https://www.faz.net/-gpf-11m49

George Mitchell : Obamas Mittler in Nahost

  • -Aktualisiert am

Es gibt keinen Konflikt, der nicht beendet werden kann - mit dieser Maxime will George Mitchell zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln. Der Nahost-Beauftragte der Vereinigten Staaten hat in den meisten Fällen bei seinen Kriseneinsätzen eine glückliche Hand bewiesen.

          2 Min.

          Offenbar gibt es kaum etwas, wozu man George Mitchell nicht als Mittler rufen kann. Wann immer ein vertracktes Problem besteht und gelöst werden muss, wann immer in eine dunkle Ecke der Gesellschaft das Licht der Aufklärung fallen soll, wann immer ein Unternehmen aus einer Krise geführt werden muss, wird er gerufen: als Vermittler, als Ermittler, als Nothelfer. In den meisten Fällen hat Mitchell bei seinen Kriseneinsätzen eine glückliche Hand bewiesen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Geschick und Glück hat er schon bei seiner ersten Karriere gezeigt - als Politiker. Von Mai 1980 bis Anfang 1995 vertrat Mitchell nicht nur seinen Heimatstaat Maine in Neuengland im Senat und wurde zuletzt, 1988, mit 81 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er stieg auch rasch an die Spitze der Fraktion der Demokraten in der kleineren Kongresskammer auf und war von 1989 bis 1995 Mehrheitsführer im Senat. Mitchell bezeichnet sich selbst als „Arab American“, also als Amerikaner arabischer Herkunft.

          Kein Konflikt, der nicht beendet werden kann

          Geboren wurde George Mitchell am 20. August 1933 in Waterville in Maine als Sohn eines irischstämmigen Vaters und einer im Alter von 18 Jahren aus dem Libanon in die Vereinigten Staaten eingewanderten Mutter. Er wuchs, katholisch erzogen, in einfachen Verhältnissen auf und besuchte öffentliche Schulen. Von 1954 bis 1956 diente er im Aufklärungsdienst des amerikanischen Heeres in Berlin, ehe er an der Georgetown University in Washington die Rechte studierte. Bis heute praktiziert Mitchell, der in den siebziger Jahren als Staatsanwalt in Maine arbeitete und dem damaligen Senator und späteren Außenminister Edmund Muskie assistierte, als Anwalt einer international tätigen Kanzlei.

          Doch bekanntgeworden ist der weithin respektierte Senator und Anwalt als Mittler und Nothelfer. Seine bisher größte Leistung ist gewiss jene, als Sonderbeauftragter von Präsident Bill Clinton in zähen Verhandlungen von 1995 an das Karfreitagsabkommen von 1998 für einen Frieden in Nordirland erreicht zu haben. „Bei den Verhandlungen sind wir an 700 Tagen gescheitert, und an einem Tag haben wir Erfolg gehabt“, sagte Mitchell bei seiner Ernennung zum neuen Nahost-Beauftragten durch Präsident Barack Obama am 22. Januar. Mit seiner sprichwörtlichen Zähigkeit und mit der Maxime, dass es „keinen Konflikt gibt, der nicht beendet werden kann“, will er auch zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln. Sollte ihm auch diese freilich noch schwierigere Mittlermission glücken, wird er es nicht nur - wie im Fall Nordirland - zur Nominierung bringen, sondern zur Verleihung des Friedensnobelpreises.

          Weitere Stationen seiner Laufbahn waren die eines schonungslosen Aufklärers im Doping-Skandal der amerikanischen Profi-Baseball-Liga 2006, der die verbreitete Praxis der Einnahme verbotener Leistungsförderer aufdeckte, sowie, von 2004 bis 2006, die eines Vorstandsvorsitzenden des seinerzeit angeschlagenen Disney-Konzerns. „Konflikte werden von Menschen gemacht, geleitet und verschärft. Sie können auch von Menschen beendet werden“, lautet sein Credo.

          Weitere Themen

          „November wird der Monat der Entscheidung“ Video-Seite öffnen

          Armin Laschet : „November wird der Monat der Entscheidung“

          Der NRW-Ministerpräsident fordert die Wiedereinführung strenger Kontaktregeln zur Bekämpfung des Coronavirus. „Die Lage ist sehr, sehr ernst“, im November entscheide sich, wie Deutschland durch die nächsten Monate durch die Pandemie komme, betonte Laschet.

          Topmeldungen

          Unser Autor: Martin Benninghoff

          F.A.Z.-Newsletter : Was bringt der Lockdown-Gipfel?

          Deutschlands sechzehn Ministerpräsidenten suchen einen Konsens über Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung. Es ist nicht der einzige Showdown in der Hauptstadt. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Newsletter.
          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.