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Richard Holbrooke : Obamas Frontdiplomat

  • -Aktualisiert am

Von Sarajevo nach Kabul: Richard Holbrooke Bild: dpa

Wäre Hillary Clinton Präsidentin geworden, würde er heute Außenminister sein: Richard Holbrooke, Obamas Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan. An der „zentralen Front“ gegen den islamistischen Terrorismus soll der Bosnien-Friedensstifter Amerika Erfolge bescheren.

          Zum Ruf an die Spitze des State Department hat es nie gereicht. 1997 kam ihm Madeleine Albright zuvor. Im vergangenen Jahr galt Richard Holbrooke vollends als sicherer Anwärter: Hätte Hillary Clinton, die sich früh den außen- und sicherheitspolitischen Rat Holbrookes für ihre Präsidentschaftskandidatur gesichert hatte, die Nominierung und die Wahlen gewonnen, würde er heute Außenminister sein.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nun soll der am 24. April 1941 als Sohn jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland und Russland in New York geborene Diplomat stattdessen als Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan die nach den Worten Präsident Obamas „zentrale Front“ im Krieg gegen den Terrorismus befrieden helfen.

          Erfahrungen in Vietnam und Berlin

          Die vertrackte Aufgabe kommt dem Naturell des umtriebigen und ehrgeizigen diplomatischen Wunderkinds entgegen. Dort, wo sich Weltgeschichte ereignete, wollte Holbrooke schon seit seinem Eintritt in den Auswärtigen Dienst immer dabei sein. Mit 22 Jahren wurde er nach Vietnam versetzt. Im Mekong-Delta und in Saigon erlebte er den schrittweisen Niedergang der amerikanischen Bemühungen, die südvietnamesische Bastion gegen den Ansturm der Vietcong aus dem Norden zu halten. Beim Beginn der Pariser Friedensgespräche 1968 war er mit dabei - eine Erfahrung, die ihm fast vier Jahrzehnte später als Friedensvermittler auf dem Balkan zugutekommen sollte.

          Wollen neuen Schwung im Nahen und Mittleren Osten: Obama, Clinton und Holbrooke

          Weitere Stationen Holbrookes im State Department waren jene des Abteilungsleiters für Asien (1977 bis 1981) und für Europa (1994 bis 1996). Zudem schickte ihn Präsident Clinton 1993 für zwei Jahre als Botschafter nach Deutschland, wo er die Gründung der „American Academy“ in Berlin anregte. Sein Meisterstück lieferte Holbrooke als Clintons Sonderbeauftragter für den Balkan mit dem Daytoner Friedensvertrag zur Beendigung des Krieges in Bosnien-Hercegovina von Ende 1995 an.

          Milosevic zum Einlenken bewegt

          Den serbischen Präsidenten und Hauptkriegstreiber Milosevic vermochte er nach wochenlangen Verhandlungen zum Einlenken zu bewegen - nachdem die Nato in den Monaten zuvor erstmals serbische Ziele in Bosnien bombardiert hatte. Im Frühjahr 1999 konnte Holbrooke zu Beginn des Kosovo-Krieges noch das Ultimatum des Westens an Milosevic übergeben, den abermaligen Waffengang der Nato gegen den Diktator in Belgrad aber nicht mehr verhindern. Von 1999 bis 2001 war er dann amerikanischer UN-Botschafter in New York.

          Während in Washington republikanische Regierungen an der Macht waren, verfolgte Holbrooke seine zweite, dritte und vierte Karriere: die eines erfolgreichen Investment-Bankers, eines Redakteurs und Buchautors sowie schließlich eines Philanthropen, der sich dem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids sowie gegen Malaria und Tuberkulose zumal in Afrika verschrieben hat. Holbrooke ist in dritter Ehe mit der ungarischstämmigen Journalistin und Autorin Kati Marton verheiratet, die wie Holbrooke aus einer früheren Verbindung zwei Kinder in die Ehe brachte. Mit der Berufung zum Sondergesandten für die Nachbarstaaten am Hindukusch kehrt Holbrooke nun ins Zentrum des Weltgeschehens zurück.

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