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Amerikanische Vorwahlen : Die Reihe der Bewerber lichtet sich

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

McCain gegen Romney und Clinton gegen Obama: Nach dem Rückzug von Giuliani und Edwards steht in beiden politischen Lagern ein Duell um die Präsidentschaftskandidatur bevor. Der Republikaner McCain soll angeblich Unterstützung von Schwarzenegger erhalten.

          Rudolph Giuliani, der ehemalige Bürgermeister von New York, ist aus dem Rennen um die amerikanischen Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ausgestiegen. Giuliani unterstützt nun den Kandidaten John McCain. Das erklärte er am Mittwochabend in Kalifornien. Am Dienstag war er bei der Vorwahl in Florida hinter McCain und Mitt Romney nur abgeschlagen auf dem dritten Platz gelandet. In seiner Kampagne hatte er sich voll auf Florida konzentriert und war mit dieser Strategie gescheitert.

          „John McCain ist der qualifizierteste Kandidat, um der nächste Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten zu sein. Er ist ein amerikanischer Held“, sagte Giuliani über den Kriegsveteranen McCain, mit dem er seit langem befreundet ist. Irgendjemand anderen zu unterstützen, wäre für ihn ein Zeichen von Wankelmütigkeit, sagte Giuliani. Er hatte sich bereits vor seiner eigenen Kandidatur für Senator McCain ausgesprochen.

          Auch Schwarzenegger für McCain

          Unterstützung erhält McCain voraussichtlich auch vom kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Der Republikaner werde sich am Donnerstag offiziell hinter McCain stellen, erklärten Schwarzenegger nahestehende Gewährsleute am Mittwochabend. Die beiden wollten nach dem Besuch eines Solar-Unternehmens zusammen auf einer Pressekonferenz in Los Angeles zu Journalisten sprechen, hieß es. McCain kristallisiert sich damit vor Mitt Romney zunehmend als Favorit unter den republikanischen Kandidaten heraus. Am kommenden Dienstag, dem sogenannten Super-Dienstag, wird auch in Kalifornien über die Kandidaten der jeweiligen Parteien abgestimmt.

          Giuliani: „John McCain ist der qualifizierteste Kandidat”

          Der 63 Jahre alte Giuliani galt noch im vergangenen Sommer als Top-Favorit unter den republikanischen Kandidaten. Sein Image als Held des 11. September und seine wiederholten Warnungen vor neuen Anschlägen kamen in konservativen Kreisen sehr gut an. Der bereits zum dritten Mal verheiratete Politiker wurde jedoch immer wieder wegen seines Privatlebens kritisiert. Auch seine vergleichsweise liberale Haltung in Bezug auf Abtreibung und Rechte für Homosexuelle bereiteten ihm unter Republikanern einen schweren Stand. Und nicht zuletzt war Giuliani Bürgermeister von New York - die Stadt gilt vielen Konservativen als Sinnbild liberalen Überschwangs.

          McCain ist Favorit bei den Republikanern

          McCain hat nun im Rennen um die Kandidatur der Republikaner einen weiteren Vorteil gegenüber seinem Hauptkonkurrenten Romney. Er kann nun vermutlich als Favorit in die entscheidenden Vorwahlen am kommenden Super-Dienstag gehen. Bereits nach der Wahl in Florida dankte McCain seinem Freund Giuliani auf einer Veranstaltung in Miami: „Danke Dir Rudy, für alles, was Du zu diesem Rennen beigetragen hast und auch dafür, dass Du für mich und für Millionen Amerikaner eine Inspiration bist.“ McCain, der sich Giulianis weiterer Unterstützung wohl bereits sicher war, nannte ihn auch einen herausragenden amerikanischen Führer.

          Der 71-jährige McCain kam in Florida nicht nur bei den gemäßigten Republikanern an, er punktete laut Umfragen auch bei den älteren Wählern, Veteranen und der hispanischen Bevölkerung. Kritische Fragen zu seinem Alter parierte er im Wahlkampf zuletzt mit dem Hinweis auf seine Lebenserfahrung und Entscheidungsstärke. Im Herbst stand seine Kampagne jedoch fast vor dem Aus, McCain hatte kein Geld mehr. Sein Sieg in Florida und der Rückzug Giulianis dürften nun wesentlich mehr frisches Geld in seine Wahlkampfkasse spülen.

          In beiden Lagern steht jetzt ein Zweikampf bevor

          Neben McCain und Romney sind noch der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, und der liberale Republikaner Ron Paul im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Ihre Chancen werden aber als nicht realistisch eingestuft.

          Am Mittwoch hatte auf der demokratischen Seite bereits Exsenator John Edwards das Handtuch geworfen. Damit verengt sich dort die Kandidatenkür auf die erbitterten Konkurrenten Hillary Clinton und Barack Obama. Nun läuft auch bei den Republikanern alles auf einen Zweikampf der beiden aussichtsreichsten Kandidaten hinaus: McCain gegen Romney.

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