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Vorwahlen in Amerika : Die Ersten der Nation

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Bis November wird Marshalltown längst wieder das verschlafene Nest im Herzen Iowas sein, das es eben ist, doch dieser Tage haben die Sorgen und Meinungen der Leute hier Gewicht. Berdette Bryngelson lebt seit mehr als einem halben Jahrhundert hier, und er erzählt mit glänzenden Augen, wie damals, 1980 war das, der Kandidat Ronald Reagan nach Marshalltown gekommen ist - und zwar in sein Hotel „The Tallcorn Towers“, also etwa „Türme zum hochgewachsenen Mais“, das 1929 gebaut wurde.

Vor Jahr und Tag wurden die gut 120 Zimmer des Hotels „Tallcorn Towers“ zu Apartments umgewandelt, die von 300 Dollar Monatsmiete an zu haben sind. Die Wohnlage an der Main Street von Marshalltown, wo heute manches Geschäft leer steht und auch im traditionsreichen Kino „Orpheum“ schon lange kein Film mehr läuft, ist nicht besonders gut, und deshalb hat Bryngelson, der auch zur örtlichen Freimaurer-Loge gehört, als Vermieter und Hausverwalter manchen Ärger.

Illegale Einwanderung ein wichtiges Thema

Am Donnerstag wird der eingefleischte Republikaner, der einen Stetson-Hut trägt und Lederstiefel dazu, dem Kandidaten Mitt Romney seine Stimme geben. Vor allem hat ihm dessen entschiedene Haltung zur illegalen Einwanderung gefallen, als dieser kürzlich in Marshalltown war. Romney hat den letztlich ohnedies gescheiterten Gesetzentwurf von 2006 des damals noch republikanisch kontrollierten Senats zur schrittweisen Legalisierung der schätzungsweise zwölf Millionen illegalen Immigranten im Land als „Amnestie“ kritisiert. Er fordert eine bessere Sicherung der Grenze zu Mexiko, die verstärkte Abschiebung illegaler Einwanderer und die Überprüfung des Rechtsstatus jedes Stellenbewerbers, ehe dieser von einem Arbeitgeber angestellt werden darf.

Dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani hat Romney vorgeworfen, aus der Stadt einen Zufluchtsort für illegale Einwanderer gemacht zu haben, weil die städtische Polizei bei Personenüberprüfungen nichts gegen illegale Immigranten unternommen habe. Mit seiner Zustimmung zu Romneys harter Haltung steht Bryngelson nicht alleine unter den Anhängern der Republikaner. Eine Umfrage der „University of Iowa“ hat ergeben, dass für zwei Drittel der wahrscheinlichen republikanischen Teilnehmer an den Vorwahlen das Thema illegale Einwanderung das wichtigste überhaupt ist. Bei den Demokraten nannten dagegen nur 35 Prozent der Befragten dieses Thema als das bedeutendste.

Der Anteil der Latinos in Iowa wächst

Obwohl Marshalltown viele hundert Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt ist, gehört die stetig zunehmende Einwanderung aus Lateinamerika zur Alltagserfahrung. Den „Tallcorn Towers“ direkt gegenüber auf der Main Street befindet sich der „Mini Super y Carniceria La Mexicana“, nebenan gibt es ein Büro für Geldüberweisungen nach Lateinamerika und noch ein paar Häuser weiter ein mexikanisches Alkoholgeschäft.

Zwar leben in Iowa bis heute noch immer 95 Prozent Weiße, aber der Anteil der Latinos wächst stetig - auf jetzt 3,7 Prozent oder 115.000 Menschen, von denen etwa die Hälfte illegal ins Land gekommen sein dürfte. In Marshalltown hat sich die Zahl der Latinos seit den neunziger Jahren verzehnfacht und dürfte heute bei 7000 liegen - mehr als ein Viertel der Einwohner sind heute Latinos. In manchen Grundschulen machen die Kinder der Einwanderer 40 und mehr Prozent der Schüler aus.

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