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Amerika : Republikanisches Augenlicht

  • -Aktualisiert am

Sarah Palin schließt eine Kandidatur für 2012 nicht aus Bild: REUTERS

Amerikas republikanische Gouverneure nehmen nun die Erneuerung der abtretenden Regierungspartei in Angriff. Sarah Palin gibt Interview um Interview - und hält sich als Führungspersönlichkeit im Gespräch.

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          Dieser Tage schaute Governeur Tim Pawlenty in den Spiegel. Was er sah, betrübte ihn: zu viele Falten um die Augen und auf der Stirn, zu viel Kummerspeck auf den Hüften, zu wenig Haare auf dem Kopf. Auf die Frage an seine Frau, worauf er denn angesichts dieses unerfreulichen Anblicks noch seine Hoffnungen gründen solle, habe diese geantwortet: „Immerhin ist dein Augenlicht noch tadellos.“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Gleichnis des republikanischen Gouverneurs aus Minnesota, jenes Staats am Oberen See, an dem die Republikaner ihren Nominierungsparteitag für die Präsidentenwahl abgehalten haben, kam gut an bei Pawlentys Kollegen. Am Mittwoch und Donnerstag kamen die republikanischen Gouverneure zu ihrer Jahrestagung in Miami zusammen, doch außer dem ordnungsgemäß schönen Wetter gab es wenig, was die konservativen Regierungschefs aus den Bundesstaaten hätte erheitern können. Die schwere Niederlage der Republikanischen Partei bei den Präsidenten- und Kongresswahlen liegt gerade einmal eine gute Woche zurück, zudem ging bei den Wahlen vom 4. November ein weiterer Gouverneursposten verloren: Von Januar an werden die Republikaner nur noch in 21 der 50 Bundesstaaten den Gouverneur stellen; vor vier Jahren waren es noch 28 Staaten.

          „Defizite bei Frauen, Latinos, Schwarzen und Geringverdienern“

          Gerade die republikanischen Gouverneure, von denen manche in ihren Staaten erfolgreich und populär sind, deren Wähler bei den Präsidenten- und Kongresswahlen aber mehrheitlich für Barack Obama und die Demokraten gestimmt haben, nehmen nun die Erneuerung der abtretenden Regierungspartei in Angriff. Das von Pawlenty angeführte gute Augenlicht sollte ihnen helfen, einen Weg zur Rückkehr an die Macht zu finden.

          „Wir können keine Mehrheits- und Regierungspartei sein, wenn wir an der Westküste nicht wettbewerbsfähig sind, wenn wir die Staaten an den Großen Seen verlieren und wenn die Demokraten jetzt sogar einige Staaten im Westen gewinnen“, sagte Pawlenty und fuhr fort: „Wir haben Defizite bei weiblichen Wählern, bei Latinos, bei Schwarzen und bei Wählern mit geringem Einkommen.“

          Unmittelbar nach der Wahlniederlage hatte sich bei den Republikanern ein Richtungsstreit abgezeichnet: Während die einen das Heil in einer starken Orientierung an konservativen Werten suchten, wie sie etwa in der Ablehnung der Abtreibung der Homosexuellen-Ehe und der Abtreibung zum Ausdruck kommt, forderten andere eine Öffnung der Partei zur Mitte hin, um Wählergruppen zurückzugewinnen, die für die Demokraten gestimmt haben. In Miami bemühten sich die Gouverneure indes um Geschlossenheit und eine Zusammenführung beider Positionen. Es sei möglich, zu den „traditionellen konservativen Überzeugungen zurückzukehren“ und die Partei zugleich zu modernisieren und ihre Wählerbasis zu erneuern, sagte Pawlenty.

          Palin gewährt Interview um Interview

          Auch Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana, Kind indischer Einwanderer und mit 37 Jahren der jüngste in der Gruppe, forderte eine Rückbesinnung auf republikanische Grundwerte wie Fiskal- und Haushaltsdisziplin, gutes Regieren und sattelfeste ethische Grundsätze. Man könne nicht, wie die scheidende Regierung unter Präsident George W. Bush, die Steuern senken, ohne zugleich auch bei den Ausgaben zu streichen. Das Argument, dass „die andere Seite schlimmer ist“, habe die Wähler verständlicherweise nicht überzeugt, vielmehr müssten die Republikaner selbst Lösungen anbieten und „keine Ausreden für Korruption gelten lassen“.

          Deshalb forderte Dave Heineman, Gouverneur aus Nebraska, den sofortigen Rücktritt von Senator Ted Stevens aus Alaska, der sich ungeachtet seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Vorteilsnahme in der Woche vor den Wahlen am 4. November um die Wiederwahl beworben hatte und sich ein bis heute nicht entschiedenes, äußerst knappes Rennen gegen den demokratischen Bürgermeister von Anchorage lieferte.

          Und dann war da natürlich noch jemand aus Alaska: Gouverneurin Sarah Palin, gescheiterte Vizepräsidentschaftskandidatin. Sie zog in Miami beträchtliches Medieninteresse auf sich, gewährte Interview um Interview, wollte eine eigene Kandidatur ums Weiße Haus nicht ausschließen, sprach aber weniger von 2012 als von 2010: Dann geht es nämlich in 36 Staaten um die Gouverneursposten, von denen die Demokraten 20 und die Republikaner 16 zu verteidigen haben.

          Nicht auf Washington, sondern auf die einzelnen Bundesstaaten und die Regionen sollten die Republikaner bei ihrem Kampf um die Rückkehr an die Macht vorerst konzentrieren. „Die Leute sehen auf uns, die republikanischen Gouverneure, wenn sie nach Führungspersönlichkeiten für unsere Partei Ausschau halten“, sagte Frau Palin am Donnerstag in Miami. Und es schien, als zeige sie besonders auf sich selbst.

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