https://www.faz.net/-gpf-10403

Republikaner : Das Rebellen-Paar ist komplett

  • -Aktualisiert am

Politische Zwillinge: John McCain und Sarah Palin Bild: AFP

Mit der Wahl der populären, aber weitgehend unbekannten Gouverneurin Sarah Palin zu seiner Vize-Kandidatin hat John McCain wieder einmal bewiesen: Der Mann ist zu allem fähig. Allerdings drohte der Hurrikan „Gustav“, den Coup McCains gleich wieder in den Hintergrund zu drängen.

          4 Min.

          Zwei Namen haben am Wochenende in Amerika die Schlagzeilen beherrscht: Sarah Palin und „Gustav“, der heranziehende Wirbelsturm. Kurz vor dem Wahlparteitag der Republikaner, der am Montag beginnt, stand die überraschende Ernennung der jungen Gouverneurin Sarah Palin zur Vizekandidatin noch ganz im Mittelpunkt der politischen Diskussionen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zugleich aber drohte der Hurrikan „Gustav“ schon, den Coup McCains in den Hintergrund zu drängen und den Ablauf des Nominierungsparteitags kräftig durcheinander zu bringen. Wegen der möglichen Folgen des Sturms für die amerikanische Südküste wurde am Sonntag zumindest eine Änderung des Programms erwartet, womöglich sogar eine gänzliche Absage. Schon hatten viele Delegierte ihre Teilnahme bezweifelt, als aus dem Weißen Haus gemeldet wurde, dass der amerikanische Präsident George W. Bush sowie Vizepräsident Dick Cheney wegen des Hurrikans nicht an dem Parteitag teilnehmen werden.

          Ein Geheimtipp als Waffe

          Am Freitag hatte John McCain seinen zweiundsiebzigsten Geburtstag gefeiert. Oder war es erst der siebenundsechzigste? Jedenfalls nutzte er den Tag, den er statt bei Kaffee und Kuchen daheim in Arizona mitten im Wahlkampf in Ohio verbrachte, zu einem veritablen politischen Coup: Sarah Palin, die attraktive und rasend populäre Gouverneurin von Alaska, war zwar als Geheimtipp für den Job des Vizepräsidentschaftskandidaten gehandelt worden. Aber dass McCain die Chuzpe haben würde, die erst 2006 zur Gouverneurin gewählte langjährige Bürgermeisterin eines Städtchens namens Wasilla nahe Anchorage tatsächlich zu seinem „running mate“ zu küren und damit ins nationale und internationale Rampenlicht zu stellen, bestätigt seinen Ruf als unabhängiger, ja rebellischer Geist.

          Die Bevölkerung wird aus der Stadt gebracht

          Dass sie noch weniger Erfahrung in der Politik hat als der deshalb als Risiko gescholtene Barack Obama und dass sie im Erfolgsfall „nur einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt“ wäre, wie die Amerikaner sagen, nimmt McCain in Kauf. Der 72 (oder 67?) Jahre alte Senator mit den schlohweißen Haaren und die 44 Jahre junge Gouverneurin, die ihre öffentliche Karriere als Schönheitskönigin und Fernsehreporterin begann, sind aber nur äußerlich ein ungleiches Paar. Politisch sind sie Zwillingsgeschwister.

          Politische Zwillinge

          Natürlich ist die Sache mit dem ungewissen Lebensalter McCains nur ein Scherz - und auch wieder nicht. John McCain selbst pflegt zu halb ernsten Spekulationen anzuregen: Auf die Frage, ob er nicht zu alt sei fürs Präsidentenamt, entgegnet er, man möge doch die fünf Jahre Kriegsgefangenschaft in Hanoi vom Lebensalter abziehen. Denn gelebt habe er in dieser Zeit nicht, er sei bloß am Leben geblieben.

          Das ist klassischer McCain, und dafür lieben ihn die Leute. Dabei lebt der hochdekorierte Marineflieger McCain nach der Maxime, das Verbreiten von Heldensagen besser an andere zu delegieren. Er erwähnt allenfalls im Vorübergehen die Zeit der Kriegsgefangenschaft. Der Absolvent der Marineakademie von Annapolis, dessen Vater und Großvater in der „Navy“ jeweils bis zum Admiralsrang aufgestiegen waren, hatte sich freiwillig für den Einsatz in Vietnam gemeldet. 1967 wurde er über Hanoi abgeschossen, brach beide Arme und Beine, wurde von wütenden Nordvietnamesen weiter malträtiert. Mehr als fünfeinhalb Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft. Nach der Ernennung seines Vaters zum Kommandeur des Pazifik-Kommandos 1968 boten die Nordvietnamesen dem Sohn die vorzeitige Freilassung an. Doch McCain lehnte ab, weil dies gegen die Regel verstoßen hätte, wonach die Freilassung von Gefangenen in der Reihenfolge ihrer Gefangennahme zu geschehen hat.

          Bann der Folter?

          Weitere Themen

          Trump und die Kriegsverbrecher

          Begnadigungen : Trump und die Kriegsverbrecher

          Donald Trump hat mehrere Soldaten unterstützt, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden. Damit inszeniert er sich als Beschützer der „Krieger“ und hofft, dass ihm das im Wahlkampf hilft.

          Topmeldungen

          Klopps „Endspiel“ in Salzburg : „Oh, mein Gott!“

          Dem deutschen Trainer Jürgen Klopp droht mit seinem FC Liverpool in Salzburg das Vorrunden-Aus in der Champions League. Und die Österreicher wittern in ihrem „Finale dahoam“ die Chance ihres Lebens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.