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Im Porträt: David Plouffe : Obamas Wegbereiter

  • -Aktualisiert am

Plouffe hielt die „Geldmaschine” am Laufen Bild: AP

Er ist der einzige Mitarbeiter, den Obama in seiner Siegesrede namentlich nannte: Der 40 Jahre alte David Plouffe hielt die „Geldmaschine“ im Internet am Laufen, die zig Millionen Dollar in die Wahlkampfkasse spülte. Trotzdem ist sonst fast nie die Rede von ihm.

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          Es war ein Augenblick wie nach Präsident Bushs triumphaler Wiederwahl vom November 2004. Damals dankte Bush unter seinen Mitarbeitern und Helfern besonders Karl Rove, seinem wichtigsten innenpolitischen Berater und Wahlstrategen. Ähnlich Barack Obama im Augenblick seines vorerst größten Triumphes in der Nacht zum Mittwoch. Er nannte zum Auftakt seiner Siegesrede von seinen wichtigsten Helfern und Mitarbeitern einzig David Plouffe namentlich. Denn von Plouffe sei sonst fast nie die Rede.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das stimmt. Das „Gesicht“ der Wahlkampagne Obamas ist David Axelrod, der den Senator aus Illinois schon aus gemeinsamen Zeiten in Chicago kennt. Ende der achtziger Jahre gründete Axelrod ein Beratungsunternehmen, das heute „AKP&D Message and Media“ heißt. Das „P“ steht für Plouffe, einen der vier Partner der Firma, die schon für manchen Politiker der Demokraten einen Wahlkampf geplant, durchexerziert und gewonnen hat.

          Fast jeden Tag eine Mail

          David Plouffe ist erst 40 Jahre alt, verfügt aber schon über mehr als anderthalb Jahrzehnte Erfahrung im Handwerk des politischen Geschäfts. Wer einmal mit der Website des Kandidaten Barack Obama in Berührung geraten ist, kann sicher sein, fast jeden Tag eine Mail von David Plouffe zu bekommen - oder jedenfalls von der Maschine, mit welcher Plouffe und seine Leute virtuos das Internet bespielen.

          Obama in Iowa im Mai 2007: Plouffe hatte dessen Wahlkampftaktik darauf ausgerichtet, Hillary Clinton bei der Vorwahl in Iowa „zu bremsen. Wenn sie dort gewonnen hätte, wäre sie schwer aufzuhalten gewesen.”
          Obama in Iowa im Mai 2007: Plouffe hatte dessen Wahlkampftaktik darauf ausgerichtet, Hillary Clinton bei der Vorwahl in Iowa „zu bremsen. Wenn sie dort gewonnen hätte, wäre sie schwer aufzuhalten gewesen.” : Bild: AP

          Plouffe hat schon 1992 die kurzlebigen Aspirationen des Senators Tom Harkin aus Iowa aufs Präsidentenamt unterstützt. Von 1997 an arbeitete er für den damaligen demokratischen Minderheitsführer im Repräsentantenhaus Dick Gephardt, dessen ebenfalls rasch gescheiterte Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur von 2004 er als Kampagnenmanager vorantrieb.

          „Wir halten Sie auf dem Laufenden“

          Plouffe hat aus diesen Niederlagen gelernt. Vor allem nämlich, dass man das bis zur Abstrusität komplizierte System der Vorwahlen und auch der eigentlichen Präsidentenwahlen bis aufs kleinste Detail kennen und es für den Kandidaten ausnutzen muss. Dass man mithin einerseits das Internet mit Millionen E-Mails täglich bespielen muss, um ein enges Netz von Aktivisten und Spendern zu knüpfen; dass andererseits aber die guten alten Tugenden eines klassischen „Graswurzelwahlkampfes“ gepflegt werden müssen - mit jungen und alten Wahlkampfhelfern. Es war vor allem Plouffe, der den Enthusiasmus aus der virtuellen Welt des Internets auf die bitterkalten Straßen der wirklichen Welt Iowas brachte und dort potenzierte.

          Er hielt die „Geldmaschine“ im Internet am Laufen, die zig Millionen Dollar in meist kleinen bis kleinsten Stückelungen in die Wahlkampfkasse spülte. Und er schickte auch am historischen Wahlabend vom Dienstag eine Mail: Die „magische Zahl“ der erforderlichen 2118 Delegiertenstimmen sei zum Greifen nahe. „Vergessen Sie nicht, die Rede Obamas heute Abend anzuschauen“, erinnerte David überflüssigerweise. „Danke, und wir halten Sie auf dem Laufenden“, schließt die mit „David Plouffe. Campaign Manager. Obama for America“ gezeichnete Mail. Danke auch Ihnen, David, bis bald also, mit schönen Grüßen.

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