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Madeleine Schickedanz : Die Frau im Hintergrund

Madeleine Schickedanz Bild:

Bei Deutschlands größtem Warenhauskonzern gibt es eine wichtige Frau im Hintergrund. Hinter allen Personalveränderungen in Essen (Karstadt), Frankfurt (Neckermann) und Fürth (Quelle) steht Madeleine Schickedanz, Mehrheitsgesellschafterin des Milliardenunternehmens.

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          Bei Deutschlands größtem Warenhauskonzern gibt es eine wichtige Frau im Hintergrund. Hinter allen Personalveränderungen in Essen (Karstadt), Frankfurt (Neckermann) und Fürth (Quelle) steht Madeleine Schickedanz, Mehrheitsgesellschafterin des Milliardenunternehmens. Daß sie die Fäden aber fest in der Hand hält, darf bezweifelt werden. Es heißt zwar immer wieder, daß die handelnden Personen und nicht zuletzt der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff Männer ihres Vertrauens seien. Aber Schickedanz geht mit ihrem Vertrauen offenbar sehr spendabel um: Denn ein Mann ihres Vertrauens war schon der Vorvorgänger von Middelhoff, der Karstadt-Chef Wolfgang Urban. Sein ruppiger Führungsstil wurde ihm zum Verhängnis. Männer ihres Vertrauens waren dann auch der vor wenigen Wochen geschaßte Karstadt-Chef Christoph Achenbach oder der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Meinhardt, ein Jagdfreund ihres zweiten Ehemannes und Quelle-Managers Wolfgang Bühler ebenso wie des langjährigen Karstadt-Vorstandsvorsitzenden Walter Deuss. Als "ihr Mann" gilt auch der ehemalige Rewe-Chef Hans Reischl, der eigentlich als Aufsichtsratsvorsitzender von Karstadt-Quelle viel qualifizierter wäre als der jetzt ernannte ehemalige Linde-Manager Hero Brahms.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Leicht macht es sich Schickedanz mit Karstadt-Quelle allerdings auch nicht. Sie empfindet das elterliche Erbe - ihre Eltern Gustav und Grete Schickedanz haben in einer imponierenden Lebensleistung das Versandhaus Quelle aufgebaut - zwar nicht als Last, wohl aber als eine verpflichtende Bürde. Andererseits: Wenn Frau Schickedanz in einem Warenhaus nach dem Rechten sehen will, fährt sie nach Voranmeldung mit Chauffeur vor - und bekommt ein Haus von seiner schönsten Seite präsentiert. Ihr fehlt die berufliche Erfahrung. Nach der Schule und einem Studium der Betriebswirtschaft fiel sie von der Jugend in ihre erste Ehe. Daß sie Menschen so schnell vertraut, ist vielleicht auch Folge einer unbeschwerten Kindheit. Die Eltern hatten zwar wenig Zeit für sie, erfüllten ihr aber andererseits fast jeden Wunsch.

          Viel Zutrauen verlangte ihr dann später die für sie wohl prägendste Schicksalsprobe ab. Ihre Tochter Caroline erkrankte Anfang der achtziger Jahre an Leukämie (Blutkrebs). Ohne den unermüdlichen Einsatz von Mutter Madeleine und den Glauben, daß alles gut werde - damals fuhr Madeleine auch in den bekannten französischen Wallfahrtsort Lourdes -, hätte die Tochter es wahrscheinlich nicht überlebt. Sieben Jahre bangte man um ihr Leben. Nach ihrer Heilung gründete Madeleine Schickedanz aus Dankbarkeit die Madeleine Schickedanz Kinder-Krebs-Stiftung, die seit mehr als zehn Jahren Geld für die Leukämieforschung sammelt.

          Die am 20. Oktober 1943 in Nürnberg geborene Madeleine Schickedanz ist in dritter Ehe mit dem Manager Leo Herl verheiratet. Aus ihren beiden ersten Ehen mit Hans-Georg Mangold und mit Wolfgang Bühler - beide waren ebenfalls im Management von Quelle tätig - gingen je zwei Kinder hervor. Schickedanz lebt gern zurückgezogen. Daß sie sich immer wieder gern in einem ihrer Ferienhäuser in Spanien, Frankreich, dem schweizerischen St. Moritz oder am Tegernsee aufhält, ist denn auch kein Tribut an ihre 61 Lebensjahre. Ausgeprägte Hobbys haben auch gute Bekannte bei ihr bisher nicht feststellen können. Gut beraten wäre sie, wenn sie sich jetzt Karstadt-Quelle zum Hobby machen würde. Denn daß ihr Vertrauensmann Middelhoff mit dem Versandhaus- chef Fischer den letzten Manager mit Handelserfahrung vor die Tür gesetzt hat, kann ihr nicht gleichgültig sein. Ihr Vermögen, das auf etwa 1,7 Milliarden Euro geschätzt wird, ist allein im vergangenen Jahr um eine halbe Milliarde Euro geschrumpft. Außerdem mußte sie 220 Millionen im Rahmen einer Kapitalerhöhung zuschießen. Erst jüngst hat sie weitere Anteile zugekauft, die sie an die 50-Prozent-Marke bei Karstadt-Quelle führen.

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