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Machtwechsel in London : Theresa May ernennt Boris Johnson zum Außenminister

Premier wollte er nicht sein, jetzt ist er Außenminister: Boris Johnson nach seiner Ernennung vor Downing Street 10 Bild: AFP

In Großbritannien steht erstmals seit einem Vierteljahrhundert wieder eine Frau an der Regierungsspitze. Theresa May beginnt, das Kabinett umzubauen. Und sorgt direkt für eine große Überraschung.

          Die neue britische Premierministerin Theresa May hat den Anführer des Brexit-Lagers, Boris Johnson, als Außenminister berufen. Mit David Davis und Liam Fox werden zwei weitere Vertreter der Ausstiegsbewegung Schlüsselposten im Kabinett innehaben. Das bestätigte Downing Street am Mittwochabend, nur wenige Stunden nachdem Königin Elisabeth II. das Rücktrittsschreiben David Camerons entgegengenommen und May gebeten hatte, eine neue Regierung zu bilden.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Davis, der zuletzt einfacher Abgeordneter gewesen war, soll die neue „Brexit-Behörde“ leiten, die die Ausstiegsverhandlungen mit der EU koordinieren wird. Fox, ein früherer Verteidigungsminister, wird „Minister für Internationalen Handel“, ein weiteres Amt, das es bisher nicht gab.

          Das Amt des Schatzkanzlers wird der bisherige Außenminister Philip Hammond von George Osborne übernehmen, der sich zurückzieht. Den Posten der Innenministerin, den May sechs Jahre innnegehabt hatte, vergab die neue Regierungschefin an die bisherige Ministerin für Energie und Klimawandel, Amber Rudd. Hammond und Rudd hatten – wie auch May – das Lager unterstützt, das während des Referendumswahlkampfs für den Verbleib Großbritanniens in der EU geworben hatte.

          May sagte am Mittwoch, sie trete in die „Fußstapfen eines großen und modernen Premierministers“, der sich um die Wirtschaft und die soziale Gerechtigkeit verdient gemacht habe. Auch sie wolle ein „Land, das für alle funktioniert“. In ihrer kurzen Ansprache vor Downing Street 10 wendete sich May persönlich an jene, „die gerade eben zurechtkommen“, und sagte: „Die Regierung, die ich führe, wird nicht von den Interessen der wenigen Privilegierten bestimmt sein, sondern von Ihren.“ Nach dem Votum für den Brexit stehe die Nation vor einem großen Wandel. „Jetzt, wo wir die EU verlassen, werden wir eine starke, neue und positive Rolle für uns in der Welt schaffen“, sagte die Premierministerin.

          Am Mittag hatte Cameron seiner Nachfolgerin im Unterhaus empfohlen, in den anstehenden Austrittsverhandlungen in Brüssel „so nah wie möglich“ an Europa zu bleiben. Eine enge Bindung an die EU sei entscheidend für die wirtschaftliche und politische Zukunft des Vereinigten Königreichs. Er machte den Status der in Britannien lebenden EU-Bürger davon abhängig, ob in den anstehenden Verhandlungen mit Brüssel entsprechende Lösungen für die in der EU lebenden Briten gefunden werden.

          Das sei eine Sache der „Gegenseitigkeit“, sagte Cameron. Zahlreiche Abgeordnete würdigten Cameron während seines letzten Auftritts als Regierungschef im Unterhaus für seinen Beitrag zur politischen Debattenkultur in Großbritannien. Nach seinen Abschiedsworten erhob sich das Haus und applaudierte stehend.

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