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Vorwahlen in Florida : Alle wollen die Kubaner auf ihrer Seite wissen

Rudy Giuliani will mit der Vorwahl in Florida groß einsteigen Bild: dpa

Die Vorwahl in Florida an diesem Dienstag ist für die Republikaner die wichtigste. Farmer und Unternehmer, wohlhabende Zugezogene, Militärs und vor allem Latinos lassen sich umwerben. Ohne ihre Stimmen wäre George W. Bush im Jahr 2000 nicht Präsident geworden.

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          Ohne einen Besuch im Stadtteil Little Havana von Miami und zumal im „Café Versailles“ kommt kein Kandidat davon. Das „Versailles“ liegt im Westen Miamis an der Achten Straße, die hier alle Welt nur unter ihrem spanischen Namen „Calle Ocho“ kennt. Man hört auf der Straße, in Geschäften, Friseursalons und Restaurants mehr Spanisch als Englisch. Nicht umsonst brüstet man sich in Miami, nicht nur die südlichste Metropole der Vereinigten Staaten zu sein, sondern auch noch die nördlichste Großstadt Lateinamerikas.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Rudy Giuliani war in den vergangenen Wochen gleich mehrmals im „Versailles“, und seine Helfer haben auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Restaurants, wo sich die „Cuban Americans“ aller Generationen zum Mittag- und Abendessen treffen oder rasch im Stehen einen grotesk überzuckerten „café con leche“ trinken, zwei riesige Transparente mit dem Konterfei des früheren New Yorker Bürgermeisters aufgehängt. Auf dem Bus, mit dem Giuliani samt Beratern und Journalisten durch den „Sunshine State“ fährt, steht in riesigen Lettern „Florida Is Rudy Country“. Giuliani setzt alles auf die Karte Florida. Seit Monaten macht er im äußersten Südosten Amerikas Wahlkampf und hat die bisherigen Vorwahlen faktisch ausgelassen.

          Heimvorteil für Romney

          Auch Senator John McCain aus Arizona, in bester Siegesstimmung nach seinem Triumph in South Carolina vom Samstag vor einer Woche, hat sich im „Versailles“ sehen lassen, begleitet von drei einflussreichen Abgeordneten kubanischer Herkunft: den Brüdern Lincoln und Mario Diaz-Balart sowie Ileana Ros-Lehtinen. Dass McCain am Wochenende auch noch die Unterstützung des ebenfalls aus Kuba stammenden Senators Mel Martinez sowie des populären Gouverneurs Charlie Crist erhalten hat, wird weithin als wichtiges, aber wohl nicht wahlentscheidendes Signal gesehen.

          Er kann auf die Stimmen vieler Ex-New-Yorker hoffen
          Er kann auf die Stimmen vieler Ex-New-Yorker hoffen : Bild: AP

          Mitt Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, nutzte in Little Havana wiederum einen besonderen Heimvorteil: Er ließ sich von seinem 26 Jahre alten Sohn Craig, der als mormonischer Missionar in Lateinamerika seine Sprachkenntnisse verfeinert hat, auf Spanisch vorstellen. Craig Romney ist auch der Sprecher eines spanischsprachigen Werbespots, der seit Tagen auf zahlreichen Fernsehkanälen Südfloridas läuft und den Kandidaten nicht nur als erfolgreichen Geschäftsmann und effizienten Gouverneur präsentiert, sondern auch als wunderbaren „papá“ und als „gran esposo de 38 años“, also großartigen Gatten in 38 Ehejahren. Jeder versteht den Seitenhieb auf Giuliani, der sich mit seinen Kindern aus früheren Ehen überworfen hat und mittlerweile zum dritten Mal verheiratet ist.

          Republikaner im Mehrfrontenkampf

          Schließlich fand am vergangenen Freitag auch Mike Huckabee den Weg zum „Versailles“, mit kleinem Tross, bestehend aus nur zwei Autos, denn dem früheren Gouverneur von Arkansas ist inzwischen das Geld für den Wahlkampf ausgegangen. Dafür begleitete ihn der neue Star der Republikaner in Florida, der Präsident des Abgeordnetenhauses von Florida, Marco Rubio, und übernahm die Vorstellung des Kandidaten im Hinterzimmer des „Versailles“ - auch in spanischer Sprache. Für die schwere Verfehlung, sich noch vor Jahresfrist erlaubt zu haben, das umfassende amerikanische Embargo gegen Kuba zu kritisieren, hat Huckabee inzwischen Abbitte geleistet. Rubio gestand Huckabee zu, es sei außerhalb Floridas eben sehr schwer, die komplizierte Angelegenheit Kuba zu verstehen.

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