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Mali : Vorzeigestaat Afrikas

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FRANKFURT, 29. Juli. Die entführten deutschen Geiseln haben die Aufmerksamkeit auf den westafrikanischen Staat Mali gelenkt. Sonst hört man von Mail vor allem als romantische Wüstenkulisse für die Rallye Paris-Dakar oder abenteuerlustige Touristen.

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          Die entführten deutschen Geiseln haben die Aufmerksamkeit auf den westafrikanischen Staat Mali gelenkt. Sonst hört man von Mail vor allem als romantische Wüstenkulisse für die Rally Paris-Dakar oder abenteuerlustige Touristen. Daß es ansonsten in jüngster Zeit so gut wie nie in die Schlagzeilen gerät, kann als gutes Zeichen gelten. Gerade in Westafrika machen die Staaten häufig durch Bürgerkrieg oder Putsch auf sich aufmerksam.

          Das war bis vor einem Jahrzehnt auch im Falle Malis nicht anders. Bis 1991 war der Staat eine Militärdiktatur. Die nomadisch lebenden Tuareg im Norden wurden unterdrückt, Demonstrationen für mehr Demokratie blutig niedergeschlagen. Das Land hat es dennoch geschafft, sich aus dem Teufelskreis der durch ethnische Konflikte angeheizten Machtkämpfe zu befreien.

          Ehemaligen Putschgeneral ordentlich gewählt

          Die Wende kam 1991. Der in der Sowjetunion und Frankreich ausgebildete Karrieresoldat Amadou Toumani Touré, der in Mali ATT genannt wird, führte den Putsch gegen den Diktator Traoré an. Statt sich nun selbst mit aller Gewalt an die Macht zu klammern, wie es in Afrika häufig der Fall ist, schaffte er es nicht nur, den Konflikt mit den Tuareg mit einem Abkommen friedlich zu lösen, sondern übergab auch die Regierung an den im Juni 1992 gewählten Präsidenten Alpha Oumar Konaré.

          Konaré regierte zwei Legislaturperioden und trat danach - wie von der Verfassung vorgeschrieben - nicht mehr zur Wahl an. Auch das ist im afrikanischen Kontext nicht selbstverständlich. In Sambia und Namibia etwa gibt es vergleichbare Verfassungsartikel, die eine dritte Amtszeit verbieten - und wurden daher von den Präsidenten Chiluba und Nujoma flugs geändert. Bei den jüngsten Wahlen im Mai vergangenen Jahres wurde "ATT" gewählt, jener ehemalige Putschgeneral, der den Übergang zur Demokratie eingeleitet hatte.

          Keine wichtigen Rohstoffvorkommen

          Wegen dem erfolgreichen Wandel zur Demokratie wird Mali häufig als "Musterdemokratie" oder "Vorzeigestaat" bezeichnet, und das Land verdient diese Etiketten eher als die meisten anderen afrikanischen Staaten, denen sie ebenfalls angeheftet werden. Diese Prädikate werden in der Regel mit Entwicklungshilfe belohnt. In Mali sind mehr als 100 Nichtregierungsorganisationen tätig, hinzu kommen 33 nationale und 22 multilaterale Hilfsorganisationen. Der Staat zählt auch zu den sogenannten Schwerpunktländern deutscher Entwicklungshilfe. Präsident Rau hat bei seiner Afrikareise 2001 die Vorbildrolle Malis herausgestrichen.

          Mali hat keine wichtigen Rohstoffvorkommen. Diamanten und Öl haben allerdings den meisten afrikanischen Staaten statt Wohlstand nur Bürgerkrieg gebracht, wie die Beispiele Sierra Leone, Angola oder Kongo zeigen. Daß die bescheidenen Einnahmequellen Malis - Baumwolle, Gold und Viehzucht - nicht mehr abwerfen, liegt freilich auch an den fallenden Weltmarktpreisen und der Abschottung der Märkte in den Industrieländern durch Zölle und Subventionen.

          Bevölkerung lebt in bitterer Armut

          Mali ist jedoch nicht immun gegen die "afrikanische Krankheit" Korruption. Je mehr Hilfsorganisationen danach drängen, Schulen und Krankenhäuser zu bauen, um so mehr kann sich die Regierungselite auf ihr eigenes Wohlergehen konzentrieren. Die Bevölkerung Malis hat daher auch eine weitaus schlechtere Meinung von ihrer "Vorzeigeregierung". Die große Mehrheit der Malier lebt weiterhin in bitterer Armut.

          Die Bilanz der Regierung Konaré fiel daher nicht uneingeschränkt positiv aus. Konaré selbst konnte jedoch von seinem Renommé als Verfechter der Demokratie in Afrika profitieren. Im Juli wurde er zum Präsidenten der Afrikanischen Union gewählt. An seinem Nachfolger Touré wird es nun liegen, die Demokratie im Land zu festigen. Daß seine Wahl von Fälschungsvorwürfen begleitet war, galt als kleiner Schönheitsfehler auf einem Kontinent, in dem demokratische Machtwechsel noch nicht die Regel sind. Wenn die in Algerien entführten und nach Mali verschleppten Geiseln befreit werden, könnte Mali wieder einmal positiv auf sich aufmerksam machen.

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