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Frankreich : Familienzwist im Front National

Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine blicken in verschiedene Richtungen. Bild: dpa

Wegen der rechtsextremen Ausfälle des ehemaligen Front-National-Chefs Jean-Marie Le Pen geht Parteiführerin Marine Le Pen auf Distanz zu ihrem Vater. Diesmal will er gemeinsam mit Russland „die weiße Welt retten“.

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          Jean-Marie Le Pen provoziert von neuem und bringt die Front-National-Vorsitzende, seine Tochter, in Schwierigkeiten. In einem Gespräch mit dem antisemitischen Blatt „Rivarol“ erläutert der 87 Jahre alte Ehrenpräsident des Front National (FN), warum ihm das Bündnis mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin so wichtig ist. „Wir müssen uns unbedingt mit Russland verständigen, um das nördliche Europa und die weiße Welt zu retten“, sagte Le Pen. Er bewundere Putin, der sehr verantwortungsvoll agiere. Frankreich hingegen werde von Immigranten wie Premierminister Manuel Valls regiert. „Valls ist seit 30 Jahren Franzose, ich bin seit 1000 Jahren Franzose. Was ist die wirkliche Bindung Valls an Frankreich? Was hat er unserem Land gebracht?“, sagte Le Pen in dem Gespräch, das er unter strenger Geheimhaltung organisierte. Die Parteivorsitzende und der engste Arbeitsstab des Ehrenpräsidenten waren darüber nicht informiert.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bereits vergangene Woche hatte Le Pen in einem Fernsehinterview die Gaskammern in den Konzentrationslagern als „Detail“ des Zweiten Weltkriegs von neuem verharmlost. Die Justiz ermittelt deshalb wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen ihn. „Wir werden von Immigranten und Kindern von Immigranten auf allen Ebenen regiert. Estrosi und Ciotti in Nizza, Mariani (drei UMP-Abgeordnete), das sind Leute, deren Eltern Italiener waren“, sagte Le Pen.

          Der FN-Vorsitzenden Marine Le Pen sind die Äußerungen unangenehm, da sie sich seit Jahren bemüht, ihrer Partei einen respektablen Anstrich zu geben. Sie strebt an die Macht, deshalb hat sie wiederholt Parteikader ausgeschlossen, die sich mit antisemitischen oder ausländerfeindlichen Parolen hervortaten. Die jüngsten Äußerungen ihres Vaters lehnt sie ab, weil sie den rechtsextremen Ursprung des FN-Parteiprogramms offenlegen. Die Parteichefin hält dabei am Kurs ihres Vaters fest. So pflegt sie den Kontakt zur Kremlführung und hat einen Millionenkredit von einer russischen Bank angenommen. Die Tochter drückt sich nur gewählter aus. Sie spricht von „den Werten des christlichen Abendlandes“, die Putin vorgeblich verteidigt. Marine Le Pen greift auch nicht offen „Immigranten“ an, sondern verbirgt ihre Vorbehalte gegen Muslime hinter besonders strikten Forderungen zur Laizität, zur Trennung von Religion und Staat.

          Vergangene Woche hatte Marine Le Pen noch bekundet, sie könne gegen die rechtsextremen Ausfälle ihres Vaters „nichts“ unternehmen. Jetzt hat sie für den 17. April eine Sitzung des Parteivorstands einberufen. Dabei soll Le Pen die Spitzenkandidatur für die Mittelmeerregion Paca bei den Regionalwahlen Ende Dezember verweigert und Enkelin Marion Maréchal Le Pen nominiert werden. Marine Le Pen hatte Zweifel an der Befähigung ihres Vaters geäußert, eine Region zu leiten. „Dann könnte ich mich genauso gut als Tänzerin im Crazy Horse bewerben“, sagte sie. In einem Kommuniqué sprach sie am Mittwoch von „politischem Selbstmord“ ihres Vaters und drohte mit weiteren Schritten, um die Partei vor seinem Gründer zu schützen.

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