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Marine Le Pen : Eine Frau will an die Macht

Marine Le Pen Bild: AP

Der Front National hat die Nachwahl im französischen Kanton Brignoles gewonnen. Für die Parteivorsitzende Marine Le Pen ist das nur ein Etappensieg. Ihr eigentliches Ziel ist der Präsidentenpalast.

          Marine Le Pen strebt an die Macht. Den Wahlerfolg ihrer Partei im südfranzösischen Kanton Brignoles wertet sie als positives Vorzeichen für die in knapp einem halben Jahr bevorstehenden Kommunalwahlen und für die Europawahlen. Sie sind die nächsten Etappen für die Vorsitzende des Front National (FN), einer Partei, die niemand mehr „rechtsextrem“ nennen soll – sagt Marine Le Pen und blickt auf ihr eigentliches Ziel: den Elysée-Palast. „Ja, ich will Präsidentin werden“, sagte die 45 Jahre alte Frau jetzt in einem Fernsehgespräch.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Politik hat die am 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine geborene Marine Le Pen früh in ihren Bann gezogen. Als jüngste Tochter des wiederholt wegen antisemitischer Entgleisungen verurteilten Volkstribuns Jean-Marie Le Pen musste sie sich von Kindesbeinen an gegen die Feindseligkeit ihrer Umgebung – Lehrer, Mitschüler, aber auch Unbekannte – durchsetzen. Der FN wurde ihr so zur zweiten Heimat. Das schreibt Marine Le Pen in ihrer „Gegen den Strom“ betitelten Autobiographie. Ein Schlüsselerlebnis war das Attentat auf ihren Vater, ein Bombenanschlag, der sie als Achtjährige aus dem Schlaf riss.

          Marine Le Pen im Wahlkampf an der Seite ihres Vaters

          Gegen die Ablehnung, die ihr von den etablierten Parteien und Medien entgegenschlägt, sieht sie sich aufgrund dieser Kindheitserfahrungen gut gerüstet. Mit Genugtuung stellt sie fest, dass die Verteufelung ihrer Partei bei den Franzosen immer weniger zieht. Das liegt auch daran, dass Marine Le Pen als Parteivorsitzende den Front National seit April 2012 ideologisch entrümpelt hat – von der Kolonialnostalgie, vom Antisemitismus, vom liberalen Marktglauben.

          Die Partei führt sie wie ein Familienunternehmen

          Den Vater lässt sie von Zeit zu Zeit noch fremdenfeindliche Sprüche grummeln, um die Traditionalisten in der Partei zu besänftigen. Doch macht sich niemand im Parteiapparat darüber Illusionen, wer im FN-Sitz in Nanterre die Chefin ist. Marine Le Pen hat eine neue Generation von Kadern angezogen, die wie der Eliteschulabsolvent Florian Philippot auch in etablierten Parteien willkommen gewesen wären. Ihr Erfolg bei den Präsidentenwahlen 2012 mit einem Ergebnis von 17,9 Prozent der Stimmen hat ihren Glauben an ihre politische Zukunft gestärkt.

          Als Strafanwältin hatte Marine Le Pen in Paris einmal einen angesehenen Rhetorik-Wettbewerb gewonnen. Auch politikferne Anhänger fühlen sich von ihrem Redetalent angesprochen. So zählt Marine Le Pen die französischen Schauspiellegenden Alain Delon und Brigitte Bardot zu ihren Bewunderern.

          Die Partei führt sie wie ein Familienunternehmen. Ihre beiden Schwestern wirken im Hintergrund, der Vater als Ehrenpräsident, die Nichte Marion Maréchal-Le Pen als junge Ikone auf den Bänken der Nationalversammlung. Marine Le Pens Lebensgefährte Louis Aliot ist stellvertretender Parteivorsitzender. Mit dem traditionellen Familienbild der extremen Rechten hat sie indessen gebrochen. Nach zwei gescheiterten Ehen lebt sie mit ihren drei Kindern in einer modernen Patchworkfamilie – im Pförtnerhäuschen des Anwesens ihres Vaters in Saint-Cloud.

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