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Machtanspruch : Russische Langstreckenbomber wieder permanent in der Luft

  • Aktualisiert am

Freund des Militärs: Wladimir Putin Bild: dpa

Erstmals seit 15 Jahren sind russische Langstreckenbomber wieder rund um die Uhr in der Luft. Präsident Putin begründete den Schritt mit der wachsenden Bedrohung durch andere Länder. Die Vereinigten Staaten reagierten gelassen.

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          Erstmals seit 15 Jahren sind russische strategische Langstreckenbomber wieder rund um die Uhr in der Luft. Präsident Wladimir Putin begründete den Schritt am Freitag mit der wachsenden Bedrohung durch andere Länder. Die Vereinigten Staaten reagierten gelassen auf die Entscheidung.

          Nach dem Ende des Kalten Krieges habe Rußland 1992 „die Flüge einseitig eingestellt, leider sind unserem Beispiel nicht alle Länder gefolgt“, sagte Putin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Dadurch sei für Moskau ein Sicherheitsproblem entstanden. „Ich hoffe, dass unsere Partner mit Verständnis auf diesen Schritt reagieren“, sagte der Kremlchef.

          „Nicht völlig überraschend“

          Das Weiße Haus betrachtet die Entscheidung Moskaus als unproblematisch und eine interne Angelegenheit. Amerikanische Sicherheitsinteressen seien von Moskaus Schritt nicht betroffen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon Johndroe, am Freitag in Crawford im Bundesstaat Texas, wo Präsident George W. Bush derzeit seinen Urlaub verbringt. „Wir haben sehr gute Arbeitsbeziehungen mit den Russen und mit dem russischen Militär“, betonte Johndroe. Es sei „nicht völlig überraschend“, dass die russische Luftwaffe sich zu dem jüngsten Schritt entschlossen habe.

          Von sieben russischen Militärflugplätzen waren 14 Kampfbomber, Versorgungs- und Tankflugzeuge gestartet, die auch entlegene Gebiete anfliegen können. Insgesamt sollen 20 mit Raketen bestückte Flugzeuge zum Einsatz kommen. „Unsere Piloten, glaube ich, haben lange genug stillgesessen und nur gelegentlich zum Beispiel Übungsflüge unternommen. Nur beginnt für sie ein neues Leben“, sagte Putin.

          Ziel: Stärke demonstrieren

          Luftwaffenchef Alexander Selin hatte zuvor Patrouillenflüge von Langstreckenbombern über neutralen Gewässern angekündigt. Bei den Trainingsflügen über dem Pazifik, dem Atlantik und vom Schwarzen Meer zum Nordpol sind Schießübungen mit Raketen geplant. Außerdem trainieren die Piloten die Orientierung am Nordpol und das Tanken in der Luft.

          Russland hat in den vergangenen Wochen wiederholt Initiativen gestartet, um seine militärische Stärke zu demonstrieren. Im Streit mit den Vereinigten Staaten um eine Raketenabwehr in Mitteleuropa hat Russland mehrfach mit der Stationierung eigener Raketen etwa in der Enklave Kaliningrad gedroht. Am vergangenen Wochenende kündigte Putin ein großes Programm zur Modernisierung der Raketenabwehr des Landes an. Dabei soll das in diesem Monat erstmals in Moskau in Betrieb genommene Raketenabwehrsystem S-400 „Triumph“ bis 2015 in 20 weiteren Gebieten des Landes stationiert werden. „Ein solches System ist bisher einmalig auf der Welt“, sagte Generalstabschef Juri Balujewski.

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