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Massenvernichtungswaffen : Syrien weist amerikanische Vorwürfe zurück

  • Aktualisiert am

Der syrische Informationsminister hat zurückgewiesen, daß sich Teile eines irakischen Programms für Massenvernichtungswaffen in Syrien befinden sollen. Der zurückgetretene amerikanische Chefwaffeninspekteur hatte diese Vermutung geäußert.

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          Syrien hat amerikanische Vorwürfe zurückgewiesen, es könne im Besitz von Massenvernichtungswaffen aus dem Irak sein. Der syrische Informationsminister Ahmad el Hassan sagte am Sonntag, Amerika wollte nur davon ablenken, daß im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien.

          Nach dem Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des US-Senates, Pat Roberts, hatte auch der zurückgetretene amerikanische Chefwaffeninspekteur im Irak, David Kay, erklärt, er vermute Bestandteile eines irakischen Programms für Massenvernichtungswaffen in Syrien. Kay sagte dem „Sunday Telegraph“ (London), er habe Beweise, daß nicht näher identifizierte Materialien kurz vor dem Krieg nach Syrien geschafft worden seien. Um was es sich genau gehandelt habe und was in Syrien damit geschehen sei, müsse noch geklärt werden.

          Powell bezweifelt öffentlich Existenz von Massenvernichtungswaffen

          Der amerikanische Außenminister Colin Powell bezweifelte erstmals öffentlich die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak. Es sei möglich, daß Bagdad vor Beginn des Krieges im vergangenen Jahr keine solchen Waffen gehabt habe, sagte er in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Ihre angebliche Existenz war für die USA der Hauptgrund für den Irak-Krieg gewesen. Allerdings gebe es Geheimdienstmaterial mit Beweisen, dass sich Saddam Hussein solche Waffen habe verschaffen wollen, sagte Powell nach russischen Medienberichten vom Sonntag.

          Aufständische haben am Wochenende im Irak bei mehreren Anschlägen sechs amerikanische Soldaten und mindestens vier irakische Zivilisten getötet. Militärsprecher General Mark Kimmitt sprach dennoch vor der Presse in Bagdad von einer „relativ stabilen“ Situation. Mit 17 „Feindberührungen“ pro Tag liege die Zahl der Angriffe auf amerikanische Soldaten inzwischen weit unter den Durchschnittswerten von rund 35 Angriffen pro Tag vor zwei Monaten. Er räumte allerdings ein, die Planung und Ausführung der Anschläge „zunehmend ausgefeilter“ werde.

          Sechs amerikanische Soldaten und vier Zivilisten getötet

          Bei einem Anschlag auf den Verwaltungssitz der Stadt Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad, starben am Samstag vier Iraker, 34 wurden verletzt, ebenso drei US-Soldaten. Die Bombe hatte einer US- Patrouille gegolten, die knapp verfehlt wurde.

          Zwei amerikanische Soldaten starben auf einer Autobahn nördlich von Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, als unter ihrem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. In El Chalidija, 90 Kilometer westlich von Bagdad, wurden drei amerikanische Soldaten getötet und sechs verletzt, als ein Selbstmordattentäter mit seinem Fahrzeug in einen Kontrollpunkt raste.

          Status der Kurdenregion bleibt zunächst offen

          Ebenfalls am Samstag griffen in Bedschi, 200 Kilometer nördlich von Bagdad, Aufständische mit einer Panzerfaust einen amerikanischen Schützenpanzer an. Der Fahrer des Panzers wurde schwer verletzt und starb am Sonntag in einem Militärspital in Bagdad.

          Kimmitt bestätigte außerdem, den Absturz eines Beobachtungshubschraubers vom Typ „Kiowa“ am Freitag im Nordirak, bei der beide Piloten ums Leben kamen. Die Absturzursache sei noch nicht klar. Am Sonntag ist in der nordirakischen Stadt Mossul ein weiterer Hubschrauber der US-Armee abgestürzt, nachdem er gegen eine Stromleitung geflogen war. Irakische Polizisten und US-Soldaten berichteten, der Hubschrauber sei in der knapp 400 Kilometer nordwestlich von Bagdad gelegenen Stadt in einen Fluß gestürzt. Die US-Armee teilte mit, zwei Besatzungsmitglieder würden vermißt. Es war zunächst unklar, ob der Hubschrauber beschossen wurde.

          Der Aufklärungs-Hubschrauber des Typs Kiowa soll an der Suche nach einem Boot der Wasserschutzpolizei beteiligt gewesen sein, das nach einem Einsatz auf dem Tigris vermißt wurde. Zwei irakische Polizisten und ein Übersetzer an Bord des Bootes seien vermutlich tot.

          Der provisorische irakische Regierungsrat will vor der Verabschiedung einer Verfassung im kommenden Jahr keine Entscheidung über den Status der Kurdenregion im Norden des Landes fällen. Das sagte der Sprecher des Rates, Hamid el Kafai, am Sonntag in Bagdad. Die kurdischen Parteien wollen die in den 90er Jahren etablierte Autonomie ihres Gebiets aufrechterhalten und in Richtung Süden ausdehnen.

          Übergangsregierung für rasche Rückkehr der UN

          Der irakische Übergangsregierung rechnet unterdessen mit einer raschen Rückkehr von Mitarbeitern der Vereinten Nationen nach Bagdad. Die UN sollten eine wichtige Rolle im politischen und humanitären Prozeß sowie bei der Vorbereitung von Wahlen und der Staatsbildung übernehmen, sagte Außenminister Hoschiar Sebari der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“.

          Die knappe Mehrheit der Bevölkerung lehnt einen humanitären Einsatz der Bundeswehr im Irak ab. Das ergab eine polis-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. 51 Prozent der 1002 Befragten (19. bis 21. Januar) sprachen sich gegen einen Einsatz aus, 47 Prozent dafür.

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