https://www.faz.net/-gpf-111c6

Matthias Rüb : McCain's Obama

  • Aktualisiert am

Bild: Mart Klein

Gibt es eine richtige Dosis für die Angst vorm schwarzen Mann im Weißen Haus? Auf diese Frage lässt sich die Seelensuche der Republikaner nach ihrer Wahlniederlage reduzieren. Bricht mit Obama für sie die lange dunkle Nacht des Oppositionsdaseins an? Oder ist der Spuk schon nach vier Jahren vorüber?

          2 Min.

          Gibt es eine richtige Dosis für die Angst vorm schwarzen Mann im Weißen Haus? Auf diese Frage lässt sich die Seelensuche der Republikaner nach ihrer schmerzlichen Wahlniederlage vom Dienstag reduzieren. John McCain pries Obama noch in der Wahlnacht für dessen großartige historische Leistung - „für sich persönlich und für dieses Land“. Doch da hatten einige zweitrangige Mitarbeiter seines Stabes schon die Messer gewetzt, um seine Vizekandidatin Sarah Palin zum Sündenbock zu machen: Mit gezielten Indiskretionen wurde sie als hysterische „Diva“ mit dem Wissensniveau eines Abc-Schützen hingestellt.

          Doch jenseits der persönlichen Abrechnungen und des Fingerzeigens auf Schuldige offenbarten sich Grundsatzfragen: Bricht mit Obama für die Republikaner die lange dunkle Nacht des Oppositionsdaseins an? Oder wird der Spuk schon nach vier Jahren vorüber sein? Wird der erste Schwarze im Weißen Haus wie versprochen die gespaltene Nation einen, die Wirtschaftskrise überwinden und zudem den bitteren Kulturkrieg zwischen Linken und Rechten beenden? Oder wird der „Strolch der guten alten Schule aus Chicago“, wie der erzkonservative Radiomoderator Rush Limbaugh den gewählten Präsidenten zu nennen pflegt, das Land und die Demokratische Partei bald abgewirtschaftet haben? Was also müssen die Republikaner tun, um möglichst bald wieder konkurrenzfähig zu sein?

          Richtungsstreit zwischen Ideologie und Pragmatismus

          Die Gemäßigten fordern, die Partei zur politischen Mitte zu öffnen, sich etwa im Streit um die Homosexuellenehe und die Abtreibung nicht länger auf Maximalpositionen zu versteifen. So habe es, politisch spiegelverkehrt, schließlich auch Obama geschafft, die Demokratische Partei der politischen Mitte zu öffnen. Diese Fraktion sieht in Obama einen formidablen Herausforderer, der die Wechselwähler der politischen Mitte auf viele Jahre mehrheitlich ins Lager der Demokraten führen werde.

          Die Konservativen erwidern, eine Preisgabe der ideologischen Grundüberzeugungen werde die Partei weiter schwächen und vollends in die Finsternis führen. Schließlich sei Obama ein unverbesserlicher Altlinker, der bald sein wahres Gesicht zeigen werde. Er werde sich schon deshalb nicht lange halten können, weil er weit entfernt von der Mehrheit der Amerikaner regieren werde.

          Der republikanische Stratege Karl Rove, von George W. Bush als „Architekt“ der Siege von 2000 und 2004 gepriesen, beruhigte seine Partei: Obamas Triumph sei auf Fortüne, die ihm in die Hände spielende Wirtschaftskrise, eine kluge politische Positionierung und die ordentlich gemachte Mobilisierung der Wähler zurückzuführen - all das, so gab Rove zu verstehen, können wir auch. Also keine Angst: Amerika „bleibt ein Land der rechten Mitte“, und Obamas Sieg ist „mehr persönlicher als philosophischer Natur“.

          Weitere Themen

          Massenproteste gegen polnische Regierung Video-Seite öffnen

          Umstrittenes Abtreibungsgesetz : Massenproteste gegen polnische Regierung

          In Warschau sind mehr als 100.000 Menschen zusammengekommen, um gegen das strenge Abtreibungsgesetz zu protestieren. Viele Frauenrechtsorganisation äußerten ihren Unmut über den konservativ-katholischen Kurs der Regierungspartei PiS.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Wahlkämpferisch: Donald und Melania Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida.

          Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

          Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.