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Sarah Palin : Auf der Leitung

Bild: reuters

Die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin ist auf einen Telefonscherz hereingefallen. Einem kanadischen Komiker nahm sie dessen Nicolas Sarkozy-Imitation ab - und verabredete sich mit ihm zur Robbenjagd.

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          Irgendwann hätte Andrea Ypsilanti ein Licht aufgehen müssen, als sich Mitte September Franz Müntefering bei ihr meldete, um mit ihr die politische Lage in Hessen zu erörtern. Als Ypsilanti merkte, dass der falsche Müntefering in Wirklichkeit der Radiomoderator Jochen Krause war, kam die Einsicht zu spät und das Telefonat zirkulierte schon im Videoportal Youtube.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Irgendwann hätte auch Sarah Palin ein Licht aufgehen müssen, als sie am Samstag einen Anruf des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy erhielt. Doch Sarkozy hatte der republikanischen Vizekandidatin in breitestem französischen Akzent so viele Komplimente zu verteilen, dass Palin, sichtlich geschmeichelt, nicht anders konnte als zu einem langgedehnten „Hello, this is Sarah, how are you?“ anzusetzen und ihm im gleichen Atemzug ihrer große Hochachtung zu versichern: Ja, John McCain und sie, man liebe ihn. Dem Gespräch war eine Basis bereitet.

          Ein Kompliment gibt das andere

          Zu diesem Zeitpunkt ahnte Palin noch nicht, dass sie es in Wirklichkeit mit den kanadischen Komikern „Les masques justiciers“, zu deutsch „Die maskierten Rächer“, zu tun hatte, die sich an allen Wahlkampfhelfern vorbei die direkte Telefonverbindung zur Kandidatin erschlichen hatten. Auf alles weitere konnte Palin nur noch hilflos reagieren, denn Sarkozy war in Redelaune, behielt Tempo und Themenwahl in der Hand, und man ist es ja von ihm gewöhnt, dass er gelegentlich aus seiner staatsmännischen Rolle fällt und das ausspricht, was andere nur denken.

          Robbenjagd mit Sarkozy: Sarah Palin wurde Opfer eines Telefonscherzes
          Robbenjagd mit Sarkozy: Sarah Palin wurde Opfer eines Telefonscherzes : Bild: picture-alliance/ dpa

          Der falsche Sarkozy sah überall Gemeinsamkeiten, etwa die geteilte Leidenschaft fürs Jagen. Da lag es nicht fern, eine gemeinsame Seehundjagd zu verabreden. Palin stimmte zu, auch als ihr Gesprächspartner gestand, kein größeres Vergnügen als den Anblick toter Robbenbabies zu kennen. Und sie versicherte ihm auch, Vizepräsident Dick Cheney nicht einzuladen, der bei einer Jagd einmal versehentlich einen Jäger angeschossen hatte. Bei all dem lachte Palin noch, wo sie längst eine dunkle Ahnung hätte ergreifen müssen. Um so mehr, als Sarkozy den in die Jahre gekommenen Sänger Johnny Hallyday seinen Amerika-Berater nannte und ihr begeistert berichtete, von Frankreich aus Belgien sehen zu können, so wie sie von Alaska aus Russland.

          Alles, was man über Carla Bruni wissen muss

          Dem nicht genug: Seine Gattin Carla Bruni sei nicht nur im Bett ein heißer Feger, verriet Sarkozy, sie habe auch ein Lied für Palin über „Joe, den Klempner“ geschrieben. „Joe, der Klempner“, sei das nicht Palins Ehemann? Nein, klärte diese ihn sachlich auf, das sei der amerikanische Ottonormalverbraucher, doch da begann Sarkozy schon in schiefsten Tönen zu singen und schwärmte von einem Palin-Porträt mit dem vielsagenden Titel „Naylin‘ Paylin“. „Oh Gott, vielen Dank, ja“, rang sich die Politikerin da immer noch ab. Es handelt sich bei der vermeintlichen Dokumentation um einen Pornofilm. Als der Komiker die Täuschung schließlich auflöste, sagte Palin „Ooooh“ und reichte den Hörer weiter. Ihr Wahlkampfbüro schob später nach, dass Palin sich „amüsiert“ habe bei der Aktion, die schon mehrere Prominente hinters Licht geführt hat.

          Am 4. November will sich Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin wählen lassen und Sarah Palin stellt sich den amerikanischen Wählern. Wahlaussichtenfördernd dürften ihre Telefoneskapaden kaum sein.

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