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Mali : Einsatz der Bundeswehr hat begonnen

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Abflug: Eine Transall verlässt den Fliegerhorst Hohn (Schleswig-Holstein) Bild: dpa

In der Nacht zum Freitag sind zwei Transportflugzeuge der Luftwaffe nach Westafrika aufgebrochen. Sie sollen Soldaten der Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas nach Mali bringen.

          Die Bundeswehr hat am Donnerstag mit ihrem Mali-Einsatz begonnen. Zwei Transall-Transportflugzeuge der Luftwaffe starteten am Abend vom schleswig-holsteinischen Flugplatz Hohn aus. In dem westafrikanischen Land begann ein großer Truppenaufmarsch. Die Europäische Union will nach einem Beschluss der EU-Außenminister so rasch wie möglich Militärausbilder in das westafrikanische Land entsenden.

          Jede Transall-Maschine hat nach Angaben des Lufttransportgeschwaders 63 sieben Besatzungsmitglieder an Bord. Eine weitere Maschine sollte am Freitagmorgen vom bayerischen Fliegerhorst Landsberg aus starten. Heftiger Schneefall hatte ihren Start am Donnerstag zunächst verhindert.

          Die Transporter sollen Soldaten der Ecowas-Mitgliedsstaaten ( Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft) in das Einsatzgebiet bringen, wo sie zusammen mit malischen und französischen Soldaten Islamisten aus dem Norden des Wüstenstaats zurückdrängen sollen.

          Die Transall-Maschinen flogen zunächst ins französische Évreux. Dort sollen zwei der insgesamt drei Flugzeuge mit Sanitätsmaterial beladen werden und dann in die malische Hauptstadt Bamako weiterfliegen. Die dritte Maschine ist nach Angaben der Luftwaffe nur Ersatz und soll nach Deutschland zurückkehren.

          Besatzungsmitglieder steigen in das Propellerflugzeug ein

          Jedes Flugzeug kann rund 90 Soldaten transportieren und wird mit zwei Crews besetzt. Die 3300 Soldaten der Ecowas für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen im Norden Malis sollen unter anderen von den Nachbarländern Nigeria und Niger gestellt werden. Die EU beschloss am Donnerstag zudem, Spezialisten für die Ausbildung der malischen Armee zur Verfügung zu stellen.

          Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach einer Anfrage der französischen Regierung entschieden, den Kampf gegen die Rebellen mit zwei Transall-Maschinen zu unterstützen. Französische Truppen sollen damit aber nicht transportiert werden.

          In Mali verstärkte Frankreich seine Truppen - von 800 auf 1400 Soldaten. Die Vorbereitungen für den Mali-Einsatz von zunächst 2000 Soldaten aus Ländern der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas liefen auf Hochtouren, als erste wurden bis zu 500 Mann aus Nigeria erwartet.

          Die Europäische Union will rund 250 Militärausbilder nach Mali entsenden. Sie sollen dafür sorgen, dass die Armee des Landes die Rebellen bekämpfen kann. Die Außenminister versprachen zugleich finanzielle Unterstützung für den Ecowas-Kampfeinsatz in Mali mit 3300 afrikanischen Soldaten, die EU sprach sogar von 3500 Soldaten. Der französische General François Lecointre wurde zum Kommandeur der EU-Trainingsmission in Mali ernannt.

          Außenminister Guido Westerwelle sagte, der Umfang der deutschen Beteiligung an dem Einsatz stehe noch nicht fest: „Auf Dauer wird es keine europäische oder militärische Lösung geben können in Mali. Auf Dauer geht es darum, dass die afrikanischen Kräfte es schaffen müssen, die malische Armee es schaffen muss“, sagte der Minister. Einen Kampfeinsatz zur Unterstützung der französischen Truppen in Mali schloss er aus.

          Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) warnte vor einer Ausweitung des Bürgerkriegs in Mali. Der „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe) sagte Niebel: „Der Militäreinsatz ist richtig und kommt gerade rechtzeitig. Verlieren wir Mali, besteht die Gefahr, dass sich der islamistische Terrorismus in Westafrika weiter ausbreitet.“ Der Minister betonte, dass Deutschland die Menschen in Mali jetzt nicht allein lassen dürfe und entwicklungspolitisch präsent sein müsse. Im Kern sei der Konflikt „ein politisches Problem“, so Niebel. „Mali muss den Sprung zurück zu einer demokratischen Regierung schaffen.“

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