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Hillary Clinton : Und was wird aus ihr?

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton an der George Mason University Bild: Stefan Tomik/F.A.Z.

Hillary Clinton hat ihren Abschied von der Präsidentschaft verwunden und legt sich noch einmal für Barack Obama ins Zeug. Dass sie im Falle seines Wahlsiegs unter ihm Ministerin wird, gilt als unwahrscheinlich. Aber auch andere Posten werden bald neu zu besetzen sein.

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          Zwischen Richmond und Fairfax liegen gerade einmal hundert Meilen, aber in Wahlkampftagen wie diesen können das Welten sein. Zwei Frauen legen sich hier in Virginia ins Zeug, um den Staat, der bei allen Präsidentenwahlen seit 44 Jahren republikanisch gewählt hat, nun aber bereit für einen Wechsel scheint, auf ihre Seite zu ziehen. Die eine ist Sarah Palin und möchte in wenigen Tagen Vizepräsidentin werden; die andere heißt Hillary Clinton und hat sich gerade von ihrem Traum verabschieden müssen, selbst als Commander in Chief ins Weiße Haus einzuziehen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Unterschiedlicher könnten die beiden Veranstaltungen kaum sein: Sarah Palin füllte am Samstag das Sportstadion einer High School bei Richmond (Sarah Palin unterwegs: Wahlkampf in der Endlosschleife), Hillary Clinton am Sonntag einen deutlich kleineren Platz an der George Mason University in Fairfax. Palin begeistert ein Publikum bodenständiger weißer Amerikaner aus der „Countryside“, Clinton spricht eher ein liberales, intellektuelles Publikum an. „Drill Baby, Drill!“, fordern die Republikaner ihre Kandidatin auf und meinen damit, dass Amerika schnell die eigenen Ölvorkommen in Alaska erschließen soll, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. „Jobs Baby, Jobs!“, formuliert Hillary Clinton, um dem etwas entgegenzusetzen.

          „Es wird eben hart gekämpft, das ist doch normal“

          Sarah Palin redet vor einer riesigen amerikanischen Flagge, lobt die Bürger Virginias für ihren Patriotismus und lässt alle Soldaten im Publikum ihre Hand heben, um ihnen dann für den Einsatz fürs Vaterland zu danken. Hillary Clinton hat nicht einmal eine kleine Flagge im Rücken, und das Militär kommt in ihrer Rede nur am Rande vor. Eine demokratische Regierung werde sich anständig um die Truppen und die Veteranen kümmern, sagt sie.

          Der lange Vorwahlkampf hat Wunden gerissen
          Der lange Vorwahlkampf hat Wunden gerissen : Bild: AP

          Stattdessen spricht Hillary lieber über die Finanz- und Wirtschaftskrise, über Familien in finanziellen Schwierigkeiten, und über einst amerikanische Arbeitsplätze, die ins Ausland verlagert wurden. Als ihr Mann Bill Clinton noch Präsident war, sagt sie, habe die Wirtschaft noch gebrummt. Aber die Republikaner hätten das alles zunichte gemacht. Präsident George W. Bush habe umgesetzt, was John McCain gepriesen und was letztlich zu den Banken- und Versicherungspleiten geführt habe: Deregulierung. „Und jetzt muss wieder ein Demokrat im Weißen Haus aufräumen, was ein Republikaner angerichtet hat.“ Dass die Krise schon ihren Lauf nahm, bevor Bush sein Amt antrat und auch die Politik der Fed in der Ära Greenspan unter Präsident Bill Clinton dazu beitrug, erwähnt sie nicht.

          Hillary Clinton hat ihre Niederlage gegen den unterschätzten Barack Obama am Ende doch weggesteckt und mit Würde getragen. Vergessen scheint der zermürbende Krieg der Kandidaten im Vorwahlkampf, der mit harten Bandagen ausgetragen wurde. Vergessen auch der Streit über die Zählung der Vorwahlstimmen aus Florida und Michigan. Vergessen schließlich Hillarys Versuch, Obama durch das Angebot der Vizepräsidentschaft unter ihr zum Juniorpartner zu stempeln. „Es wird eben hart gekämpft, das ist doch normal“, findet Peggy aus Burke. Und ihre Freundin Maureen aus Fairfax sagt: „Am Ende hat Hillary Obama doch nur für den Hauptwahlkampf vorbereitet.“ So kann man es natürlich auch sehen.

          „Wahrscheinlich nahe null“

          Was wird nun aus Hillary Clinton, wenn Obama am Dienstag tatsächlich zum Präsidenten gewählt wird? Dass sie ein Amt in Obamas Regierung übernehmen würde, sollte es ihr überhaupt angetragen werden, gilt als wenig wahrscheinlich. Dafür ist sie schon zu weit gekommen in ihrer politischen Karriere. Seit einiger Zeit wird aber darüber spekuliert, ob sie als Richterin an den Obersten Gerichtshof wechseln könnte, dem zurzeit nur eine Frau angehört. Es gilt als wahrscheinlich, dass der nächste Präsident mindestens eine Richterstelle neu zu besetzen hat. Und der neue Richter wird in dem gespaltenen Gremium viel Einfluss auf die Rechtsentwicklung der Vereinigten Staaten nehmen können.

          Hillary Clinton absolvierte die Yale Law School, arbeitete als Rechtsberaterin für den Kongress und als Anwältin, aber Gerichtserfahrung hat sie nicht. Das sehen manche allerdings auch als Vorteil. Für die Republikaner wäre Clintons Nominierung dagegen ein Affront. Wer weiß: Vielleicht hat Obama ihr auch längst versprochen, dass sie den Richterposten bekommen würde, um sich ihre Unterstützung im Wahlkampf zu sichern.

          Öffentlich schließt Hillary Clinton einen Wechsel in den Supreme Court allerdings aus: „Ich bin daran nicht interessiert“, sagte sie erst Mitte Oktober dem Sender Fox News. Sie suche „keine andere Position als die des besten Senators von New York, der ich sein könnte“. Warum sollte sich aber auch schon jetzt öffentlich für ein Amt bewerben, bevor die Frage überhaupt ansteht?

          Für ihre Anhänger in Fairfax ist allerdings klar, dass Hillary es gar mit der Präsidentschaft noch einmal versuchen sollte. „Wenn sie 2012 oder 2016 antritt, wäre sie immer noch jünger als John McCain heute ist“, sagt Maureen. Im Jahr 2016 wäre Hillary 69 Jahre alt, McCain ist heute 72. Clinton hat eine erneute Kandidatur nicht ganz ausgeschlossen, aber auch nicht wahrscheinlich erscheinen lassen: Die Chance dafür sei „wahrscheinlich nahe null“.

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