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Amerika : Wahlkampf in der Endlosschleife

  • -Aktualisiert am

Jede Geste einstudiert, jeden Tag die gleiche Rede Bild: AP

Sarah Palin hat wieder Tritt gefasst und weiß, wie sie einfache Amerikaner gegen Barack Obamas Steuerpläne aufbringen kann. Doch auf die gesamte Wählerschaft will die Begeisterung ihrer Fans nicht überspringen. Und auch die eigene Partei bleibt gespalten.

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          Dass die Wahl entgegen allen Umfragen noch nicht entschieden sei und also John McCain und Sarah Palin durchaus noch eine Chance haben, beteuern die Strategen der Republikaner in diesen letzten heißen Wahlkampftagen in allen Interviews. Dass laut einer Umfrage von Associated Press und Yahoo jeder siebte Wähler noch unentschlossen und daher zu überzeugen ist, lässt für sie einen Funken Hoffnung glühen in einer Situation, in der Barack Obama in allen landesweiten Umfragen führt - mit bis zu 13 Prozentpunkten. Bloß keinen wichtigen Staat verloren geben, bloß keine Wähler frustriert zurücklassen, das fordert den Kandidaten in diesem Finale alles ab. Die Wahlkampfmaschine der Republikaner läuft auf hohen Touren. Und auch Sarah Palin hat ihre Rolle darin gefunden.

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Die Schlange von Menschen, die die Gouverneurin von Alaska am Samstagabend in Richmond in Virgina sehen wollen, ist schon zu Beginn des Einlasses um halb sieben mindestens eine Meile lang. Sie windet sich über den riesigen Parkplatz der Deep Run High School und rings um das Schulgebäude. Schnell hat sich das Stadion gefüllt mit tausenden Fans, es sind fast ausschließlich Weiße.

          „Nobama!“

          Scheinwerfer werden kalibriert, Jubelutensilien an den Mann und Fans für die Fernsehkameras in Position gebracht. Etwas erhöht hinter der Bühne gibt ein Mitarbeiter der Kampagne Zeichen. Auf sein Signal werden tausende Schilder und Fähnchen in die Höhe gereckt, ein ohrenbetäubendes Johlen brandet auf. Nichts überlässt die Wahlkampfmaschine dem Zufall.

          Auch die Umarmung der Kinder mit Down-Syndrom gehört zum Wahlkampf
          Auch die Umarmung der Kinder mit Down-Syndrom gehört zum Wahlkampf : Bild: AP

          Ein unbekannter Vorredner macht schließlich den Anfang und bringt die Menge in Schwung. Nichts sei entschieden bei dieser Wahl, sagt er, obwohl „die liberalen elitären Medien uns das weismachen wollen“. Die Menge antwortet mit Sprechchören: „Nobama!“ „Dieses Land“, fährt der Sprecher fort, „ist nicht irgend ein Staat da drüben in Europa. Dies sind die Vereinigten Staaten von Amerika!“ Und die Menge skandiert wie aus einem Munde „U.S.A.! U.S.A.!“ An Patriotismus mangelt es nicht an diesem Abend.

          Dann wird gebetet, für die Kandidaten McCain und Palin, dass sie die Wahl gewinnen und im Weißen Haus die richtigen Entscheidungen für das Land treffen mögen. Anschließend Auftritt dreier Vietnam-Veteranen, die zusammen mit McCain in vietnamesischer Gefangenschaft waren. McCains Führungsstärke wird gepriesen, Obamas Unerfahrenheit in der Außenpolitik gegeißelt, den Soldaten im Irak und in Afghanistan gedankt.

          Der frühere Gouverneur von Virginia Jim Gilmore, der sich nun für einen Sitz im Senat bewirbt, betritt die Bühne und macht der Menge klar: Obama wird die Steuern erhöhen, „er wird euer Geld anderen geben“, er hat die Truppen im Irak im Stich gelassen und keine Erfahrung in der Außenpolitik. Immer wieder prasseln diese Botschaften auf die Zuschauer nieder.

          Soundbites vom Fließband

          Doch dann gerät die Wahlkampfmaschine ins Stocken: Sarah Palins Ankunft verzögert sich. Ein Musikstück nach dem anderen wird eingespielt, Tina Turners „Simply the Best“ läuft schon zum zweiten Mal. „Sarah ist auf dem Weg“, versichert ein Mitarbeiter, um die Menge bei Laune zu halten. „Aus Alaska?“, fragt jemand. Eine Traube Menschen ringsherum lacht. Dann wieder Musik. Es geht jetzt schon auf die zehn Uhr zu, die Kälte frisst sich in alle Glieder, einige Palin-Fans verlassen die Veranstaltung. Erst um fünf nach zehn schreitet Sarah Palin endlich unter Fanfarenklängen auf das Mikrofon zu. Im Publikum blitzen die Fotoapparate, der Jubel erfüllt die Erwartungen der Veranstalter.

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