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Vorwahlen in Iowa : Strohhalm im Präriewind

Romneys Tipp: „Bevor man Babys bekommt, heiratet man!” Bild: picture-alliance/ dpa

Der „straw poll“ in Iowa ist so etwas wie die Vorvorwahl der republikanischen Kandidaten für das Präsidentenamt. Mitt Romney hat sie gewonnen - mit einer Rede über Glaube, Moral, Militär und einigen Millionen Dollar. Matthias Rüb war dabei.

          Wer bei den „Ersten in der Nation“ unter den Ersten sein will, muss es sich etwas kosten lassen - unter einer Million Dollar ist kaum etwas zu machen. Den potentiellen Wählern muss Vollversorgung vom frühen Morgen bis zum späten Abend geboten werden: Transport, Verpflegung, Unterhaltung und - weil es heiß ist mitten im Sommer im Mittleren Westen Amerikas - Klimatisierung. Als Dreingabe dürfen T-Shirts, Mützen, Wimpel und Aufkleber nicht fehlen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Kein anderes Ereignis veranschaulicht so klar wie der sogenannte „straw poll“ von Ames in Iowa, was in Amerika „retail politics“ genannt wird, also etwa „Politik im Einzelverkauf“. Ames ist eine Stadt mit gut 52.000 Einwohnern. In dem Agrarstaat Iowa im Mittleren Westen gibt es nach offizieller Statistik gut 15 Millionen Mastschweine, so viele wie in keinem anderen amerikanischen Bundesstaat. Die Zahl der Einwohner von Iowa liegt bei nur knapp drei Millionen Menschen. Das beschauliche Ames ist der Sitz der Staatlichen Universität für Wissenschaft und Technologie, deren Studenten etwas mehr als die Hälfte der Einwohner stellen.

          Startschuss für den Reigen der Vorwahlen

          Die Universitätsstadt, deren Wasserturm weithin über die topfebene Landschaft sichtbar ist, erwacht Mitte August allmählich aus dem Sommerschlaf der Semesterferien und ist seit 1979 der Ort des „straw poll“, des allerersten Meinungsbildes in der Republikanischen Partei im Jahr vor einer Präsidentenwahl. Iowa ist zudem seit 1972 der Bundesstaat der ersten Vorwahlen beider Parteien.

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          Dabei wird im Januar des Wahljahres unter den örtlichen Mitgliedern und Wählern von Republikanern und Demokraten in einem als „caucus“ bezeichneten basisdemokratischen Verfahren in den Wahllokalen zuerst ausgiebig über die Kandidaten für die Präsidentenwahlen debattiert und anschließend über sie abgestimmt. Weil der abend- und manchmal auch nachtfüllende „caucus“ von Iowa - ein Hochamt der amerikanischen Demokratie - den Startschuss für den Reigen der Vorwahlen gibt, halten sich in Iowa Republikaner wie Demokraten viel darauf zugute, die „Ersten in der Nation“ zu sein.

          Viel Wind

          Der „straw poll“ ist also so etwas wie die Vorvorwahl der Republikanischen Partei, die von dieser in Eigenregie organisiert wird und den schönen Nebeneffekt hat, eine hübsche Summe in die örtliche Parteikasse zu spülen. Denn für die Teilnahme am „straw poll“ wird eine Gebühr erhoben - in diesem Jahr waren es 35 Dollar.

          Außerdem verkauft die Parteiführung von Iowa an die Wahlkampfstäbe der Kandidaten die Liste mit den Namen, Anschriften und Telefonnummern jener Wähler, die an den vorhergehenden „caucus“-Wahlen zur offiziellen Kandidatenkür teilgenommen haben. Diese Datensammlung ist der Grundstein für gezielte direkte Wahlwerbung mit Post, Telefon und Hausbesuchen. Die Liste soll heuer 100.000 Dollar gekostet haben.

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