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Margaret Thatcher : Besten Dank für den Lockenwickler

Was würden die Transatlantiker der achtziger Jahre heute tun? Margaret Thatcher und Ronald Reagan beim Nato-Gipfel 1988 in Brüssel. Bild: Jean Guyaux

In Großbritannien sind nach dreißig Jahren Akten aus der Ära Thatcher veröffentlicht worden. Darin: eine Rede der Queen über den Dritten Weltkrieg. Man lernt nie aus.

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          Als die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher im April zu Grabe getragen wurde, lobten selbst Kritiker ihren Mut, ihre Weitsicht und ihren Sinn fürs Wesentliche. Dass auch zu Geschichte geronnene Persönlichkeiten im Regierungsalltag von Irrtümern, Fehleinschätzungen und Nebensächlichkeiten geplagt sein können, wissen oft nur enge Mitarbeiter - und schweigen darüber, schon im eigenen Interesse. Umso lehrreicher lesen sich daher die dreißig Jahre alten Regierungsakten, die das britische Nationalarchiv in regelmäßigen Abständen freigibt - diesmal die internen Dokumente aus dem Jahr 1983.

          Jochen Buchsteiner
          (job.), Politik

          Im Rückblick der Historiker war 1983 das Jahr, in dem die Vereinigten Staaten in Grenada intervenierten, die „Hitler-Tagebücher“ weltweit Verwirrung stifteten, Millionen Menschen im Westen gegen die Nato-Nachrüstung demonstrierten und die konservativen Regierungschefs in Bonn und London - Helmut Kohl und Margaret Thatcher - im Amt bestätigt wurden. Für Frau Thatcher war es aber auch das Jahr, in dem sie einen späteren Parteivorsitzenden für unfähig hielt, als Redenschreiber zu arbeiten, in dem sie von ihrem Freund „Ron“ (Reagan) enttäuscht wurde, einen Nuklearkrieg durchspielte, der nicht kommen sollte, fragwürdigen Rat eines Schriftstellers erhielt und aus China einen Pandabären mitbringen sollte.

          „Das ist eine Lachnummer“

          Im März jenes Jahres reagierte sie auf die Absicht ihres Schatzkanzlers Geoffrey Howe, den damals 21 Jahre alten William Hague als Redenschreiber einzustellen, mit einem „No“. Neben den beiden - dreimal unterstrichenen - Buchstaben vermerkte sie: „Das ist eine Lachnummer und würde von vielen zutiefst missbilligt werden, die über finanzpolitischen und wirtschaftlichen Sachverstand verfügen.“ 14 Jahre später führte Hague die Tories an - heute ist er Außenminister.

          Howe, der nach der Wahl ins Außenamt wechselte, hatte es insgesamt nicht leicht unter der „Eisernen Lady“. Sein Papier über Nukleare Proliferation kommentierte sie am Rand mit den Worten: „Das können wir unmöglich zirkulieren lassen - es ist erbärmlich.“ Ziemlich ungehalten reagierte sie auch auf die amerikanische Invasion im Commonwealth-Staat Grenada, von der sie nur wenige Stunden zuvor in Kenntnis gesetzt worden war. „Ich kann nicht verbergen, dass ich über Ihre jüngste Kommunikation zutiefst beunruhigt bin“, schrieb sie ihrem Freund Ronald Reagan, der allerdings im Vorjahr ähnlich unamüsiert über das britische Vorgehen auf den Falklandinseln gewesen war.

          Frau Thatcher fürchtete unter anderem, dass die international kritisierte Militäraktion den verbreiteten Protest gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen anheizen könnte. Die Gefahr eines sowjetischen Nuklearangriffs wurde von der Regierung Thatcher als so unmittelbar angesehen, dass sie das Szenario erstaunlich realitätsnah durchspielen ließ. Sogar eine Fernsehansprache von Königin Elisabeth II. wurde verfasst, mit der sie das Volk auf den Dritten Weltkrieg einstimmt. „Welche Art von Terror uns auch immer erwartet - die Qualitäten, die uns in diesem Jahrhundert zweimal geholfen haben, unsere Freiheit zu erhalten, werden auch ein weiteres mal unsere Kraft sein.“

          Die Mission Pandabär

          Etwa zur gleichen Zeit empfing Frau Thatcher den russischen Dissidenten Alexander Solschenizyn, der ihr erklärte, dass das Wettrüsten bereits zugunsten der Sowjetunion entschieden und die demonstrierende westliche Jugend die Bereitschaft zur Landesverteidigung aufgegeben habe. Laut der siebenseitigen Gesprächsniederschrift hielt der Schriftsteller Frau Thatcher vor, einen Fehler Adolf Hitlers zu wiederholen und eine bereits im Zweiten Weltkrieg verpasste Gelegenheit zu verspielen. Statt sich mit dem „Sklavenvolk in der Sowjetunion“ zu verbünden, würde der Westen die kommunistische Regierung als Repräsentanten des Volkes respektieren, beklagte er und zog eine bemerkenswerte historische Parallele: „Als die Wehrmacht in Russland einmarschierte, dachten Millionen Russen, dies sei das Ende des Kommunismus und begannen, zur deutschen Seite überzulaufen. Die Wehrmacht hätte die Sowjetunion vom Kommunismus befreien können, aber Hitler war zu dumm, um diese Waffe einzusetzen.“

          Moskau war auch ein Thema auf ihrer Reise nach China - neben Verhandlungen über die damalige Kronkolonie Hongkong. Worüber die Öffentlichkeit allerdings nichts wusste, war die Mission Pandabär. Großbritannien hatte acht Jahre zuvor von den Chinesen ein Pärchen geschenkt bekommen, dessen weiblicher Teil sich später als unfruchtbar erwies. Mit Berufung auf den unglücklichen Direktor des Londoner Zoos empfahl Kabinettssekretär Robert Armstrong der Premierministerin, in Peking für Ersatz zu sorgen. Ob sie erfolgreich war, geht aus den Dokumenten nicht hervor.

          Die Dankesschreiben aus 10 Downing Street betrafen andere Aufmerksamkeiten, darunter einen Lockenwickler, den eine Botschaftsangehörige in Peking Frau Thatcher geliehen hatte.

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