https://www.faz.net/-gpf-10ggc

Obama gegen McCain : Heftige Attacken, vage Antworten

  • -Aktualisiert am

Beim Thema Außenpolitik kam McCain in Fahrt Bild: AFP

Seinen bisher größten Fehler hatte John McCain schon vor dem ersten Fernsehduell hinter sich. Sich selbst als Retter des Rettungsplans für die Wirtschaft in Szene zu setzen, misslang gründlich. In der Debatte versuchte McCain dann bei seinem Lieblingsthema Sicherheitspolitik um so vehementer, Obama zu bedrängen.

          3 Min.

          Die Haare von John McCain lagen glatt und akkurat, als der republikanische Präsidentschaftskandidat am Freitagabend zum ersten Fernsehduell gegen seinen demokratischen Rivalen Barack Obama antrat - trotz des Sturms, den McCain in den vergangenen Tagen verursacht hatte, als er im Gewand des Finanzkrisenmanagers nach Washington brauste.

          Beinah wäre die Fernsehdebatte an „Ole Miss“, wie die University of Mississippi genannt wird, Opfer dieses Sturms geworden. Denn McCain wollte sich zunächst ganz auf die Finanzkrise konzentrieren. Am späten Freitagmorgen jedoch, als die Scherben der gescheiterten Gespräche über das Rettungspaket noch aufgekehrt werden mussten, entschied der Senator, es seien genügend Forschritte zur Bewältigung der Finanzkrise erzielt worden, damit er an der Debatte teilnehmen könne.

          Durch den Tumult an den Finanzmärkten und im Wahlkampf hatte das erste direkte Kräftemessen der beiden Präsidentschaftsbewerber noch mehr an Bedeutung gewonnen. Ursprünglich sollte nur über Außen- und Sicherheitspolitik debattiert werden, doch aus aktuellem Anlass befragte Moderator Jim Lehrer die Kandidaten zunächst zum Thema Wirtschaft, das den Amerikanern am meisten unter den Nägeln brennt. Einen klaren Gewinner des Duells sahen viele Analysten in den frühen Auswertungen nicht. (Siehe auch: Kommentar: Vorteil Obama - Es ist wieder die Wirtschaft!)

          Beim Thema Außenpolitik kam McCain in Fahrt Bilderstrecke
          Obama gegen McCain : Heftige Attacken, vage Antworten

          Keine sprachlichen Glanzlichter

          McCain ging bei seinem Leib- und Magenthema Außen- und Sicherheitspolitik erwartungsgemäß schnell in die Offensive. Aber Obama parierte McCains Angriffe tapfer. Keinem der Kandidaten passierten gravierende Ausrutscher, wenngleich es beide mit den Fakten nicht immer ganz genau nahmen. Aber die Milliarden von Dollar hier und da, die sich Obama und McCain im Streit darüber um die Ohren schlugen, wer im Weißen Haus der bessere Haushälter sein werde, rauschten ohnehin schnell an den Zuschauern vorbei.

          Allerdings wurden in der ersten Debatte auch von keinem der beiden Kandidaten denkwürdige sprachliche Glanzlichter gesetzt. Dass John McCain nur die Buchstaben KGB sah, als er Wladimir Putin in die Augen schaute, hatte der Republikaner in dem Duell mit Obama nicht zum ersten Mal erzählt. Auch programmatisch verteidigten beide Kandidaten im Wesentlichen die Positionen, mit denen sie sich seit Monaten bei den Amerikanern als Nachfolger von George W. Bush empfehlen.

          Vage Antworten zum Finanzdebakel

          Vor McCains fragwürdigem Versuch, sich als Retter des Rettungsplans für die amerikanische Wirtschaft in Szene zu setzen, hatte er als klarer Favorit der Debatte gegolten. Denn beim Thema Außen- und Sicherheitspolitik hat der 72 Jahre alte Vietnamveteran und langjährige Senator seinem 47 Jahre alten Rivalen Obama, der erst vier Jahre im Senat sitzt und damit noch zu den Frischlingen zählt, einiges Voraus. Das sahen vor der Debatte auch die amerikanischen Wähler so. Auch wenn Obama in den vergangenen Wochen nach Umfragen an Statur als Außenpolitiker gewonnen hat, führte McCain bei der Frage, wer besser über internationale Angelegenheiten bescheid wisse und wer der bessere Oberbefehlshaber sei, jeweils mit mehr als 20 Prozentpunkten.

          Allerdings hat McCain in den vergangenen Tagen, als er jäh seine „Wahlkampagne suspendierte“, auf Verschiebung des Fernsehduells drängte und sich in Washington als Krisenmanager zur Bewältigung des Finanzdebakels beweisen wollte, keine glückliche Figur gemacht. Auch im Fernsehduell zeigte McCain beim wirtschaftspolitischen Part nicht die gleiche Souveränität, wie später beim Thema Außen- und Sicherheitspolitik. Doch gab auch Obama auf Lehrers Fragen zu dem Finanzdebakel eher vage Antworten. Während beide Kandidaten versicherten, dass gravierende Schritte zur Bewältigung der Krise unternommen werden müssten, hielten sie sich mit konkreten Bewertungen des Rettungsplans zurück. Auch vermochte Lehrer den beiden Duellanten keine präzisen Angaben dazu entlocken, wie sie bei einem möglichen Einzug ins Weiße Haus die Finanzkrise zu meistern gedenken.

          McCain in der Offensive

          An Fahrt gewann die Debatte als es um die Krisenherde im Ausland ging. Egal ob Irak, Iran, Nordkorea oder Russland - McCain ließ keine Gelegenheit aus, um die Zuschauer daran zu erinnern, dass ihm diese Schauplätze und die dort maßgeblichen Akteure bestens bekannt sind. Zugleich schlug er beständig die Trommel, dass Obama auf dem internationalen Parkett zu unerfahren sei, als dass man ihm die Präsidentschaft anvertrauen könne. Obama mühte sich redlich, die Angriffe abzuwehren. „Das ist nicht wahr“, fiel er McCain mehrfach ins Wort, um dann in kurzen, prägnanten Sätzen seine Sicht darzustellen. Kritikern, die ihn als vergeistigt, professoral und abgehoben darstellen, bot Obama in dem Duell so gut wie keine Angriffsfläche.

          Was Volksverbundenheit und Menschlichkeit angeht, war McCain an einem entscheidenden Punkt der Debatte der Schnellere: So hörte das Fernsehpublikum zuerst von dem Vietnamveteranen, dass er das Armband eines im Irak gefallenen Soldaten am Handgelenk trage. Hastig konterte Obama, dass er auf die gleiche Weise einen gefallenen Soldaten ehre.

          Weitere Themen

          Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen Video-Seite öffnen

          Scholz : Nichtgeimpfte sollen Tests künftig selbst zahlen

          SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz spricht sich in der Gesprächsreihe „Brigitte Live“ für Tests für Reiserückkehrer aus. Dabei betont er auch, dass freiwillig Nichtgeimpfte ihre Tests „dann irgendwann selber zahlen müssen.“

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.