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Mark Fields : Der hemdsärmelige Kostensenker

Mark Fields versteht es, sich öffentlich als souveräner Manager mit all seiner Professionalität und "Coolness" zu präsentieren. Der Chef der Premier Automotive Group genießt es geradezu, sich als Umstrukturierer zu gerieren.

          Mark Fields versteht es, sich öffentlich als souveräner Manager mit all seiner Professionalität und "Coolness" zu präsentieren. Der Chef der Premier Automotive Group (PAG) genießt es geradezu, sich als Umstrukturierer zu gerieren, ohne sich aber den Stempel eines reinen Kosten-Bekämpfers aufdrücken zu lassen. Branchenweit gilt er dennoch als knallharter Kostensenker. Zum Bild des harten Geschäftsmanns paßt es, wenn er die Verluste bei dem - wie er sagt - Flaggschiff Jaguar für inakzeptabel hält. Schon im vergangenen Jahr hat er die Reparaturarbeiten dort als größte Herausforderung eingestuft. Daran beißt sich Ford nun fest. Und der Abgesandte Fields kommt unter Erfolgsdruck.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Fields trat sein Amt am 1. Juli 2002 bei der PAG an und löste in dieser Funktion Wolfgang Reitzle ab. Ziemlich vollmundig hatte Fields nur kurz nach Übernahme seiner neuen Aufgabe am früheren BMW-Manager und heutigen Linde-Chef Reitzle nicht mit Kritik gespart, der zu sehr auf eine unabhängige PAG und zu wenig auf effiziente Nutzung von Synergien der Luxusmarken geachtet hätte. Fields liebt solche forschen Auftritte und gibt sich in Gesprächsrunden gerne als hemdsärmeliger Macher. Er hebt sich nicht nur optisch vom feinsinnigen Vorgänger ab: Im Gegensatz zu Reitzle, der den Ruf eines "automobilen Schöngeistes" genoß und stets viel Geld in neue Produkte investierte, setzt der neue PAG-Lenker auf totale Kostenkontrolle. Dieses Image kommt nicht gut an, weshalb er gerne gegensteuert. "Eher würde ich die Möbel verkaufen, als bei der Forschung und Entwicklung zu sparen", gibt sich der 43 Jahre alte Amerikaner strategisch; wohl wissend, daß Kürzungen bei neuen Produktentwicklungen der falsche Weg sind.

          Dennoch spart er. Gleich zum Dienstantritt strich der neue Hausherr die Modellpalette zusammen, trennte sich von Reitzle-Vertrauten und schloß das noble PAG-Hauptquartier am Londoner Berkeley Square. Fords Luxuswagensparte, zu der neben Volvo und Land Rover auch die britischen Edelmarken Aston Martin und Jaguar gehören, muß seit dem strammen Kosten-Regiment von Fields auf teure Neuentwicklungen verzichten. Beispielsweise legten die Jaguar-Manager ihr ambitioniertes Sportfahrzeug-Projekt "F-Type" zu den Akten. Im Produktprogramm von Volvo sortierte Fields den einst von Reitzle geplanten VW-Golf-Konkurrenten ebenso aus wie die Pläne für ein Cabrio oder die Nachfolge-Modelle für den C 70.

          Fields hatte sich zuvor als Sparkommissar bei der japanischen Tochtergesellschaft Mazda profiliert, bevor er den Chefposten bei PAG übernahm. Bei der britischen Tochtergesellschaft trat er zudem mit Versprechen an, die ehrgeizigen Ergebnisziele des amerikanischen Mutterkonzerns zu erfüllen. Bis 2005, so die Vorgabe von Ford-Chef William Ford, müssen die PAG-Marken mindestens ein Drittel zum geplanten Konzerngewinn von 7 Milliarden Dollar beisteuern. Dank der drastischen Einschnitte im ersten Amtsjahr schien die Rechnung von Fields auf den ersten Blick aufzugehen: Die 1999 gegründete Luxuswagen-Sparte von Ford wies im Geschäftsjahr 2003 einen Betriebsgewinn von 164 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) aus. Im Jahr zuvor hatte das operative Geschäft von PAG noch mit einem Minus von 897 Millionen Dollar geendet.

          Doch Sparen allein reicht nicht, um eine nachhaltige Trendwende beim Ergebnis von PAG einzuleiten. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lief im Luxuswagengeschäft von Ford ein Minus von 362 Millionen Dollar auf. Die Rückkehr in die Verlustzone wird selbst konzernintern mit akuten Absatzproblemen bei Jaguar begründet. Die britische Nobelmarke registrierte im Monat Juli auf dem amerikanischen Markt einen Verkaufsrückgang von 24 Prozent. Auf dem weltweit wichtigsten Absatzmarkt erweisen sich dabei die Volumen-Modelle "X-Type" und "XJ" als schwer verkäuflich. "Wir haben bei Jaguar ein Problem an der Verkaufsfront, nicht auf der Kostenseite", mußte Fords Finanzchef Don Leclair einräumen.

          Fields steckt in der Bredouille. Will er die Gewinnziele des Mutterkonzerns fristgemäß erfüllen, muß er bei PAG weiter an der Kostenschraube drehen. Von der nächsten Sparrunde ist vor allem das Sorgenkind Jaguar betroffen. Bei der Nobelmarke, die in Großbritannien an drei Standorten produziert, steht jetzt das Aus für ein Werk zur Debatte.

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