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Vereinigte Staaten : Beschleunigter Wahlkampf

  • -Aktualisiert am

Wer kommt als Bushs Nachfolger ins Weiße Haus? Bild: dpa

Endspurt in Amerika: Die Präsidentenwahl ist zwar erst in einem Jahr, doch die Kandidaten müssen sich jetzt schon beeilen mit ihren Wahlkampfauftritten. Denn die Vorwahlen werden immer weiter nach vorne verlegt. Von Matthias Rüb.

          Über den neuen Präsidenten bestimmen die Amerikaner erst in mehr als einem Jahr, am 4. November 2008. Aber der Wahlkampf um die Kandidatenkür ist in beiden Parteien längst in die Endphase getreten. Weil der sogenannte „Frontladeprozess“, die Vorverlegung der Termine für die Vorwahlen in immer mehr Bundesstaaten immer groteskere Formen annimmt, bleibt den Kandidaten immer weniger Zeit zum Wahlkampf. Seit Monaten hetzen sie durchs Land, schütteln Farmerhände in Iowa und Arbeiterhände in New Hampshire, debattieren in South Carolina und sammeln Spenden in Florida.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die „Ersten in der Nation“

          Den Auftakt zu den Vorwahlen macht wie üblich der Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen, wo nur knapp drei Millionen Menschen leben - und 15 Millionen Mastschweine, so viele wie in keinem anderen Bundesstaat. Iowa ist seit 1972 der Ort der ersten Vorwahlen beider Parteien in den 50 Bundesstaaten.

          Giuliani liegt bei den Republikanern in Führung

          Dabei wird im Januar des Wahljahres unter den örtlichen Mitgliedern und Wählern der beiden Parteien in einem als „Caucus“ bezeichneten basisdemokratischen Verfahren in den Wahllokalen zuerst ausgiebig über die einzelnen Kandidaten für die Präsidentenwahl debattiert und anschließend über sie abgestimmt. Weil der abend-, manchmal nachtfüllende „Caucus“ von Iowa den Startschuss für den Reigen der Vorwahlen gibt, hält sich die politische Klasse in Iowa - Republikaner wie Demokraten - viel darauf zugute, die „Ersten in der Nation“ zu stellen. Die Kandidaten huldigen ihnen mit häufigen Besuchen, rekrutieren große Mitarbeiterstäbe, geben viele Millionen Dollar aus.

          Keine Wahlkampfveranstaltungen in Florida

          Soeben haben sich auch die Demokraten in Iowa entschlossen, wie die Republikaner ihren „Caucus“ schon am 3. Januar abzuhalten. In New Hamphire ist seit 1977 gesetzlich festgelegt, dass die dortigen Vorwahlen vor allen anderen in der Nation - außer dem „Caucus“ in Iowa - stattfinden müssen; im kommenden Wahljahr dürfte es der 22. Januar sein, aber Innenminister Gardner erwägt auch eine Vorverlegung auf den 8. Januar oder gar schon ins Jahr 2007.

          Die Parteien im Südstaat Florida haben ihre Vorwahlen auf den 29. Januar vorverlegt, was die nationale Führung der Demokratischen Partei, die ihre eigenen Terminwünsche durchsetzen wollte, so erzürnte, dass sie die Delegierten aus Florida von der Teilnahme am Nominierungsparteitag der Demokraten im August in Denver ausschloss und die acht Präsidentschaftskandidaten verpflichtete, keine Wahlkampfveranstaltungen in Florida zu bestreiten. Dagegen hat die Demokratische Partei in Florida Klage eingereicht, das Verfahren ist noch nicht entschieden.

          Immer mehr Staaten drängen „nach vorne“

          Bei den Republikanern gibt es solchen Zwist nicht, jedenfalls nicht in Florida. Ebenfalls schon am 29. Januar sollen auch in North Carolina Vorwahlen stattfinden, weil es zumal die schwarzen Wähler als skandalös empfanden, dass einem zu 96 Prozent weißen Bundesstaat wie New Hampshire ein so großes Gewicht bei der Kandidatenkür zufiel. Elf der 13 letzten Präsidenten gewannen die Vorwahlen in New Hampshire, ehe ihnen der Sprung ins Weiße Haus gelang.

          Denn oft genug war wochenlang in den Medien nur noch vom Sieger des „Caucus“ in Iowa und der ersten Vorwahlen in New Hampshire die Rede, was für einen Erdrutscheffekt sorgte und die Bedeutung der Wochen oder Monate später folgenden Vorwahlen in anderen Bundesstaaten schmälerte. Daher drängen immer mehr Staaten „nach vorne“. Am sogenannten Super Duper Dienstag, dem 5. Februar, werden bis zu 20 Staaten ihre Vorwahlen abhalten - und damit die Kandidatenkür faktisch besiegeln.

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