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Vorwahlen in Amerika : Die Ersten der Nation

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Im Dezember des vergangenen Jahres sprach fast ganz Amerika von Marshalltown, denn eine Razzia der Einwanderungsbehörde bei Swift & Company ergab, dass fast 100 Arbeiter keine oder gefälschte Papiere besaßen. Einige der Illegalen wurden umgehend deportiert, Mütter saßen am Abend plötzlich allein mit ihren Kindern und ohne den Brotverdiener am Tisch. Das sei damals ein Schock für alle in der Latino-Gemeinde gewesen, sagt Sara, die aus dem südwestmexikanischen Bundesstaat Jalisco am Pazifik stammt, seit vier Jahren in Marshalltown lebt und ihren Nachnamen lieber nicht nennen will. Der Vater ist seit langem Bauarbeiter hier, Frau und Kinder holte er nach.

Rudy Giuliani: Kein Wahlkampf in Iowa

Sara spricht tadellos Englisch, studiert am Gemeinde-College, jobbt in ihrer Freizeit im Supermarkt „La Mexicana“ und will einmal Spanischlehrerin werden. Inzwischen habe sich die Lage in Marshalltown wieder normalisiert, die Latinos kämen mit den Einheimischen und die Einheimischen mit den Neuankömmlingen aus dem Süden meistens gut aus. „Der schlimmste Feind für uns alle ist die Langeweile“, sagt sie über die jungen Leute von Marshalltown und lacht.

Kein Kandidat der Republikaner lässt an den letzten Tagen vor der Wahl das Thema illegale Immigration aus. Mike Huckabee nicht, der neben Romney als der aussichtsreichste Kandidat in Iowa gilt. Bei einem Auftritt in der evangelikalen „Cornerstone Family Church“ von Des Moines macht er sich zudem für einen Verfassungszusatz stark, der die Ehe ausschließlich als Lebensbündnis zwischen einem Mann und einer Frau definiert.

Und auch Fred Thompson nicht, der bei Hauspartys im Westen Iowas eindringlich den Grenzzaun zu Mexiko fordert und jeden Gedanken an eine Amnestie verwirft. Rudy Giuliani ist das Risiko eingegangen, in Iowa keinen Wahlkampf zu machen, stattdessen konzentriert er sich auf Florida, wo am 29. Januar Vorwahlen stattfinden. Kleinlaut ist John McCain, der das gescheiterte, jetzt allseits als „Amnestie“ gescholtene Gesetz unterstützt hatte, aber immerhin zu bedenken gibt, dass die Deportation von zwölf Millionen illegalen Mitbürgern schon aus Praktikabilitätsgründen nicht zu schaffen sei und zudem der amerikanischen Volkswirtschaft schweren Schaden zufügen würde.

Irak kommt nur am Rande vor

Bei den Demokraten nimmt das Thema illegale Einwanderung vorerst keinen so hohen Stellenwert ein. Das könnte sich nach den Vorwahlen freilich ändern, denn unter den potentiellen Wählern der Demokraten ist die Angst vor den Risiken des Freihandels, der Globalisierung und offener Grenzen für die amerikanische Mittelklasse weit verbreitet. Die neben Barack Obama und vor John Edwards als Favoritin für den „Caucus“ in Iowa geltende ehemalige „First Lady“ Hillary Clinton spricht im Veteranenheim der „American Legion“ in Traer nahe Marshalltown jedoch vor allem über die „Schande“, dass 47 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben, und sie wettert gegen die Steuererleichterung der Regierung Bush für die Superreichen, die sie rückgängig machen werde.

In ihrer halbstündigen Rede kommt der Irak übrigens nur am Rande vor, Frau Clinton fordert einen Abzug der Truppen „so schnell und so verantwortlich wie möglich“. Auch sonst redet zum Beginn eines wichtigen Wahljahres unter den Kandidaten kaum jemand über den Irak: Weil der Ausgang des Krieges weithin (wieder) als offen betrachtet wird, fürchten die Kandidaten Festlegungen, die sich im Verlauf des Jahres als Fehleinschätzung erweisen könnten. Denn dann könnte Iowa plötzlich doch wieder ganz nah sein, wenn es um den Endspurt ums Weiße Haus geht.

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