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Obamas Codename : Renaissance ist aus dem Haus

Da stehen sie, Renegade, Renaissance, Rosebud und Radiance, wie sie geheimdienstlich genannt werden. Doch wo ist Ruff? Bild: picture-alliance/ dpa

Die Codenamen, die der Geheimdienst Obama und seiner Familie gegeben hat, sind schnell durchgesickert und beflügeln die Fantasie. Warum ist Obama ein Überläufer, und was hat seine Tochter mit einem Schlitten zu tun? Und weshalb lief Al Gore einst als „Sägebock“ durchs Weiße Haus?

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          Die Codenamen der neuen Präsidentenfamilie sind durchgesickert: Barack Obama wird vom amerikanischen Geheimdienst als „Renegade“ geführt, seine Frau Michelle als „Renaissance“, die Töchter Malia und Sasha sind „Radiance“ und „Rosebud“. Im Juni 2007 waren die Namen erstmals bekannt geworden, jetzt, nach der Wahl, tauchen sie wieder auf.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und sind gleich in aller Munde: Während in amerikanischen Blogs natürlich sofort spekuliert wird, was hinter solchen Etiketten steckt - Weshalb ist Obama ein Überläufer? Was hat die jüngste Tochter mit Citizen Kane zu tun? Wie heißt dann der neue Hund, was wäre zum Beispiel mit „Ruff“? - und andere sich wundern, was der Sinn von Codenamen ist, wenn längst kursiert, wofür sie stehen, fragen wir uns hier: Warum tauft man vier Menschen, die sehr vernünftige und leicht aussprechbare und bis auf eine Ausnahme weitgehend r-freie Vornamen haben, in solche Zungenbrrrecher um? Und wie wird das erst, wenn es schnell gehen muss? „Renaissance has just left the building“ - das dauert nicht nur länger, das ist allein schon architekturhistorisch vierhundert Jahre her.

          Als Sägebock durchs Weiße Haus

          Schon beim amtierenden Präsidenten konnte man sich nicht ganz sicher sein, ob der Secret Service noch alle Tassen im Schrank hatte. Beziehungsweise Becher, denn genauso hatte der Geheimdienst den trockenen George W. Bush genannt: „Tumbler“, und seine auch nicht unbedingt spritzigere Gattin Laura „Tempo“. Deren Vorgängerin, die First Lady Hillary Clinton, war wiederum „Evergreen“, was, je länger sie an ihrer Kandidatur gegen Obama festhielt, dann doch umso verständlicher wurde. Clinton war Präsident „Eagle“, der Sonntagsschullehrer Carter ein „Deacon“, also Diakon, und Reagan „Rawhide“, ein rohes Leder.

          Das soll alles wirklich nur Zufall sein? So ist es, sagen manche Geheimdienstexperten: Die Namen haben nichts mit den Charakteren zu tun, die sie auf einen prägnanten Begriff bringen sollen, und auch längst nichts mehr mit Geheimhaltung: Sie sind einfach übriggeblieben aus Zeiten unsicherer Telekommunikation, sind nichts weiter als eine alte Gewohnheit - und beflügeln jetzt nur noch die Phantasie. Hollywood trifft Americana trifft Realität: In „West Wing“, der großartigen amerikanischen Fernsehserie über den besten demokratischen Präsidenten, den die Amerikaner niemals haben werden, regt sich die Regierungssprecherin darüber auf, dass sie der Secret Service „Flamingo“ nennt. Was soll da aber nur Al Gore sagen, der eine zeitlang als „Sägebock“ durchs Weiße Haus lief?

          Den künftigen amerikanischen Präsidenten hat Maureen Dowd von der „New York Times“ schon vor einiger Zeit „Obambi“ genannt. Doch eigentlich sind Namenswitze für Journalisten verboten. Deshalb schließen wir hier einfach mit dem unsterblichen Herbert Wehner, der vor fünfundzwanzig Jahren dem damaligen Landwirtschaftsminister zurief: „Wer Ignaz Kiechle heißt, braucht keinen Beinamen mehr.“ Und mit Geheimdiensten kannte Wehner sich aus.

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