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Vorwahlen in Michigan : Klarer Sieg für Mitt Romney

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Eine weitere Niederlage hätte für ihn vermutlich das Aus bedeutet im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Doch bei der Vorwahl im amerikanischen Bundesstaat Michigan errang der frühere Gouverneur Mitt Romney einen überraschend deutlichen Sieg.

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          Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bleibt weiter offen. Bei der Vorwahl der Partei im amerikanischen Bundesstaat Michigan errang der frühere Gouverneur Mitt Romney (60) am Dienstag einen überraschend deutlichen Sieg und wahrte damit seine Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur. Romney habe rund 39 Prozent der Stimmen erhalten, hieß es nach Auszählung von fast 80 Prozent der Stimmzettel.

          Sein schärfster Rivale John McCain kam nur auf rund 30 Prozent der Stimmen; auf Rang drei landete Mike Huckabee mit 16 Prozent - sie erkannten den Sieg Romneys an. McCain hatte die Vorwahl in New Hampshire gewonnen, Huckabee die in Iowa.

          Romney trotzt den Umfragen

          „Dieser Abend markiert den Beginn eines Comebacks - eines Comebacks für Amerika“, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger am Dienstagabend. „Washington ist kaputt, und wir werden etwas dagegen tun.“ Er werde die Präsidentenwahl im November gewinnen und Amerika aus der Krise führen. Noch vor einer Woche sei dieser Erfolg „unmöglich“ erschienen.

          „Dieser Abend markiert den Beginn eines Comebacks - eines Comebacks für Amerika”

          Dennoch ist das Rennen um die Kandidaten-Kür im Lager der Republikaner nach Ansicht von Kommentatoren „weiterhin offen“. Bereits am Wochenende stehen wichtige Abstimmungen in Nevada und South Carolina bevor. Die Präsidentenwahl findet am 4. November statt.

          Tatsächlich ist inzwischen Romneys schärfster Rivale, Senator John McCain, nach seinem Sieg in New Hampshire in Umfragen zum Favoriten der Republikaner aufgestiegen. Für den 71 Jahre alten McCain bedeutete der zweite Platz in Michigan ein Rückschlag. Vor acht Jahren hatte der Senator von Arizona die Vorwahl in Michigan gewonnen, war dann aber im weiteren Verlauf des Nominierungsprozesses dem späteren Wahlsieger George W. Bush unterlegen.

          Finanzinvestor und Sanierer

          Für Romney hätte einen weitere Vorwahl-Niederlage vermutlich das Aus im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bedeutet. Der frühere Gouverneur von Massachusetts konnte in dem von einer Wirtschaftskrise gebeutelten Bundesstaat Michigan mit seinen Erfolgen als Finanzinvestor und Sanierer punkten. Außerdem setzte er in seinem Wahlkampf auch auf seinen Lokalvorteil: Er war in Michigan aufgewachsen, sein Vater regierte den Staat als Gouverneur.

          Huckabee gratulierte Romney zu dessen Sieg. „Er hat ein großartiges Rennen gewonnen, er hat hart gearbeitet“, sagte der frühere Gouverneur von Arkansas. Hinter Huckabee waren laut Zwischenergebnis Ron Paul mit sechs Prozent der Stimmen und Fred Thompson mit vier Prozent gelandet. Der einstige landesweite Favorit der Republikaner, New Yorks früherer Bürgermeister Rudolph Guiliani, kam mit rund drei Prozent der Stimmen nur auf den sechsten Platz.

          Romney hatte Personal und Finanzmittel aus anderen Bundesstaaten abgezogen, um seinen Wahlkampf in Michigan zu intensivieren. Thematisch standen Wirtschaftsthemen im Vordergrund. Der Bundesstaat leidet vor allem unter der Krise der amerikanischen Automobilindustrie, die sich in der Industriestadt Detroit konzentriert. Seit 2000 sind in Michigan 275.000 Industriearbeitsplätze verlorengegangen, die Arbeitslosenrate ist mit derzeit 7,4 Prozent höher als in allen anderen amerikanischen Bundesstaaten.

          „Reiner Schönheitswettbewerb“

          Die Demokraten hatten den Wahlkampf in Michigan boykottiert, weil der Bundesstaat seinen Wahltermin entgegen Absprachen mit den Parteien vorverlegt hatte. Michigan werde daher bei der abschließenden Kandidatenkür beim Wahlparteitag der Demokraten im Sommer mit keinem Kandidaten vertreten sein, heißt es. Allerdings hatte die Senatorin Hillary Clinton ihre Kandidatur nicht rechtzeitig zurückgezogen, und ihr Name stand auf den Wahlzetteln. Sie erhielt den Angaben zufolge rund 58 Prozent der Stimmen.

          „Es handelt sich um einen reinen Schönheitswettbewerb ohne praktische Bedeutung“, meinten Kommentatoren. Amerikanischen Medienberichten zufolge hatten sich ihre Rivalen, der schwarze Senator Barack Obama und der frühere Senator John Edwards, jedoch verärgert gezeigt, dass Clintons Name auf den Wahlzetteln stand.

          Als entscheidender Termin der Vorwahlen gilt der „Super Tuesday“ am 5. Februar, wenn in 22 Bundesstaaten gewählt wird. Offiziell werden die Kandidaten erst auf den Parteitagen beider Parteien Ende August/Anfang September gekürt.

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