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Führungslosigkeit der Republikaner : Die Männer nach McCain

  • -Aktualisiert am

Eingeständnis der Niederlage: John McCain am Dienstagabend in Phoenix/Arizona Bild: AFP

John McCain ist zu alt, um eine Führungsaufgabe bei der Erneuerung der Republikanischen Partei spielen zu können. Die Entscheidung für den nächsten Präsidentschaftskandidaten ist auch eine über den künftigen Kurs der Konservativen.

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          Es ist nur eines von vielen Paradoxa nach acht Jahren republikanischer Herrschaft im Weißen Haus, dass ein Mann der Vergangenheit auch die Zukunft weisen könnte. Dieser Mann ist nicht George W. Bush, sondern John McCain.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch der „Maverick“ John McCain, der in seiner langen Laufbahn die unabhängigen Wechselwähler der politischen Mitte anzusprechen vermochte wie kaum ein anderer Republikaner, wird keine Führungsaufgabe bei der Erneuerung der Republikanischen Partei spielen können. Denn er ist der ultimative, fast tragische Verlierer - und zudem zu alt.

          „Grand Old Party“ der Vergangenheit

          Wer aber dann? Seine Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die schon jetzt als mögliche Herausforderin Obamas im Jahre 2012 genannt wird? Oder wird sich eine andere Führungsfigur mit persönlicher Ausstrahlung und programmatischer Kompetenz herausschälen - vielleicht Newt Gingrich, der schon die „republikanische Revolution“ von 1994 gegen Bill Clinton angeführt, für die Partei den „Vertrag mit Amerika“ geschlossen und die Republikaner zu historischen Siegen bei Kongresswahlen geführt hatte?

          Vertrag mit Amerika: Newt Gingrich
          Vertrag mit Amerika: Newt Gingrich : Bild: AP

          Oder die in diesem Jahr frühzeitig gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Rudy Giuliani, Mike Huckabee oder Mitt Romney, der als Mormone, Wirtschaftsfachmann und Pragmatiker das Kunststück fertigbrachte, von 2003 bis 2007 in einem liberalen Neuenglandstaat wie Massachusetts als Gouverneur zu reüssieren?

          David Frum, einstiger Redenschreiber von George W. Bush und einer der (übrigens aus Kanada stammenden) konservativen Vordenker des Landes, hatte die Ernennung Sarah Palins von Beginn an scharf kritisiert. Palin sei das Gesicht einer republikanischen „Grand Old Party“ der Vergangenheit, sagt Frum, sie stehe für eine Partei, die ihre Anhänger bei den unteren Einkommensschichten findet und die Wählerschichten der kulturell aufgeschlossenen und sozial aufstrebenden Mittelklasse verschrecke.

          Besserverdienende wählten die Demokraten

          Andere sehen Frau Palin gerade als Gallionsfigur, diesen Schritt zu tun in Richtung wohlhabendes, politisch gemäßigtes „suburbanes“ Amerika, sie sei nur im Wahlkampf von McCains Wahlkampfstrategen verbogen worden. Tatsächlich stimmen jene Wahlbezirke und Bundesstaaten, in welchen das Jahreseinkommen der Wähler über dem Landesdurchschnitt liegt, seit Jahren mehrheitlich für die Demokraten und nicht für die Republikaner.

          Der historische Sieg der Demokraten unter dem künftigen Präsidenten Barack Obama in den Südstaaten Virginia und South Carolina ist in erster Linie der Zuwanderung von angestellten und selbständigen Akademikern der höheren Einkommenschichten zu verdanken. Deshalb, so fordern Frum und andere, müsse sich die Partei modernisieren, öffnen, erneuern - und dazu sei sie - durch Machtmissbrauch, mangelnde Ausgabendisziplin und Inkompetenz programmatisch und organisatorisch ausgelaugt - nur in der Oppositon in der Lage.

          Kulturkampf verloren

          Bushs einstiger Chefstratege Karl Rove, dem der scheidende 43. Präsident seine beiden Wahlsiege von 2000 und 2004 wesentlich verdankte, warnte aber noch in der Wahlnacht davor, bei der jetzt einsetzenden republikanischen Seelensuche die ethisch-moralischen, auch religiösen Grundüberzeugungen über Bord zu werfen. Tatsächlich konnte sich die Basis der Partei bei immens wichtigen Referenden in Florida, Arizona und wohl auch in Kalifornien durchsetzen und das Verfassungsverbot der Homosexuellenehe erreichen.

          Auch die Grundüberzeugung, dass menschliches Leben - geborenes wie ungeborenes - als Geschenk des Schöpfers den Schutz jeder menschlichen Gemeinschaft verdiene, werde sich nicht verflüchtigen. Den Kulturkampf hat die religiöse Rechte vorerst im Hochwasser der Finanzkrise und der Rezession verloren. Für die amerikanischen Konservativen komme es darauf an, sagen ihre Vordenker, ihre Überzeugungen zu bekräftigen und den prosperierenden Vorstädten nicht als weltanschauliche Kampfansagen hinzuwerfen, sondern als Deutungsangebot im zivilen Diskurs zu unterbreiten.

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