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Marokko : 41 Tote bei Terror-Anschlägen / Festnahmen in Casablanca

  • Aktualisiert am

Vor dem jüdischen Gemeindezentrum in Casablanca Bild: AP

Bei einer Serie von Attentaten auf jüdische und spanische Einrichtungen im marokkanischen Casablanca sind in der Nacht zum Samstag mindestens 41 Menschen getötet worden. 60 weitere wurden verletzt. Inzwischen wurden 33 Verdächtige festgenommen.

          Vier Tage nach dem Bombenterror in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad sind bei fünf Selbstmordanschlägen in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca 41 Menschen getötet worden. Mindestens 65 wurden verletzt, 17 von ihnen schwer, wie die Behörden am Samstag mitteilten.

          Unter den Toten seien auch zehn der aus Marokko stammenden Attentäter, sagte Innenminister Mustafa Sahel in der Hauptstadt Rabat. Drei der mutmaßlichen Terroristen seien festgenommen worden. Die Anschläge trügen die gleiche Handschrift wie die in Riad, die dem Terrornetzwerk Al Qaida zugeschrieben wurden. Dort starben in der Nacht zum Dienstag 34 Menschen. Die meisten Opfer der Anschläge in Casablanca seien Marokkaner, hieß es. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen starben aber auch mindestens zwei Spanier und ein Franzose. Hinweise auf deutsche Opfer gab es nicht.

          Erste Festnahmen

          Nach den Selbstmordanschlägen im marokkanischen Casablanca konzentrieren sich die Ermittlungen der Behörden auf muslimische Extremisten. Die Polizei nahm Regierungskreisen zufolge am Samstag 33 Verdächtige fest. Einige von ihnen stünden in Verbindung mit der radikal-islamischen Gruppe Djihad Salafist, hieß es.

          Der Eingang zum Restaurant Positana

          Nach Angaben von Innenminister Al Mustapha Sahel wurden die Leichen von sieben der mutmaßlich 14 Attentäter identifiziert. 13 von ihnen starben bei den Anschlägen, einer wurde schwer verletzt festgenommen.

          Bomben explodierten zeitgleich

          „Die Attentate wurden von Feinden nicht nur Marokkos, sondern der Demokratie und des Fortschritts verübt“, sagte Regierungssprecher Nabil Benabdellah. Es waren die blutigsten Anschläge in der Geschichte des nordafrikanischen Königreichs. Die Attentäter könnten Mitglieder einer bislang „schlafenden Terrorzelle“ Al Qaidas gewesen sein, wurde gemutmaßt. Am Abend verschaffte sich König Mohammed VI. vor Ort persönlich ein Bild der Lage.

          Die Terroristen hatten am späten Freitagabend im Vergnügungs- und Finanzzentrum der Wirtschaftsmetropole zeitgleich mehrere Autobomben gezündet oder sich vor westlichen und jüdischen Einrichtungen in die Luft gesprengt. Die meisten Toten - bis zu 20 - waren in einem spanischen Kulturhaus zu beklagen. Drei Attentäter hätten das gut besuchte Restaurant des Kulturhauses gestürmt und mitten unter den rund 150 Gästen die umgeschnallten Sprengladungen gezündet.

          Panik und Chaos in den Straßen

          Die Explosionen trafen aber auch ein jüdisches Zentrum, einen jüdischen Friedhof, das Konsulat Belgiens und das Luxushotel „Safir“, wo ein Treffen amerikanischer und marokkanischer Experten über den Kampf gegen den Terrorismus stattfand. Vor dem Hotel ging eine Autobombe hoch. Mindestens acht Menschen sollen dabei getötet worden sein.

          Bei den Anschlägen auf jüdische Einrichtungen habe es keine jüdischen Todesopfer gegeben, teilte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums mit. Zu den Todesopfern gehörten auch zwei Polizisten, die das belgische Konsulat bewachten. Die Wucht der Detonationen zersplitterte Fenster, beschädigte Häuserfassaden und ließ Autos in Flammen aufgehen.

          Fischer: Im Kampf gegen Terrorismus nicht nachlassen

          Als die Bomben explodierten, waren die Straßen und Restaurants in der Drei-Millionen-Stadt noch voller Menschen. Es seien Panik und Chaos ausbrochen, berichteten Augenzeugen.

          Die Bundesregierung in Berlin reagierte mit Entsetzen und „tiefer Betroffenheit“ auf die Anschläge. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, der Terrorakt rufe ins Bewußtsein, „dass die Staatengemeinschaft im Kampf gegen den internationalen Terrorismus in ihren Anstrengungen nicht nachlassen darf“. Der israelische Außenminister Silwan Schalom erklärte in einer Beileidsbotschaft: „Der Terror ist weltumfassend und gegen uns alle gerichtet, deshalb ist ein globaler Kampf gegen ihn notwendig.“ Der spanische Ministerpräsident José María Aznar sagte: „Wir müssen den Kampf gegen den Terrorismus fortsetzen.“

          Israel: Direkte Verbindung zu Anschlägen in Riad

          Beobachter schlossen einen Zusammenhang mit der Haltung Marokkos während des Irak-Krieges nicht aus. Das als amerikafreundlich geltende Land hatte die amerikanisch geführte Militärintervention im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten nicht kritisiert, obwohl es auch in Marokko Massenproteste gegen den Krieg gab. Die Regierung in Marokko war stets bedacht, die Islamisten im Land unter Kontrolle zu halten.

          Denkbar sei auch ein Zusammenhang mit einem Prozess, bei dem im Februar in Casablanca drei saudische Staatsbürger wegen Zugehörigkeit zu Al Qaida zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Fünf weitere Angeklagte waren zu Haftstrafen zwischen vier Monaten und einem Jahr verurteilt worden. Der israelische Rundfunk meldete, das Außenministerium in Jerusalem gehe von einer „direkten Verbindung“ zwischen den Anschlägen in Casablanca und in der saudischen Hauptstadt Riad sowie dem Selbstmordanschlag eines britischen Moslems auf eine Bar in Tel Aviv zu Beginn des Monats aus.

          Das britische Außenministerium hatte am Freitag vor möglichen Terroranschlägen in Kenia, Uganda, Äthiopien, Tansania, Somalia, Eritrea und Dschibuti gewarnt.

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