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Amerikas Hauptstadt : Viele hoffen auf den Zuzügler

  • -Aktualisiert am

„Einen Half Smoke bitte”: Obama im Ben's Chili Bowl Bild: AFP

„Jeder Präsident hat anfangs versichert, ihm liege die Hauptstadt am Herzen. Aber passiert ist dann nichts.“ Wohnt Obama nur in Washington, oder will er dort auch leben? Viele Hauptstädter warten auf Wandel.

          In „Ben's Chili Bowl“ herrscht ein Andrang, als ob es den legendären Hot Dog mit Chilisoße heute umsonst gäbe. Geschäftsleute, Touristen und Familien, Schwarze wie Weiße bevölkern das Imbisslokal in der U Street. „Ein Wahrzeichen Washingtons“ steht an der historischen Fassade. Als die U Street noch der „schwarze Broadway“ war, ließen sich Stars wie Duke Ellington, Miles Davis, Ella Fitzgerald und Bill Cosby bei „Ben's“ ihren „Chili Half Smoke“ schmecken, ein geräuchertes Würstchen aus Rind- und Schweinefleisch auf warmem Brötchen mit reichlich Senf, Zwiebeln und natürlich der hausgemachten Chilisoße.

          Die Wände des Lokals sind dicht behängt mit Fotos von Sängern, Schauspielern und Showgrößen. Man muss schon suchen, bis man das Bild des prominentesten Gastes findet. Wenige Tage vor seiner Amtseinführung kam Barack Obama überraschend mit Bürgermeister Adrian Fenty zum Lunch. Er schüttelte Hände, herzte Babys und verspeiste natürlich einen „Half Smoke“. Seitdem muss Kamal Ali noch häufiger den Fremdenführer geben. Gemeinsam mit seinem Bruder hat Ali das Lokal vom Vater übernommen, einem Einwanderer aus Trinidad. „Die Leute wollen wissen, wo der Präsident gestanden und gesessen hat, um dann Fotos zu machen“, sagt Ali, der eine Schirmmütze mit Obama-Emblem trägt. „Sein Besuch bedeutet eine ganz neue Dimension für uns.“

          „Jeder Präsident hat anfangs versichert, ihm liege die Hauptstadt am Herzen“

          Im hinteren Teil des Lokals beendet eine Gruppe schwarzer älterer Männer ihre Mittagsmahlzeit. Milton Wynder isst seinen Chilidog schon seit Jahrzehnten bei „Ben's“. Er kann sich noch genau erinnern, wie die U Street nach der Ermordung von Martin Luther King zum Epizentrum der Rassenunruhen in Washington wurde. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis das Viertel sich erholte, das in den siebziger und achtziger Jahren berüchtigt für seine Rauschgiftszene war. Mittlerweile ist das „Ben's“ wieder umgeben von Clubs, Cafés und Restaurants. Der U-Street-Korridor zählt zu den Trendvierteln der Hauptstadt. „Es hat sich ziemlich viel verändert“, sagt Milton Wynder nachdenklich. Aber er glaubt nicht, dass mit dem Wechsel zu Obama auch eine neue Ära in den Beziehungen zwischen Washington und Weißem Haus beginnt. „Jeder Präsident hat anfangs versichert, ihm liege die Hauptstadt am Herzen. Aber passiert ist dann nichts.“ Miltons Kameraden geben sich dagegen überzeugt, mit Obama werde alles anders. Der Besuch bei „Ben's“ sei doch ein vielversprechender Anfang gewesen.

          Szenetreff: „Ben's Chili Bowl” auf der U Street in Washington war auch Obama schon einen Ausflug wert.

          Wie so viele Politikerfamilien wollten auch die Obamas nicht nach Washington ziehen, als Barack Obama in den Senat gewählt wurde. Sobald die Arbeit in Washington getan war, flog der Senator zurück nach Chicago. Umso mehr beteuern der Präsident und First Lady Michelle Obama nun, sie wollten „gute Nachbarschaft“ zu den rund 580.000 Hauptstädtern pflegen. Symbolkräftig untermauert haben sie dies durch den „Nachbarschaftsball“, den Obama ins Festprogramm zur Amtseinführung aufnahm. Vor den Mitbürgern absolvierte das Präsidentenpaar den ersten Tanz des Abends.

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