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Immobilienkrise : Zwangsvollstreckung in jedem 171. Fall

  • -Aktualisiert am

Besonders hoch ist der Anteil der Kreditschuldner mit Subprime-Darlehen unter schwarzen und hispanischen Amerikanern. Anfangs wurden die riskanten Kredite vor allem von Bürgern in Anspruch genommen, die bereits Hausbesitzer waren und nun die Chance sahen, in ein größeres Heim umzuziehen. „Die Gefahren, die den finanzschwachen Kreditnehmern dadurch entstanden, wurden von vielen Hypothekenmaklern verharmlost“, sagt Cathleen Groenstein, die Sprecherin von Esop. Sie und Mitarbeiter anderer Hilfsorganisationen können manch haarsträubende Geschichte von gierigen Kreditvermittlern und unbedarften Kunden erzählen. Um die eigene Provision hochzuschrauben, überredeten die Vermittler zum Beispiel Hausbesitzer, einen Kredit zu beantragen, der den Wert ihres Hauses um ein Vielfaches überschritt. Dafür bekamen die Kunden dann einen Teil von der Provision. Sorgen über die Rückzahlung des Kredits brauchten sie sich nicht zu machen, versicherten die Makler; die Häuserpreise würden ja weiter steigen, und in ein paar Jahren könne man umschulden.

Die Kreditinstitute hätten gewusst, was gespielt wurde, bestätigt Mark Zagroeki. Nunmehr selbst ein Betroffener, schüttelt der ehemalige Banker den Kopf über die „tollkühnen und unverantwortlichen“ Geschäfte. „Wir haben Kredite an Kunden vergeben, die weder Einkommen noch Vermögen, noch einen Job nachweisen mussten. Solange die Häuserpreise weiter stiegen und wir die Kredite unsicherer Schuldner bündeln und mit Profit an Investoren weiterverkaufen konnten, gingen wir ja kein Risiko ein.“

Etliche werden auf der Straße landen

Wie groß die Zahl der Hypothekenschuldner ist, die aufgrund strafbarer Täuschungsmanöver ruinöse Kredite aufnahmen, weiß derzeit niemand. Nach den Erfahrungen der Esop-Sprecherin Cathleen Groenstein sehen sich aber viele in Bedrängnis geratene Hausbesitzer nun als Betrugsopfer, die den Vorwurf kaum untermauern könnten. Viele Hausbesitzer, die nun nicht länger ihre Hypothekenraten zahlen können, haben auch anderweitig erhebliche Schulden angehäuft, um auf der Konsumwelle der vergangenen Jahre mitreiten zu können. Insgesamt stehen die amerikanischen Haushalte mit 2,58 Billionen Dollar in der Kreide. Der durchschnittliche Amerikaner trägt ohne Häuserkredite eine Schuldenlast von 16.635 Dollar.

Hilfsorganisationen befürchten, dass viele Opfer der Häuserkrise demnächst buchstäblich auf der Straße stehen. „Zu uns kommen seit der Misere mehr Menschen, die um Essen, finanzielle Unterstützung und Unterkunft bitten“, sagt Cathleen Overr von dem katholischen Hilfswerk „Catholic Charities USA“. Nach einer Umfrage der Obdachlosenorganisation „National Coalition for the Homeless“ (NCH) verzeichnen zahlreiche Regionen aufgrund der Häuserkrise einen Anstieg der Obdachlosenzahlen. „Vor allem Familien mit Kindern sind betroffen“, sagt Michael Stoops von NCH. Noch schafften es die meisten Opfer der Häuserkrise, umzuziehen oder bei Angehörigen Unterschlupf zu finden. „Aber in einigen Monaten werden etliche auf der Straße landen“, befürchtet Stoops.

Mark Zagroeki weiß nicht, wo er seine Familie unterbringen wird, falls sein Haus tatsächlich im November versteigert wird. „Keine Ahnung, wie es dann weitergeht.“

Ein Wahlkampfthema

Beide Präsidentschaftskandidaten fordern mehr Hilfe Washingtons für Hausbesitzer, die in Bedrängnis geraten sind.

John McCain plädiert dafür, die Regierung solle Hypothekendarlehen kaufen, die von den Hausbesitzern nicht mehr bedient werden können. Dann solle eine Refinanzierung mit einem festen Zins, einer dreißigjährigen Laufzeit und einem niedrigeren Kreditbetrag mit den Hausbesitzern vereinbart werden. Die 300 Milliarden Dollar, die das kosten würde, sollten aus dem 700 Milliarden Dollar teuren Rettungspaket zur Bewältigung der Finanzkrise genommen werden.

Barack Obama will zunächst die meisten Zwangsversteigerungen für 90 Tage aussetzen. In dieser Zeit sollen sich Hypothekengläubiger und Hausbesitzer auf neue Lösungen für faule Kredite verständigen. Konkursrichter sollen befugt werden, die Zahlungsbedingungen für Hypothekenschuldner zu modifizieren, denen der Verlust ihres Heims droht.

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