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Wahlkampf : Ist Arnie Schwarzenegger ein Cyborg?

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Wahlkampf in Amerika: CNN ist stets dabei Bild: AFP

Der Washingtoner Bürochef von CNN, David Bohrman, verknüpft den amerikanischen Wahlkampf mit dem Internet. Ein Gespräch über die neue Rolle der Journalisten und die Frage, ob wir tatsächlich die „demokratische Revolution“ aus dem Netz erleben.

          Der Washingtoner Bürochef des Senders CNN, David Bohrman, verknüpft den amerikanischen Wahlkampf mit dem Internet. Nicht mehr nur Journalisten stellen Fragen, jeder Internetnutzer kann über Youtube per Video Fragen zu den Präsidentschaftsdebatten im Fernsehen einreichen. Zur letzten Vorrunde dürfen Leser des Portals http://www.politico.com/ sich melden. Ist das die beschworene „demokratische Revolution“ aus dem Netz? Fragen an David Bohrman.

          Sie haben die Internetnutzer von Youtube und Politico eingeladen, bei der Präsidentschaftsdebatte mitzuwirken, die Auswahl der Fragen aber behalten Sie sich vor. Warum? Ist es mit der Demokratie im Netz doch nicht so weit her?

          Nun, hätten wir die Auswahl von Youtube befolgt, hätten wir als populärste Frage die mitnehmen müssen, ob der Gouverneur von Kalifornien ein Cyborg ist. Das Internet ist ein zweischneidiges Schwert - ein fruchtbarer Boden, aber auch ein wenig verspielt, ein bisschen bösartig und nicht immer angemessen für die Präsidentschaftskandidaten. Auch bei Politico werden gestandene Journalisten die Fragen, die wir am Ende stellen, auswählen, hoffentlich auch nach Popularitätsmaßstäben, aber sicher nicht allein. Unsere Rolle ist es, den Mittelsmann zu spielen, die besten Fragen zu nehmen und Unfug auszusortieren.

          David Bohrman

          Wie haben die Debatten im Internet den Vorwahlkampf verändert?

          Es ist kaum vorstellbar, dass die Dinge je wieder hinter den heutigen Stand zurückfallen. Es ist schwer, sich eine Debattensaison vorzustellen, die dem Wähler keine direkte Möglichkeit einräumt, den Kandidaten Fragen zu stellen.

          Wie hat sich die Rolle der Journalisten im Wahlkampf gewandelt?

          Es ist ungeheuer interessant, wie sich das alles entwickelt. Vielleicht besteht die Priesterschaft der Journalisten nicht fort. Wir Journalisten haben eine entscheidende Rolle, wir sind gehalten, zu interpretieren und zu analysieren und die Politiker bei der Sache zu halten. Aber es gehört auch zur Demokratie, dem Bürger die Möglichkeit zu geben, sich in die Auswahl eines Präsidentschaftskandidaten einzumischen. Wir Journalisten werden weiter berichten, aber ohne ein exklusives Recht auf Kandidaten-Kontakt. In den letzten fünfzig Jahren war die Wahlberichterstattung darauf beschränkt, dass Journalisten Fragen aufwerfen. Aber wenn wir faire Wege finden, dass die Bürger direkte Fragen an die Kandidaten stellen, gibt es keinen Grund, das nicht zu tun.

          Seit 1960 die erste Fernsehdebatte zwischen Nixon und Kennedy ausgestrahlt wurde, ist der Wahlkampf zur Personalityshow geworden. Das Internet wird das verstärken.

          Früher hat man als Wähler die Kandidaten so gut wie nicht gesehen, vielleicht in einem Wochenschau-Ausschnitt. Aber die Fähigkeit der Kandidaten, mit der Presse umzugehen, ist zum Teil des Jobs geworden. Es kann sein, dass die öffentliche Eloquenz der Kandidaten eine entscheidende Rolle für das Urteil der Bürger spielt, wer sich als Präsident eignet. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn der nächste Präsident einen Blog an die amerikanischen Bürger schreibt. Es wäre die moderne Variante der Kamingespräche von Präsident Roosevelt.

          Mal grundsätzlich: Haben sich die Debatten wirklich verändert, oder ist dies bloß die digital aufgeblasene Variante der klassischen Bürgerversammlung?

          Die diesjährigen Debatten hatten interessante und innovative Formate. Wir haben uns nicht an das steife Korsett der Lämpchen und Dreißig-Sekunden-Signale und Oberflächlichkeiten gehalten, die vergangene Debatten geprägt haben. In den Präsidentschaftsdebatten im Herbst wird man uns Sendern weniger Spielraum geben. Ich vermute, dass sich die Experimentierfreude da eher in Grenzen hält. Aber vielleicht werden wir in vier Jahren etwas anderes erleben.

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