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San Antonio (Texas) : Mit Zuversicht der Pleitewelle trotzen

Bild: U.S. Census Bureau

Für den Franchise-Nehmer Augie Muñoz kam die Nachricht von der Pleite der Restaurantkette Bennigan's nicht überraschend. Was nun werden soll aus ihm und seinen gut zwei Dutzend Teil- und Vollzeitangestellten, weiß er nicht. Vorerst macht er weiter.

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          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Für Augie Muñoz kam die Nachricht überraschend. Was nun werden soll aus ihm und seinen gut zwei Dutzend Teil- und Vollzeitangestellten, weiß er nicht. Vorerst macht er weiter, das Restaurant an der San Pedro Avenue in San Antonio bleibt geöffnet. Denn als Franchise-Nehmer ist er von der Pleite der Restaurantkette Bennigan's nur mittelbar betroffen. Deren Mutterunternehmen, das zum Medien- und Dienstleistungsimperium Metromedia des Milliardärs John Kluge im texanischen Plano gehört, hatte am 29. Juli Konkurs angemeldet und buchstäblich über Nacht mehr als 180 Filialen geschlossen. Tausende Angestellte - vom Aushilfskellner bis zum Filialleiter - verloren von heute auf morgen ihre Jobs. Kunden standen vor verschlossenen Türen, an welche ein Dankesschreiben für die jahrelange Treue geheftet war.

          Doch neben jenen Restaurants, die Metromedia direkt gehörten und jetzt zugesperrt sind, gibt es weitere knapp 140 Filialen, die von örtlichen Franchise-Nehmern betrieben werden. Zu diesen gehört auch die Filiale an der San Pedro Avenue in San Antonio, direkt neben einem Wal-Mart-Supermarkt und gegenüber dem Einkaufszentrum „North Star Mall“ gelegen, dazu sind die Stadtumgehungsautobahn I-410 und der internationale Flughafen nicht weit. Das Restaurant ist eigentlich recht günstig gelegen, es gibt viele Stammkunden, aber auch eine stattliche Laufkundschaft, die dem grünen Schild mit der roten Aufschrift auf einem hohen Eisenpfahl folgt.

          Die Kette Bennigan's wurde 1976 gegründet und konnte sich in zuletzt 32 der 50 Bundesstaaten als Restaurant mit irgendwie irischem Einschlag für Geschäftsleute und Familien im Marktsegment deutlich oberhalb der Hamburger-Schnellrestaurants etablieren. Augie Muñoz ist seit mehr als zehn Jahren Filialmanager an der San Pedro Avenue, wohin sich sogar einige der Touristen auf der Weiterfahrt von der Innenstadt mit dem berühmten „Riverwalk“ am San-Antonio-Fluss und der noch berühmteren Alamo-Festung verirren. Gewiss, auch er habe seit gut einem Jahr einen deutlichen Umsatzrückgang erlebt, sagt Muñoz, aber als existenzbedrohend habe er es nicht empfunden. Die Pleite von Bennigan's reiht sich ein in eine ganze Serie von Konkursen. Das Kaufhaus Mervyn's schloss seine fast 180 Filialen, die Modekette Steve & Barry's ihre zuletzt knapp 280 Filialen in 39 Staaten. Auch das Einrichtungskaufhaus Linens 'n Things und der Elektronikhändler Sharper Image mussten nach Konkurs- und Gläubigerschutzverfahren im Frühjahr die meisten ihrer Filialen schließen.

          Doch Muñoz hat noch längst nicht die Hoffnung aufgegeben. Und auch die Angestellten seines Restaurants sind zuversichtlich, dass es irgendwie weitergehen wird. Tatsächlich haben sich nach der Pleite der Mutterfirma in Plano in Texas und der Schließung der etwa 180 konzerneigenen Filialen einige Investoren aus New York zusammengefunden, um die 140 Franchise-Filialen von Bennigan's unter einem neuen Dach mit dem eingeführten Namen zusammenzuführen. Fachleute glauben, dass angesichts der schwächelnden Konjunktur und hoher Benzinpreise bis zum Jahresende mehr als tausend Restaurants ihre Tische werden abräumen und die Türen werden schließen müssen. Das sind Hunderte geplatzter Träume vom eigenen Unternehmererfolg und Tausende verlorener Jobs. Aber im Vergleich zu den etwa 575 000 Restaurants im ganzen Land, die mit Millionen Mitarbeitern weiter um mehr als 300 Millionen potentieller Kunden werben, ist das ein Klacks. Augie Muñoz ist zuversichtlich.

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