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Mateen und Breivik : Mörderische Brüder im Geiste

  • -Aktualisiert am

Grenzenloser Narzissmus

Dazu kommt ein gestörtes Empfinden von Männlichkeit, dass sich als grenzenloser Narzissmus zeigt. „Breivik hatte dieses grandiose Bild von sich selbst, gemischt mit einem mickrigen Selbstbewusstsein,“ sagt Asne Seierstad, eine norwegische Journalistin. Sie hat ein Buch über Brevik und seine Tat geschrieben.

Sein Äußeres war ihm so wichtig, dass er sich bei einer Schönheitsoperation die Nase korrigieren lies. Er schrieb in seinem Manifest von Prostituierten, die man sich gönnen solle, bevor man den Anschlag letztlich verübt. Eine Freundin suchte er sich über ein Internetportal, in dem osteuropäische Frauen ihre Kontaktdaten gegen Geld anbieten – auch daraus wurde nichts.

Ebenso lächelt Mateen auf seinen Handybildern selbstverliebt in die Kamera. Er nahm Steroide zu sich, in seiner Wohnung in Florida liegen schwere Gewichte in der Ecke. Sein Aussehen, dass sich wie bei Breivik über die Jahre immer wieder veränderte, war Mateen wichtig. Darin spiegelt sich der aggressive Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, der beiden oft verwehrt blieb.

Täter brauchen Bestätigung von anderen

Bestätigung von anderen braucht eigentlich jeder. „Der Umschlag zum bösen Narzissmus geschieht allerdings, wenn der Täter immer mehr Bestätigung braucht. Das ist schwer zu kompensieren, wenn es nicht dazu kommt,“ sagt Roshdi. Die Täter fühlen sich wie „vom Thron gestürzt“, verfallen „Gewalt- und Grandiositätsphantasien“.

Einblicke in diese Phantasien gewährt Breiviks Tagebuch und sein Manifest, in der er sein Massaker an jungen Sozialdemokraten – viele von ihnen aus Einwandererfamilien – rechtfertigte. Er überlegte lange, wie und wo er seine Tat verüben sollte, spielte mit dem Gedanken, eine Journalistenkonferenz zu bombardieren, entschied sich dann aber für das Regierungsviertel in Oslo und das Sommercamp der jungen Sozialdemokraten auf der Insel Utoya. Mateen soll mit dem Gedanken gespielt haben, seine Tat in dem Vergnügungspark Disneyland zu verüben. Mehrmals hatte er den Park innerhalb einiger Monate besucht, und zwar nicht aus touristischem Interesse, wie das FBI sagt.

Unerfüllter Traum von Beliebtheit

Beide haben ihre Tat lange und intensiv vorbereitet. „Breivik hat etwa eineinhalb Jahre geplant,“ sagt Asne Seierstad. „Einer von uns“ heißt ihr Bestseller, der tiefe Einblicke in die Psyche des Täters gewährt und die genaue Planung Breiviks beschreibt. Der Titel steht stellvertretend für Breiviks grenzenlosen Wunsch nach Anerkennung, der ihm sein Leben lang verwehrt blieb.

Das Buchcover von Asne Seierstads „Einer von uns“ – der „Geschichte eines Massenmörders“.

Der unerfüllte Traum von Beliebtheit, den Breivik trotz seines kontinuierlichen Scheiterns stets weiterträumte, wird irgendwann zum verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit und Ruhm. Es sind Motive, die auch hinter Mateens Tat stehen. Er wollte wohl Polizist werden, auf mehreren Bildern zeigt er sich in T-Shirts mit dem Logo des New York Police Department. Mehrmals soll er versucht haben, einen Platz an verschiedenen Polizeischulen zu bekommen, scheiterte dabei immer wieder. Die letzte Zurückweisung erfuhr Mateen ein Jahr vor seiner Tat, als er sich für die Polizeiakademie des Indian River State College bewarb. Eine Zusage hat er nie bekommen.

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