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Wahlnacht in Amerika : Kabarett, Konzerte und Cocktails

  • -Aktualisiert am

Obama ließ im Grant Park in Chicago eine riesige Zeltstadt aufbauen Bild: AFP

Die Organisatoren der Wahlpartys in den Vereinigten Staaten überbieten sich gegenseitig: Für ausgewiesene Wähler gibt es Cocktails zum halben Preis, kostenlose Yogastunden und elegante Bootsfahrten mit Buffet. George W. Bush dagegen wird den Abend vor dem Fernseher im Weißen Haus verbringen.

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          Im Sportzentrum in Wasilla (Alaska) rockt die Band „Sarah and the Pit Bulls“, damit den Anhängern der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin die Zeit bis zur Bekanntgabe der ersten Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen nicht lang wird. Auf der anderen Seite des Kontinents, in der „New Bethel Baptist Church“ in der Hauptstadt Washington, kann Pastor Walter Fauntroy schon fast die Kinder singen und die Glocken läuten hören - so nahe wähnt der frühere Mitstreiter von Martin Luther King den Wahlsieg des demokratischen Kandidaten Barack Obama.

          Cocktails - für Wähler zum halben Preis

          In den Vereinigten Staaten ist der Wahlabend nicht nur ein politisches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Parteien, Politiker, Aktivisten, Kirchen, Vereine, Restaurants und Privatleute laden an diesem Dienstag zu Wahlpartys ein, auf denen man sich für Triumph oder Trauer über den Ausgang des Rennens zwischen John McCain und Barack Obama wappnet. Vor allem in demokratischen Hochburgen, wo die Hoffnung auf einen historischen Wahlsieg Obamas die Stimmung beflügelt, bieten sich den Wählern etliche Möglichkeiten, die Wahlnacht zu überstehen. Kirchen, Kneipen und Kulturzentren in der Umgebung von San Francisco, wo Barack Obama in den Umfragen mit großem Vorsprung führt, laden zu kontemplativem Gebet, Kabarett und Konzerten ein.

          Oprah Winfrey wird bei Obamas Wahlparty zu Gast sein
          Oprah Winfrey wird bei Obamas Wahlparty zu Gast sein : Bild: AP

          Eine der eleganteren Optionen: eine Wahlparty an Bord der restaurierten „Potomac“, auf der Präsident Franklin D. Roosevelt auszuspannen pflegte. Zum Preis von 195 Dollar gibt's eine Fahrt in der Bucht von San Francisco inklusive Buffet, Getränken und Wahlberichterstattung. Amerikanern, die durch einen Aufkleber nachweisen, dass sie ihre Stimme abgegeben haben, winken im ganzen Land Spezial- und Sonderangebote: In Filialen der Kette „Krispy Kreme“ werden ihnen kostenlos Kaffee und sternförmige Donuts mit Streuseln in den Nationalfarben serviert.

          Und in vielen Bars werden für ausgewiesene Wähler Martinis in Rot, Weiß und Blau zum halben Preis gemixt. Selbst freie Yogastunden für Amerikaner, die den Stress der Stimmabgabe auf sich genommen haben, sind im Angebot. Die Leute sind offenbar so gespannt, dass sie es zu Hause gar nicht mehr aushalten.

          Prominente wie Talkshow-Königin Oprah Winfrey

          Pastor Walter Fauntroy, für den mit dem Wahlsieg Obamas ein Lebenstraum in Erfüllung ginge, erwartet, dass am Wahlabend mindestens 500 politisch gleichgesinnte Kirchenmitglieder in die „New Bethel Baptist Church“ kommen, um am Bildschirm zu verfolgen, ob ihre Gebete in Erfüllung gehen. Ähnlich emotionsgeladen und doch ganz anders wird die Stimmung in der Sport- und Mehrzweckhalle von Wasilla sein. In der Heimatstadt von Sarah Palin werden die Wahlnachrichten durch Demonstrationen zum sicheren Umgang mit Waffen, Darbietungen der Pfadfinder und örtliche Marschkapellen aufgelockert.

          Palin wird den Wahlabend jedoch an der Seite von John McCain in dessen Heimatstaat Arizona verbringen. Für seine Wahlparty hat der Republikaner in Phoenix das traditionsreiche Hotel „Arizona Biltmore Resort and Spa“ ausgewählt, das schon etlichen amerikanischen Präsidenten als Herberge diente. Dort wird es vergleichsweise intim zugehen, zumindest verglichen mit der Riesenparty, die Obama in seiner Heimatstadt Chicago plant. Im Grant Park, wo der in den Umfragen führende Kandidat eine gewaltige Zeltstadt hat aufbauen lassen, werden bis zu 70.000 Anhänger erwartet, darunter prominente Gäste wie die Talkshow-Königin Oprah Winfrey. Der Chicagoer Bürgermeister Richard Daley rechnet sogar mit bis zu einer Million Obama-Fans.

          George W. Bush bleibt daheim

          Wer keine der 65.000 Karten ergattert hat, die Obamas Kampagne für die Feier in Chicago verteilte, für den haben Organisatoren von Wahlpartys Ideen zur Obama-Party im eigenen Heim zusammengetragen. Dazu gehört unbedingt Deep-Dish Pizza, eine lokale Chicagoer Spezialität, die der demokratische Präsidentschaftskandidat angeblich für sein Leben gern isst. Dazu sollte man Spezialcocktails wie „Love on the Ba-racks“ servieren, schön süß mit Blue Curaçao, Pfirsichlikör, Rum, Sirup und Saft. Republikaner sollten sich mit Arizona-Eistee oder rotem „McCain Maverick-tini“ erfrischen, raten Partyplaner. Fürs Büfett böten sich Klassiker der Südstaatenküche wie Chili oder Enchiladas an.

          Und was macht George W. Bush, während ganz Amerika nur Augen für den nächsten Präsidenten hat? Der unbeliebte Amtsinhaber wird weder in Arizona noch bei den offiziellen Wahlpartys seiner Partei in Washington dabei sein. Gemeinsam mit engen Freunden wird der Präsident den Abend vor dem Fernseher im Weißen Haus verbringen. Dort hat George W. Bush im Gegensatz zu den beiden Präsidentschaftskandidaten, die noch nicht wissen, was der Abend bringt, auf jeden Fall etwas zu feiern: den 62. Geburtstag von First Lady Laura Bush.

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