https://www.faz.net/-gpf-vzu4

Wahlkampf in Amerika : Stoppt Hillary Clinton!

  • -Aktualisiert am

„Fernsehpredigerin”: Oprah Winfrey Bild: AP

Gewöhnlich bringt sie Amerika dazu, neue Frisuren auszuprobieren und sich von genierlichen Körperpfunden zu trennen. Nun zieht Moderatorin Oprah Winfrey für Barack Obama in den Wahlkampf: Wird der Fernsehstar zum Königsmacher?

          Barack Obama könnte eigentlich die Beine hochlegen und zu Hause bleiben. Alle Augen, alle Fernsehkameras sind auf Oprah Winfrey gerichtet. Die mächtigste Frau der amerikanischen Unterhaltungsindustrie wird am Wochenende versuchen, den Aufstieg Hillary Clintons zum mächtigsten Menschen Amerikas und der Welt zu stoppen. Dazu wird sie Obama als ihren Favoriten ins Spiel bringen. Aber das ist nun erst einmal Nebensache. In Iowa, New Hampshire und South Carolina, in den drei Bundesstaaten, die Oprah für ihr Debüt als Wahlkämpferin auserkoren hat, muss zunächst sie sich bewähren. Besteht sie den Test nicht, schwinden auch die Chancen für ihn. Es ist ein ganz einfaches, gnadenloses Rechenexempel.

          Ein politischer Test ist es aber für Oprah nicht. Sie selbst hat gesagt, sie wolle Obama im Weißen Haus sehen, weil sie ihn mag, seit sie vor zwei Jahren neben ihm im Flugzeug auf dem Weg ins Katastrophengebiet von New Orleans saß. Ob ein Kandidat gemocht wird oder nicht, ist im amerikanischen Wahlkampf eine der absolut entscheidenden Fragen. Aber am Wochenende geht es darum, ob die Wähler in Iowa, wo sie besonders viele Zuschauer hat, New Hampshire und South Carolina Oprah mögen, ja so sehr mögen, dass sie später beim Gang an die vielleicht sogar funktionierenden Wahlmaschinen auch Obama mögen, mehr jedenfalls als Hillary. Indem derart getestet wird, ob Oprah das Zeug zur Präsidentenmacherin oder zumindest zur Präsidentschaftskandidatenmacherin hat, steht freilich das gesamte Prinzip Oprah, wie es sich tagaus, tagein des Nachmittags im Fernsehen entfaltet, zur Debatte.

          Oprah ist so etwas wie eine Fernsehpredigerin

          Dieses Prinzip wird nun erstmals im politischen Bereich angewandt. In ihrem Fernsehstudio hat Oprah zwar schon früher diese Kandidatin oder jenen Kandidaten empfangen, aber auf Tour ist sie für noch keine und keinen gegangen. Jetzt will sie draußen, auf Tuchfühlung mit den Wählern, in einer sorgfältig inszenierten, dennoch potentiell rauhen Wirklichkeit die Magie, die sie im Fernsehen mit dem kleinen Finger aktiviert, epochemachend zum Wohle des Landes einsetzen. Ihre Überzeugungskraft, nunmehr im Dienste der Nation. Die Frau, die Amerika dazu bringt, nicht nur neue Frisuren auszuprobieren und sich von genierlichen Körperpfunden zu trennen, sondern gleich millionenfach „Anna Karenina“ oder gar Bernhard Schlinks „Vorleser“ aufzuschlagen, wird doch wohl, so die Strategie, auch ein paar Millionen Wähler von der Sonderklasse des empfohlenen Kandidaten überzeugen können.

          Die Moderatorin will Obama im Weißen Haus sehen

          Ein lächerlicher Plan, wenn Oprah sich auf Tipps für Backzutaten, Lockenwicklermodelle und Schlankheitskuren beschränkte. Aber sie hat viel mehr zu bieten. Jeden Nachmittag verrät sie die Erfolgsformel für ein Leben, wie sie es in Unabhängigkeit und glorioser Selbstverwirklichung vorlebt. In Oprahs weltlicher Religion hat jeder sein Schicksal in der Hand. Sie ist so etwas wie eine Fernsehpredigerin, die ihre Gemeinde dadurch zusammenhält, dass sie ihr freien Lauf gibt. Nach einiger Übung müssten die Schäfchen auch ohne die Hirtin ihren Weg in die Glückseligkeit finden. Oder soll das nun im Gehege der Politik nicht mehr gelten?

          Ein bedeutungsloses Wahlkampfmaskottchen?

          Weitere Themen

          Will Trump schärfere Waffengesetze?

          Nach El Paso und Dayton : Will Trump schärfere Waffengesetze?

          Donald Trump signalisiert, dass er schärfere Kontrollen beim Waffenkauf unterstützen würde – nicht zum ersten Mal. Die Demokraten sind skeptisch, ob es der Präsident ernst meint: Die meisten Republikaner sind dagegen, auch mit Blick auf den Wahlkampf.

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.