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Wahlkampf in Amerika : Wer ist der bessere Anti-Bush?

Obama oder McCain: Wer grenzt sich erfolgreicher von Vorgänger Bush ab? Bild: dpa

Die Abgrenzung von Bush ist ein wichtiges Statement im Wahlkampf von Republikanern und Demokraten. Obama stellt McCain als Klon des Präsidenten dar. McCain spielt den innerparteilichen Rebellen. Demoskopen aber sagen: Die Krise der Wirtschaft wird über die Wahl entscheiden.

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          Dort, wo die Führung der Republikanischen Partei in Washington, ganz in der Nähe des Kapitols, ihren Sitz hat, steht es rot auf weiß: Noch so und so viele Tage bis zum Sieg.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Als wir uns nach den Vorbereitungen und nach der Wählermobilisierung erkundigen, sind es noch 33 Tage – das große Ziel dieser Saison auf einer Art Abreißkalender auf zwei Blatt Papier an zwei Bürotüren fixiert, schnörkellos, als Computerausdruck. Als wir dem Politischen Direktor Rich Beeson später die, zugegeben, nicht gerade originelle Frage stellen, ob er optimistisch sei, antwortet er nach einigen umständlichen Drehungen mit: Ja.

          Noch 33, 32, 31 Tage. Ein paar Stunden später würden Sarah Palin und Joseph Biden, die Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, vor einem riesigen Fernseh-publikum ihren Auftritt haben. Die Mitarbeiter in der Parteizentrale mochten da auf einen Schlag hoffen, der den demokratischen Senator mit der großen außenpolitischen Reputation aus dem Gleichgewicht werfen und dem Wahlkampf abermals eine neue Wendung geben werde.

          Obama-Anhänger sehen in McCain einen Bush-Klon
          Obama-Anhänger sehen in McCain einen Bush-Klon : Bild: AP

          Ist Obama noch einzuholen?

          Denn für die republikanische Kombination McCain/Palin läuft es gegenwärtig überhaupt nicht so, als wäre bis zu ihrer Ablösung des ungeliebten Paares Bush/Cheney nur noch ein unbedeutender Termin Anfang November zu absolvieren. Anfang September hatte es noch gut ausgesehen, und die junge Gouverneurin Palin aus Alaska, eine typische Risikoentscheidung John McCains, hatte die republikanische Parteibasis elektrisiert und das Wahlvolk neugierig gemacht.

          Aber dann forderte die Bank- und Finanzkrise ihre Opfer; die Wirtschaftslage wurde zum beherrschenden Thema, an dem sich Präsident, Kongress und Kandidaten abarbeiteten – und seither ist Barack Obama seinem republikanischen Konkurrenten in den Umfragen enteilt. Er ist nicht außer Sichtweite, hat sich aber doch sichtbar abgesetzt. Eine Vorentscheidung?

          Finanzkrise hat nicht „geholfen“

          Das Hauptquartier der McCain/Palin-Kampagne liegt ein paar Kilometer weiter südlich in Arlington, jenseits der Stadtgrenze Washingtons in Nordvirginia. Dutzende, vielleicht Hunderte meist junger Leute arbeiten in dem Bürohaus rund um die Uhr an jedem denkbaren Aspekt des Wahlkampfs. Forschung, Themen, Werbung, Presse, Tagesbotschaft. Für die vielen Leute in den Großraumbüros ist es erstaunlich ruhig, es geht nüchtern-professionell zu.

          Vielleicht ist es nur die Erschöpfung, die sich langsam breitmacht nach unzähligen Tagen und Nächten, die sie vor Computerschirmen verbracht haben; aber den Eindruck, dass sie vom Feuer einer Idee oder gar einer Vision erfasst seien, den machen sie nicht. Bei allem Selbstbewusstsein, das ein, wie er selber sagt, „erwachsener“ Wahlkampfmanager an den Tag legt, gibt auch er sich nicht als Ausbund von Zuversicht: „Die Finanzkrise und der – im ersten Anlauf gescheiterte – Rettungsversuch des Kongresses haben uns offensichtlich nicht geholfen.“ Ganz offensichtlich nicht.

          McCain gibt den innerparteilichen Rebellen

          Dabei ist der Kampf um die Nachfolge Bushs für die Republikaner von Beginn an mit mehreren Handicaps versehen gewesen: die Partei nach Korruptionsaffären moralisch diskreditiert, ein derart unpopulärer Präsident, dass die politische Ansteckungsgefahr groß ist, der Schatten des Krieges im Irak – der aber mittlerweile ziemlich kurz geworden ist –, generelles Missvergnügen, jetzt auch noch die Gefahr einer Kernschmelze an den Märkten.

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