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Republikaner : Das Rebellen-Paar ist komplett

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Während mindestens eines Jahres wurde McCain in Hanoi unter Folter verhört. Seine Peiniger versuchten, aus ihm die Namen weiterer Angehöriger seiner Fliegerstaffel herauszupressen. McCain nannte bereitwillig Namen - und zwar jene der legendären Angriffsreihe des Football-Teams „Green Bay Packers“. Die ahnungslosen nordvietnamesischen Vernehmer schrieben fleißig mit. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass auch die Terroristen, die wir derzeit unter weniger als menschlichen Bedingungen vernehmen, ebenfalls Zuflucht zu Täuschungen nehmen“, schrieb McCain viele Jahre später zur Begründung eines Gesetzes zum Bann der Folter und jeder Art von grausamer Behandlung von Gefangenen in amerikanischem Gewahrsam.

Es ist dies beileibe nicht das einzige Politikfeld, auf welchem sich McCain mit Präsident George W. Bush und dem Establishment der Republikanischen Partei angelegt hat. Gemeinsam mit einem demokratischen Kollegen setzte er gegen erbitterten Widerstand die Reform des Wahlkampffinanzierungsgesetzes durch, um den Einfluss von Lobbyisten und reichen Parteiförderern zu beschränken - auch wenn es natürlich Schlupflöcher bot, durch welche längst wieder die alten Spieler ihre Millionen in beide Parteien pumpen.

Polemik gegen Washington

Vor allem hat sich McCain, der seinen Wahlheimatstaat Arizona seit 1987 im Senat vertritt, dem Kampf gegen das „pork barrel spending“ verschrieben: Gesetzespakete, die vollgestopft sind mit Klein- und Großprojekten, von denen sich die Abgeordneten zu Hause politische Vorteile erhoffen. Besondere Berühmtheit hat die „Brücke nach Nirgendwo“ erlangt, ein Projekt zum Bau einer 400 Millionen Dollar teuren Brücke über der Tongass-Meerenge zwischen Ketchikan im Südosten Alaskas und dem auf der vorgelagerten Insel Gravina gelegenen Flughafen. Weithin wird die Frage gestellt, warum eine Provinzstadt von 8000 Einwohnern eine Brücke brauche, die fast so lang wie die Golden Gate Bridge sein würde. McCain zitiert die „Brücke nach Nirgendwo“ gern, wenn er wieder mal gegen Washingtons Geldverschwender polemisiert.

Und hier kommt Gouverneurin Palin ins Spiel, die wie McCain fiskalpolitisch konservativ ist - und im Jahre 2007 das Brückenprojekt stoppte. Zudem verkörpert sie eine neue Generation junger republikanischer Politiker, die zwar sozialethisch konservativ, aber zugleich pragmatisch und nicht ideologisch verbohrt sind. Wie McCain ist Palin ein rebellisches Element in der Partei; bei ihrem Wahlsieg von 2006 schaltete sie in den Vorwahlen zuerst den wegen Korruption belasteten republikanischen Gouverneur Frank Murkowski aus und setzte sich anschließend gegen den früheren demokratischen Gouverneur Tony Knowles durch.

Naturschützerin auf dem Snowmobile

Als begeisterte Anglerin und Jägerin - sie ist Mitglied des Waffenverbandes „National Rifle Association“ - genießt Sarah Palin mit ihrem Mann Todd, den sie auf der High School kennenlernte, und ihren fünf Kindern die große Natur Alaskas und kämpft energisch für deren Schutz. Aber sie fährt auch Snowmobile - ihr Mann ist amtierender Champion des alljährlichen Rennens „Iron Dog“ und wird als Gouverneursgatte „First Dude“ (Erster Kerl) genannt - und befürwortet die ökologisch verantwortliche Nutzung der reichen Bodenschätze des kalten Bundesstaates im äußersten Nordwesten.

Sie ist gegen Homosexuellenehe und Abtreibung; ihr jüngstes Kind brachte sie im April trotz pränataler Diagnose des Downsyndroms zur Welt. In einer ihrer ersten Amtshandlungen hat sie aber auch homosexuellen Paaren in Alaska mehr zivile Rechte gewährt. Auf dem Parteitag der Republikaner in den „Twin Cities“ St. Paul und Minneapolis wird sich von Montag an also ein apartes Rebellen-Paar vorstellen, das in das Duell gegen Barack Obama und Joe Biden zieht. Wie das Wahlkampfteam McCain am Wochenende mitteilte, konnte der Senator aus Arizona seit der Nominierung Palins am Freitag sieben Millionen Dollar an Spenden einnehmen.

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