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Verständnis für Putin geäußert : Als Vize-Admiral die Peilung verloren

  • -Aktualisiert am

Kay-Achim Schönbach im Juli 2021 in Rostock Bild: dpa

Die Äußerungen des deutschen Marinechefs zur Ukraine hatten nicht gerade den Tiefgang einer deutschen Fregatte. Verteidigungsministerin Lambrecht hatte gar keine andere Möglichkeit, als ihn seiner Verantwortung zu entbinden.

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          Offiziere haben das Recht auf eine eigene Meinung, sie haben sogar die Pflicht, ihre fachlichen Auffassungen gegenüber der Politik zu äußern. Die militärische Führung der Bundeswehr hat allerdings weder den Auftrag noch die Befugnis, selbst Politik zu machen.

          Ein Marine-Chef, der in Paradeuniform einen Stammtisch abhält, noch dazu im fernen Delhi, ist ein Offizier ohne Peilung. Was der Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach in Indien-Besuch von sich gegeben hat, als er sich selbst als radikalen Christen bewarb und Putin als Augenhöhe-Partner sowie Verbündeten gegen den wahren Gegner China charakterisierte, hatte nicht gerade den Tiefgang einer deutschen Fregatte.

          In Indien hatte der oberste Marineoffizier an einer Demonstration der Leistungsfähigkeit der recht kleinen deutschen Seestreitkräfte teilgenommen, die seit mehreren Wochen mit der Fregatte „Bayern“ auf dem Rückweg sind von einer daheim wenig gewürdigte Reise bis nach Tokio. Die Reise sollte China zeigen, wer wir sind, unter anderem verlässliche Verbündete des Westens.

          Arrogante Herablassung

          Das Gegenteil davon, noch dazu in arroganter Herablassung, hat Schönbach für die Marine sprechend, der NATO und der Ukraine gegenüber deutlich gemacht. Dass der Offizier inmitten der Krise den Kriegsaufmarsch Moskaus entlang der Grenze zur Ukraine zu einer berechtigten Frage Putins nach Respekt herabrüstet, hat in Kiew empört, in Brüssel und Washington überrascht. Die Furcht vor eine russischen Attacke, die seit Wochen die Weltpolitik beschäftigt, bezeichnete der Vize-Admiral kurzerhand als „Nonsens“.

          Der Marine-Chef, bereits öfters durch markige Parolen aufgefallen, war deshalb für kommenden Montag ins Verteidigungsministerium einbestellt. Dort wäre er wohl ohnehin mit seiner Entlassung konfrontiert gewesen, der er Samstagabend durch die Bitte um Ablösung zuvorkam. Immerhin nannte er seine Äußerungen selbst „unbedacht“ und einen „klaren Fehler“.

          Es war mehr als das, es war eine Riesendummheit. Schönbach gab immerhin zu, dass er der Marine und der Bundeswehr Schaden zugefügt habe. Alle Achtung für diese Erkenntnis. Doch damit sind die Fragen nicht beantwortet, die sich nun stellen, nicht bloß in Kiew: Welchen Vorstellungen hängt man bei der Deutschen Marine wohl insgesamt nach, wenn ihr Befehlshaber solche Auffassungen vertritt?

          An der Küste, etwa im Lande der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), ist man mit dem Russland-Kurs der Bundesregierung schon lange nicht ganz einverstanden. In der Marine, meist in vertraulicher Runde, wird seit Jahren die frühere Ostsee-Kooperation mit den russischen Kameraden vermisst, die eisigen Verhältnisse bedauert. Man wünscht sich, vielleicht beim Marinekommando in Rostock eher als in Kiel, mehr Zuwendung, mehr Respekt für Russland. Da ist Schönbach kein Einzelfall.

          Aber wer als Vize-Admiral und Marinechef eines NATO-Staates in Galauniform bei indischen Gastgebern über Kreuzzüge gegen China und geringfügige Gebietsstreifen der Ukraine schwadroniert, der torpediert das Ansehen Deutschlands und des Bündnisses. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hatte gar keine andere Möglichkeit, als ihn seiner Verantwortung zu entbinden.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

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