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Mateen und Breivik : Mörderische Brüder im Geiste

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Auch Mateens Verhältnis zu seinem Vater sei von hohen, perfektionistischen Ansprüchen geprägt gewesen, sagt die frühere Frau des Massenmörders. „Er wollte der perfekte Sohn sein“, sagt Sitora Yusufiy dem „Time Magazine“. Wenn er sie schlug, gestand er später, dass dem Gewaltausbruch ein Streit mit seinem Vater vorangegangen war.

Dazu spielt Seddique Mateen, der Vater des Schützen, seinem Sohn jahrelang vor, wie wichtig Aufmerksamkeit sei. Er produziert eine eigene Fernsehsendung, in der er auf Dari, einer Sprache, die in Afghanistan gesprochen wird, wirr über die politische Lage in Nahost diskutiert, meist mit sich selbst. Er erklärt sich selbst zur provisorischen Regierung Afghanistans. Nach der Tat seines Sohnes kommentiert er diese in Facebook-Videos. Einige Tage später lädt er Journalisten der „New York Times“ in sein Haus, erklärt sich zum Interview bereit, das über Facebook live übertragen wird.

Omar Mateen

Seddique Mateen verurteilt die Taten seines Sohnes, sagt aber, er habe davon nichts gewusst. Dazu betont er immer wieder, sein Sohn Omar sei nicht schwul gewesen. Yusufiy, die frühere erste Ehefrau des Todesschützen, berichtet den Medien derweil von den Grauen einer Ehe, aus der sie nach vier Monaten von ihren Eltern gerettet werden musste. Eine wichtige Rolle habe dabei Mateens Beziehung zu seinem Vater gespielt: „Es war ziemlich viel Druck. Er musste in jedem Aspekt perfekt sein, gebildet, respektvoll, und auf keinen Fall homosexuell,“ sagt Yusufiy.

Gestörtes Verhältnis zu Homosexualität

Homosexualität – auch das ist ein Thema, mit dem sich beide Massenmörder wohl lange auseinandersetzen mussten. Breiviks Freunde gingen fest davon aus, dass er schwul sei. Interesse an Frauen habe er nur vorgetäuscht, sagen seine Freunde aus Kindertagen später. Breivik selbst stritt das in seinem Prozess in Oslo vehement ab. Er schminkte sich zwar und hatte sein ganzes Leben keine feste Beziehung zu einer Frau gehabt – aber er sei metrosexuell, nicht homosexuell.

Seine Mutter sagt, als ihr die Nachricht von den Taten ihres Sohnes übermittelt wird, als erstes: „Das ist fast schlimmer als lesbisch oder schwul zu sein.“

Auch Mateens Vater wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, sein Sohn sei schwul gewesen. Dabei sagen mehrere Gäste des Nachtclubs „Pulse“, einem angesagten Schwulen- und Lesbenclub in Orlando, sie hätten Mateen seit mehreren Jahren immer wieder dort angetroffen.

Er habe mit Männern getanzt und gleichzeitig anderen von seiner Frau und seinem Kind erzählt. Über Dating-Apps für Schwule habe er mit mehreren Männern immer mal wieder gechattet. Ob Mateen und Breivik homosexuell sind oder waren, das wird sich kaum beweisen lassen. Dass sie Konflikte mit der eigenen Sexualität hatten, das scheint dagegen klar. Eingestehen wollten sie sich das wohl nicht.

„Die eigene Homosexualität wird so verdrängt, und in einen Hass gegen Homosexuelle umgewandelt“, sagt Roshdi. Somit hasst sich der Täter auch irgendwann selber, „das wird mit der Zeit drängender und kocht immer weiter in ihm hoch.“ Das könnte bei Mateen der Fall gewesen sein – nicht zufällig eröffnete er das Feuer auf einen Schwulenclub. Auch soll er sich vor seiner Tat über andere Schwulenclubs als potentielle Anschlagsziele informiert haben.

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