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Parteitag der Demokraten : „Der Traum lebt weiter“

„Ich liebe dieses Land”: Michelle Obama Bild: AFP

Schlechte Umfragewerte hin, Verstimmungen zwischen Obama und den Clintons her: Zum Auftakt ihres Parteitags in Denver schwelgen die Demokraten in Emotionen. Der schwerkranke Senator Edward Kennedy und Barack Obamas Ehefrau Michelle berührten die Delegierten.

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          Es war der Tag des Löwen und der Abend der Mädchen. Weil der Löwe angeschlagen ist, womöglich mit dem Tode ringt, biss er nicht. Und Mädchen sollen sowieso nicht beißen, sogar Kratzen gilt bekanntlich schon als Unart. So blieb es bei einem kurzen, aber mächtigen Brüllen des Löwen und dem zuckersüßen Lachen und Winken der beiden Mädchen. Dass dabei im eigenen Lager niemand verletzt wurde, kann schon als Erfolg gelten. Dass aber auch der Gegner weitgehend verschont blieb, dürfte diesem gewiss nicht missfallen haben.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der erste Tag des Nominierungsparteitages der Demokraten in Denver stand unter dem Motto „Eine Nation“, und er war sichtlich vom Bemühen um innere Harmonie geprägt. Es war der Tag, an dem sich die Partei vor allem mit sich selbst beschäftigte, was auch wörtlich zu verstehen ist: Denn zwischen den zwei Höhepunkten, dem ersten am Nachmittag und jenem am Abend, lagen dürre Stunden, in denen Satzungsdinge und Vereinsangelegenheiten geregelt wurden. Es schlich sich in jenen Stunden eine gewisse Mattheit bei den Delegierten und Zuschauern im „Pepsi Center“ ein, wo gewöhnlich die Basketballer der „Denver Nuggets“ Bällen nachjagen und Körbe werfen.

          Unterstützung durch Kennedy

          Man nennt Senator Edward „Ted“ Kennedy nicht umsonst den Löwen der Demokratischen Partei. Am 22. Februar 1962, pünktlich zu seinem dreißigsten Geburtstag und mithin beim Erreichen des Mindestalters für einen Senatorenposten, übernahm er im Kongress in Washington den Platz eines Senators aus Massachusetts, den sein älterer Bruder John F. Kennedy nach dessen Wahl zum Präsidenten im November 1960 geräumt hatte - und der von einem Interims-Senator so lange für das jüngste der neun Kinder von Joseph P. Kennedy und Rose Fitzgerald freigehalten worden war.

          Eine von mehr als 4000 Delegierten in Denver

          Ted Kennedy ist nach Senator Robert Byrd aus West Virginia das dienstälteste Mitglied des Senats, und er ist einer der einflussreichsten Senatoren mit einer langen Liste an bedeutenden Gesetzen und wichtigen Ausschussmitgliedschaften. Er hat im Senat für die Kennedys die Fackel grundliberaler Weltanschauungen emporgehalten, die er von seinen ermordeten Brüdern John und Robert übernommen hatte. Als Ted Kennedy im Januar 2008 zu Beginn der monatelangen Vorwahlen Barack Obama als Präsidentschaftskandidaten unterstützte und nicht Hillary Clinton, war das für die Senatorin aus New York ein schwerer Schlag.

          Im Mai wurde Senator Kennedy mit einem zunächst als inoperabel eingeschätzten bösartigen Gehirntumor diagnostiziert, der Anfang Juni dann doch operativ entfernt wurde. Seither wusste man von Ted Kennedy nur so viel, dass er weiter behandelt würde und in seinem Haus in Hyannis in Massachusetts wieder zu Kräften zu kommen versuchte. Ob er würde genesen können, welche Lebenserwartung er noch haben würde, wusste niemand zu sagen. Ebensowenig, ob er zum Parteitag in Denver würde fliegen können oder sich mit einer Videobotschaft an die Delegierten würde begnügen müssen.

          In Stein gemeißelte Sätze

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