanden es keineswegs ökologisch sinnvoll, wenn die Prämie auch für die „Spritfresser“ unter den Geländewagen gezahlt werde. Auch Umweltpolitiker aus der Unionsfraktion forderten umgehend ökologische Nachbesserungen des Parlaments.

          Der 59 Jahre alte Jurist Wissmann, der aus Ludwigsburg stammt, mag zwar kein Benzin im Blut haben, doch die Automanager haben genau gewusst, warum sie ihn zum Präsidenten kürten. Er kennt sich bestens aus im Berliner Netzwerk, er weiß, wie heute die Lobbyisten arbeiten müssen, um die Politiker beeinflussen zu können. Im Idealfall übernimmt ein ehemaliger Politiker diesen Job, und Wissmann ist beileibe nicht der Einzige, der diese Rolle in letzter Zeit übernommen hat.

          Auch in anderen Parteien, bis hin zu den Grünen, gab es solche Seitenwechsel. Wie gut der ehemalige Minister die Szene kennt, erwies sich gleich an seiner ersten Standortentscheidung: Er sorgte dafür, dass der Autoverband aus dem beschaulichen Schmargendorf nach Berlin-Mitte zog. Wie die Motten das Licht suchen, so suchen in Berlin die Lobbyisten mit ihren Büros die Nähe von Kanzleramt und Bundestag.

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