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Macrons Politikbewegung : Sieht München die Partei der Zukunft?

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Guerric R., Gautier Schrembacher und Clémence Billot zählen zur "Pulse-of-Europe"-Bewegung in München. Bild: Jean-Marie Magro

Emmanuel Macron ist der Favorit bei den französischen Präsidentschaftswahlen. Statt einer Partei anzugehören, gründete er eine eigene politische Bewegung, die nicht nur in Frankreich bleibende Eindrücke hinterlassen dürfte.

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          München, im April. Wo man auch hinsieht, Europaflaggen sowie selbstgebastelte Schilder mit „Ne me quitte pas“ und „Restez avec nous“. Auf der Bühne werden die großen Europäer, die Staatschefs, die die deutsch-französische Freundschaft zementierten, aufgezählt. Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt fallen auf deutscher, Charles de Gaulle, Giscard d’Estaing und François Mitterrand auf französischer Seite. Etwa zwanzig Meter vor den Rednern der „Pulse-of-Europe“-Kundgebung, auf dem Münchner Max-Joseph-Platz, einen Steinwurf vom Nationaltheater entfernt, freut sich eine kleine junge Frau, die eine Frankreichfahne schwenkt. Sie sagt voller Überzeugung: „In zehn Jahren wird in der gleichen Reihe Emmanuel Macron stehen.“

          Die Frau mit den eindrücklichen blauen Augen heißt Clémence Billot. Sie ist die „animatrice“ von „En Marche!“ in Bayern. Denn bei der Bewegung des Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron gibt es keine „Vorsitzenden“ oder „Sprecher“, sondern Animateure.

          In nur einem Jahr hat der erst 39 Jahre alte ehemalige Wirtschaftsminister eine Bewegung mit über 230.000 Mitgliedern auf die Beine gestellt. Mitgliedsbeiträge gibt es nicht, es genügen ein paar Klicks auf der Seite von „En Marche!“, um als Unterstützer zu gelten.

          „En Marche!“ möchte für alle der 577 Wahlkreise, in die Frankreich für die Wahlen des nationalen Parlaments eingeteilt ist, einen Kandidaten aufstellen. Die Bedingungen: Gleiche Anzahl von Männern und Frauen, 50 Prozent der Kandidaten dürfen kein politisches Mandat innegehabt haben. Macrons Bewegung bezeichnet sich als „progressive Mitte“ – ein Novum in der französischen Politiklandschaft. Nicht, dass es eine politische Mitte gäbe – die Zentristen von François Bayrou gibt es schon jahrzehntelang – sondern, dass diese Mitte Erfolg hat. „En Marche!“ ist vor allem die Hoffnung der proeuropäisch eingestellten Franzosen – und darüber hinaus.

          Zurück auf den Münchner Max-Joseph-Platz: Die Kundgebung von „Pulse of Europe“ ist an jenem Sonntag in vollem Gange. Politische Parteien sollen hier nicht sprechen, sie sollen zuhören. Eine blonde Frau geht ans Mikrofon. Sie heißt Claire Staudenmayer, geboren in London, aufgewachsen an zahlreichen Orten in Frankreich. Ihr Vater war Präfekt. Staudenmayer spricht für „En Marche!“. Sie organisiert für die Bewegung Veranstaltungen. Es ist das erste politische Engagement der dreifachen Mutter, so wie für viele in der Bewegung.

          Mehr als 14.000 Unterstützer außerhalb Frankreichs sind sogenannte Mitglieder der Bewegung. In Deutschland bildeten sich die stärksten Vereinigungen in Berlin, Nordrhein-Westfahlen und Bayern. „En Marche!“ zählt in München 70 Mitglieder, und das Interesse an den Aktionen und dem Programm der Wandernden ist riesig. Bei der ersten Veranstaltung fanden sich über 100 Franzosen in der Münchner Max-Emanuel-Brauerei ein, bei der zweiten immerhin noch 60 in einem Hostel am Hauptbahnhof. Viele deutsche Parteien, die seit Jahren etabliert sind, würden von einem solchen Publikum träumen. Jeden Montag findet im Wirtshaus Donisl, nahe der Frauenkirche, ein sogenannter „Apéro politique“, ein „politischer Aperitif“,  statt. Innerhalb von wenigen Monaten ist in Bayern eine unerfahrene, jedoch funktionierende und schnell lernende Gruppierung entstanden.

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