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Madeleine Schickedanz : Eine scheue Milliardärin

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Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Bild:

Öffentlichkeitsscheu und reich sind die wenigen bekannten Eigenschaften von Madeleine Schickedanz. Sie genießt ihren Wohlstand zurückgezogen mit ihrem dritten Ehemann, Leo Herl, meistens in einem Nobelviertel in St. Moritz.

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          Öffentlichkeitsscheu und reich sind die wenigen bekannten Eigenschaften von Madeleine Schickedanz. Sie genießt ihren Wohlstand zurückgezogen mit ihrem dritten Ehemann, Leo Herl, meistens in einem Nobelviertel in St. Moritz. Während der Überlebenskampf des Karstadt-Quelle-Konzerns, an dem sie 41,55 Prozent der Anteile hält, im gleißenden Licht der Medienwelt in ganz Deutschland und darüber hinaus Aufmerksamkeit findet, bleibt die 60 Jahre alte Frau im schützenden Schatten. Nur wenige Einzelheiten aus ihrem Leben sind bekannt. Sie werden wie seltene Fundstücke seit Jahren weitergereicht und erscheinen immer wieder in Berichten und Porträts über die Tochter des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz und seiner zweiten Frau Grete. Das beginnt mit ihrer Geburt im Luftschutzbunker der Nürnberger Frauenklinik am 20. Oktober 1943, als Bomben auf die fränkische Stadt fielen. Als Kind soll sie von ihren Eltern - Symbolfiguren des deutschen Wiederaufbaus - vernachlässigt worden sein. Vielleicht läßt sich damit erklären, daß die spätere Erbin lange kein Interesse zeigte, im Familienunternehmen mitzuwirken. 1978 wurde ein Spezialkatalog für Bekleidung nach ihr benannt. Bis heute gibt es "Madeleine" mit den vielen bunten Seiten mit Models, die für Kostüme, Kleider oder Blusen werben.

          Die Namen ihrer Ehemänner geben einen Rückblick auf schnell begonnene und im ersten Fall schnell beendete Karrieren im Haus Schickedanz. Im Alter von 22 Jahren brach Madeleine das Studium der Betriebswirtschaftslehre ab und heiratete Hans-Georg Mangold, einen Nachbarn in Fürth, aus der Familie eines bekannten Spielwarenhändlers. Er wurde mit einem Posten in der Konzernführung in die Familie aufgenommen. Doch acht Jahre später folgte mit der Scheidung für Mangold ein doppelter Abschied. Der zweite Ehemann, Wolfgang Bühler, wurde sogar Vorstandsvorsitzender der Schickedanz-Holding, war von 1976 bis zu seinem Rückzug in den Ruhestand 1997 für das Unternehmen tätig. Aus den ersten zwei Ehen stammen jeweils zwei Kinder. Inzwischen hat Madeleine Schickedanz auch zwei Enkel. 1977 starb ihr Vater, 1994 die Mutter.

          In der Öffentlichkeit tritt die reiche Quelle-Erbin hin und wieder für ihre Kinder-Krebs-Stiftung auf. Diese Organisation hatte sie 1990 gegründet, nachdem eine ihrer Töchter eine Erkrankung an Leukämie überstanden hatte. Fotos von Veranstaltungen der Stiftung zeigen sie mit einem schüchternen Lächeln und einer kühlen Ausstrahlung, lassen sie als Frau erscheinen, die nach jugendlichen Aussehen strebt. Sie ist Honorarkonsulin von Griechenland, doch stammt von ihr die Aussage: "Ich bin niemand für die Öffentlichkeit." Im Handelskonzern Karstadt-Quelle spielt sie eine mächtige Rolle, auch wenn sie nicht selbst im Aufsichtsrat mitmischt. Dort sitzen ihr Mann und seit Juli dieses Jahres Thomas Middelhoff, den sie als Vorsitzenden gewonnen hat. Damit bereitete sie den gewaltigen Umbruch des Unternehmens vor. Von der 1999 von Quelle und Karstadt vollzogenen Fusion war auch sie enttäuscht. Bis kurz vor seiner Ablösung im Mai dieses Jahres soll sie aber den Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Urban unterstützt haben. 2003 hatte Schickedanz sogar der vorzeitigen Verlängerung von Urbans Vertrag um fünf Jahre zugestimmt. Mit Christoph Achenbach kam ein Mann an die Spitze, der schon lange für das Haus Quelle aktiv gewesen ist.

          In der Rangliste der hundert reichsten Deutschen liegt Madeleine Schickedanz mit einem geschätzten Vermögen von 1,6 bis mehr als 2 Milliarden Euro im Mittelfeld. Der Kurssturz der Aktie von Karstadt-Quelle hat sie seit Anfang 2002 um rund 1,6 Milliarden Euro ärmer gemacht. Mehr als 220 Millionen Euro für die Kapitalerhöhung aufzubringen, dürfte ihr dennoch nicht besonders schwerfallen. Den Umgang mit hohen Geldbeträgen hat sie früh gelernt. Außerdem traut sie Achenbach und Middelhoff einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Erbe zu.

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